„Noch mehr Personen sollen ein Regelstudium aufnehmen können“

Noch bis zum 15. Juli können sich Geflüchtete für die Sprach- und Studienvorbereitungskurse des Welcome@FUBerlin-Programms der Freien Universität Berlin anmelden

06.07.2018

Das Welcome@FUBerlin-Programm gibt es seit dem Wintersemester 2015/16.

Das Welcome@FUBerlin-Programm gibt es seit dem Wintersemester 2015/16.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Das Welcome@FUBerlin-Programm bietet qualifizierten Studieninteressierten, die ihre Heimat verlassen mussten, die Möglichkeit, kostenlos an Sprachkursen, Vorbereitungskursen und ausgewählten Lehrveranstaltungen teilzunehmen und sich so auf ein Regelstudium vorzubereiten. Im Wintersemester 2018/19 geht das Programm in sein viertes Jahr. Programmleiter Florian Kohstall zieht im Interview mit campus.leben eine Zwischenbilanz.

Herr Kohstall, das Welcome@FUBerlin-Programm gibt es seit dem Wintersemester 2015/16. Was hat sich seitdem verändert?

Strukturell haben wir das Programm eigentlich nicht verändert. Wir bieten immer noch eine Mischung aus Sprach- und Vorbereitungskursen und eine Reihe von Zusatzangeboten wie etwa eine Begleitung durch studentische Buddies, Unisport- und Computerkurse an. Zudem sind wir davon überzeugt, dass eine fachliche Vorbereitung wichtig ist für den späteren Studienerfolg, auch für Personen mit einer direkten Hochschulzugangsberechtigung.

Allerdings hatten wir zu Beginn das Gaststudium als zentralen Bestandteil des Programms konzipiert. Daran bestand jedoch weniger Interesse als an den Vorbereitungs- und Sprachkursen. Deshalb haben wir das geändert: Das Gaststudium spielt jetzt nur noch eine kleine Rolle im Welcome-Programm.

Was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer betrifft, so hat sich verändert, dass die meisten mittlerweile schon mit recht guten Deutschkenntnissen zu uns kommen.

Wie hat sich die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelt?

Wir haben weiterhin großen Zulauf. Ich bin aber auch gespannt, wie es sich in diesem Jahr entwickelt. 2017 war sicherlich ein Höhepunkt, was die Anmeldungen betrifft, weil die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer 2015 nach Deutschland gekommen sind und viele sich nach einem bis eineinhalb Jahren vor Ort entschieden haben, wieder ein Studium aufzunehmen oder es zu beginnen.

Florian Kohstall leitet das Welcome@FUBerlin-Programm an der Freien Universität Berlin.

Florian Kohstall leitet das Welcome@FUBerlin-Programm an der Freien Universität Berlin.
Bildquelle: Bernd Wannemacher

Hat sich die Struktur der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verändert?

Wir haben gemerkt, dass die Bewerbung für unser Programm auch von der Bleibeperspektive der einzelnen Menschen abhängt. Momentan haben wir beispielsweise kaum Bewerberinnen und Bewerber aus Afghanistan. Dafür kommen nun Bewerberinnen und Bewerber aus der Türkei dazu.

Was sich wirklich positiv entwickelt hat, ist der Frauenanteil. Zu Beginn hatten wir relativ wenige Frauen im Programm, mittlerweile machen sie rund 30 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Hierzu hat sicherlich beigetragen, dass wir mittlerweile eine Kinderbetreuung anbieten, um Mütter zu entlasten – aber natürlich auch, um kinderbetreuende Väter zu unterstützen.

Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben denn tatsächlich ein Studium aufgenommen?

Weniger, als wir erwartet haben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen dauert die Vorbereitungsphase häufig doch länger als ein Jahr. Der zweite Grund ist, dass sich viele Teilnehmer auf zulassungsbeschränkte Studiengänge bewerben, vor allem Pharmazie und Medizin. Da erhalten natürlich nur sehr wenige Bewerberinnen und Bewerber einen Platz. Im letzten Jahr haben sich beispielsweise 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Welcome-Programm alleine für Pharmazie beworben – und nur zwei Personen haben einen Studienplatz bekommen.

Eine dritte Erklärung ist, dass die Geflüchteten von dem Moment an, in dem sie ein Regelstudium aufnehmen, kein Geld mehr vom Jobcenter erhalten und BAföG beantragen müssen. Dieser Wechsel beeinflusst in einigen Fällen die Entscheidung ein Studium aufzunehmen oder nicht.

Dafür zeigt die Bilanz aber auch: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich erfolgreich auf einen Studienplatz beworben haben, haben sich im Studium auch bewährt.

Gibt es in diesem Jahr etwas Neues im Bewerbungsprozess?

Nur Formales: Unser Anmeldesystem hat sich ein wenig geändert. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen nun schon bei der Online-Anmeldung den Nachweis des Fluchthintergrunds hochladen sowie ein Schulzeugnis – natürlich nur, wenn beides vorhanden ist.

Was wünschen Sie dem Welcome-Programm für die Zukunft?

Ich hoffe, dass noch mehr Personen ein Regelstudium aufnehmen können. Und ich wünsche mir, dass Welcome@FUBerlin bald zu einem Programm wird, das nicht mehr „Flüchtlingsprogramm“ heißt, sondern vielleicht „Vorbereitungsprogramm für Personen mit besonderen Anforderungen“. Es gibt ja eine ganze Reihe von internationalen Studierenden, die ähnliche Sprachschwierigkeiten haben, ich würde mir eine möglichst große Durchmischung wünschen. Ich denke, das wäre auch im Sinne der Teilnehmer, die oft sagen: In dem Moment, wo ich hier bin, bin ich eigentlich kein Flüchtling mehr.

Die Fragen stellte Leonie Schlick

Weitere Informationen

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Alle Informationen zum Welcome@FUBerlin-Programm finden Sie hier.

Wer am Welcome@FUBerlin-Programm teilnehmen möchte, kann sich für den nächsten Durchgang noch bis zum 15. Juli 2018 online bewerben. Studieninteressierte müssen nachweisen, dass sie bereits als Flüchtling in Berlin oder Brandenburg registriert sind und über eine Hochschulzugangsberechtigung im Heimatland verfügen.

Wer sich für ein reguläres Studium bewerben möchte, der kann das umfassende Beratungsangebot des Info-Service Studium wahrnehmen, wo bereits seit längerem viele Flüchtlinge und Asylbewerber beraten werden.

Studieninteressierte können sich auch jederzeit direkt an das Studierenden-Service-Center in der Iltisstr. 4, 14195 Berlin (U-Bhf. Dahlem-Dorf) wenden. Es ist montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr, freitags von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Informationen am Telefon unter (030) 838 700 00 oder (030) 838 77770 oder per E-Mail unter Info-Service@fu-berlin.de.