„Ich habe mich gefühlt wie auf einer Klassenfahrt“

Pegah Ghojavand war im Rahmen ihrer Ausbildung an der Freien Universität zur Fachinformatikerin mit IT-Aufgaben an einer Hochschule in Mosambik betraut / Bewerbungsfrist für Ausbildungsberufe an der Freien Universität: 16. Dezember

13.12.2016

Pegah Ghojavand (2. von links) mit dem Auszubildenden-Team und dem Netzwerkadministrator des Instituto Superior Dom Bosco in Maputo

Pegah Ghojavand (2. von links) mit dem Auszubildenden-Team und dem Netzwerkadministrator des Instituto Superior Dom Bosco in Maputo
Bildquelle: privat

Teamarbeit: Die IT-Infrastruktur wurde mit einer Firewall und einem besseren W-LAN-Zugang ausgestattet.

Teamarbeit: Die IT-Infrastruktur wurde mit einer Firewall und einem besseren W-LAN-Zugang ausgestattet.
Bildquelle: privat

Im Rahmen des Projekts MoçamBIT reist seit sechs Jahren jeden Herbst eine Gruppe Fachinformatik-Auszubildender für zwei Wochen nach Mosambik, um dort bei dem Aufbau von IT-Systemen zu helfen. Pegah Ghojavand, im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Fachinformatikerin an der Freien Universität, hat in diesem Oktober am Instituto Superior Dom Bosco eine Firewall konfiguriert. Im Gespräch mit campus.leben erzählt die 24-Jährige von nachhaltiger Entwicklung und wertvoller Praxiserfahrung.

Frau Ghojavand, Sie waren gemeinsam mit vier Kolleginnen und Kollegen 16 Tage lang in Mosambik. Was war das Ziel der Reise?

Das Ziel von MoçamBIT ist es, IT-Infrastrukturen in Bildungseinrichtungen in Mosambik zu schaffen. Unsere Vorgänger – die Auszubildenden im vergangenen Jahr – waren bereits am Insituto Superior Dom Bosco, um dort ein Serversystem aufzubauen. Das Institut ist das einzige in Mosambik, das Lehrer für Berufsschulen ausbildet. Unsere Aufgabe war es nun, den W-LAN-Zugang zu verbessern, ein Filesharing-System zu etablieren und eine Fi rewall zu installieren. Die Hardware dafür stammte aus Sachspenden unserer Ausbildungsbetriebe und der Strato AG.

Damit das Projekt nachhaltig ist und funktioniert, müssen die Systeme auch ohne uns laufen. Deshalb haben wir alles nachvollziehbar konfiguriert und sauber dokumentiert. Den Netzwerkadministrator am dortigen Institut haben wir in unsere Arbeit eingeführt. Außerdem haben wir eine WhatsApp-Gruppe gegründet, über die wir mit den Leuten vor Ort in Kontakt bleiben können. Und notfalls können wir sogar von Berlin aus per Remote-Steuerung auf die Systeme zugreifen.

War die Arbeit in Mosambik eine große Herausforderung?

Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Meine Kollegin Marie Schmeißner und ich hatten uns in den sechs Monaten vor der Reise darauf vorbereitet, einen Proxy-Server einzurichten. Tatsächlich mussten wir stattdessen eine externe Firewall einbauen. Das ist ein separates Gerät, das korrekt angeschlossen und konfiguriert werden muss. Dabei sind wir auf viele Probleme der Netzwerktechnik gestoßen, die wir bisher nur aus der Theorie kannten – etwa, wie man private in öffentliche IP-Adressen übersetzt. Wenn es brenzlig wurde, konnten wir unserem Projektleiter Fragen stellen, aber das meiste mussten wir durch Recherche im Internet und Ausprobieren lösen.

Fühlten Sie sich unter großem Erfolgsdruck?

Wir wollten nicht erfolglos nach Hause zurückkehren. Durch die vielen Geldgeber und den Live-Blog, den wir geführt haben, ruhten viele Augen auf uns. Deshalb waren wir sehr froh, dass alles geklappt hat – und tatsächlich funktioniert die Firewall nun richtig gut.

Die Aufgabe war sehr anspruchsvoll, aber das gehört nun mal zum Leben eines Informatikers dazu: Es gibt immer wieder neue Technologien und Hardware, auf die man sich spontan einstellen muss. Wir haben daraus eine Menge gelernt. Und das hat sich auch schon niedergeschlagen: In meiner Klausur zur Netzwerktechnik habe ich gerade ohne Mühe eine 1+ geschrieben.

Was wird Ihnen von der Reise in Erinnerung bleiben?

Ich habe mich gefühlt wie auf einer Klassenfahrt. Es war sehr lehrreich – und wir haben viel gelacht. Wenn wir spät nachts an einem Problem zu verzweifeln drohten, haben wir plötzlich einen Lachanfall bekommen.

Das Land haben wir auf eine Weise kennengelernt, wie das als einfacher Tourist nicht möglich gewesen wäre. Ich glaube, dass das Bild von Afrika, das wir in Deutschland aus den Medien haben, stark verzerrt ist. Natürlich gibt es in Mosambik auch viel Elend, gerade in der Vorstadt von Maputo. Aber das Gefühl, Afrika sei fremd und anders, ist mir durch die Reise komplett genommen worden.

Möchten Sie in die Region zurückkehren?

Unbedingt! Roswitha Janecke, eine ehemalige Ausbilderin bei der Strato AG, die das Projekt vor sechs Jahren ins Leben gerufen hat, hat treffend gesagt: Entweder findet man Mosambik schön, oder man ist begeistert und möchte zurück. Ich gehöre zur zweiten Gruppe – einen Urlaub im benachbarten Südafrika im nächsten Jahr habe ich schon geplant.

Ich kann mir auch vorstellen, im Ausland zu arbeiten. Das Gute an der Informatik ist, dass Programmiersprachen und Computersysteme in der ganzen Welt gleich sind und verstanden werden. Ich würde gerne für eine Nichtregierungsorganisation arbeiten, die Menschen Zugang zum Internet verschafft. Denn dadurch erhalten sie Zugang zu Bildung, und das verspricht wirklich nachhaltige Entwicklung.

Die Fragen stellte Jonas Huggins

Weitere Informationen

Die Freie Universität bietet rund 40 Ausbildungsplätze an, darunter zu Fachinformatikerinnen und -Informatikern. Die Ausbildung findet im afib-Verbund statt, zu dem neben der Freien Universität noch die Technische Universität, die Charité-Universitätsmedizin – Campus Benjamin Franklin und das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zählen.

Für die folgenden Ausbildungsberufe endet die Bewerbungsfrist für den Start im kommenden Herbst am 16. Dezember 2016:

Berufsausbildungen mit einer späteren oder ohne eine Bewerbungsfrist:

Schlagwörter