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Season's Greeting 2025/2026 | Digitale Interview-Sammlungen an der Freien Universität

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleg*innen, liebe Freund*innen,

hiermit möchten wir uns herzlich bei Ihnen und Euch für die gute Zusammenarbeit und das Interesse an unserer Arbeit bedanken.
Wir blicken auf ein vielseitiges und arbeitsreiches Jahr zurück und möchten, wie in den vergangenen Jahren die Gelegenheit nutzen, hier auf einige Highlights unserer Arbeit hinzuweisen.

Wir wünschen Ihnen und Euch erholsame Feiertage und freuen uns auf ein Wiedersehen im Jahr 2026.

Herzliche Grüße vom
Team der Digitalen Interview-Sammlungen
Universitätsbibliothek
Freie Universität Berlin


„Oral-History.Digital" – Das Interviewportal wächst weiter

Seit September 2023 betreibt die Freie Universität Berlin das Interviewportal „Oral-History.Digital" (oh.d). Derzeit verzeichnet oh.d 213 Sammlungen mit 4587 Interviews von 57 Museen, Stiftungen und Universitäten. Zu den Neuentwicklungen im Jahr 2025 gehören ein noch differenzierteres Rechtemanagement für sensible Interviews, eine bessere Anzeige von Videos, Transkripten und Übersetzungen sowie Schnittstellen zur Nationalen Forschungsdaten-Infrastruktur (NFDI) und zu Normdatenanbietern für eine bessere Auffindbarkeit. Am 11. Juni 2026 werden die Projektfortschritte bei einer Veranstaltung in Berlin vorgestellt.

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Interdisziplinäre und internationale Vernetzung

Intensiviert wurde die Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschenden und Infrastrukturen aus den Sprach-, Literatur-, Sozial- und Kulturwissenschaften, u.a. über die Nationale Forschungsdaten-Infrastruktur (NFDI). Zahlreiche Workshops, Tagungen und Colloquien stärkten die interdisziplinäre und internationale Vernetzung, z. B. über die International Oral History Association im September in Krakau. Im November veranstaltete oh.d ein Online-Treffen mit anderen europäischen Interviewportalen.

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Projekt „Text+ohd“: OAI-PMH-Schnittstelle und TEI-Export

Für eine bessere Auffindbarkeit in übergeordneten Verzeichnissen werden Metadaten zu den in Oral-History.Digital verfügbaren Archiven, Sammlungen und Interviews über eine OAI-PMH-Schnittstelle bereitgestellt. Abrufbar sind die Daten in den Formaten DataCite- und Dublin Core. Die Metadaten zu Archiven und Sammlungen werden in der Text+-Registry nachgewiesen. Zudem können Transkripte aus Oral-History.Digital – bei vorliegender Berechtigung – nun auch als XML-Datei in dem von der Text Encoding Initiative entwickelten TEI-Format exportiert werden.

Dieser vor allem in digitalen Editionen weit verbreitete Standard erhöht die Interoperabilität von Oral History-Interviews mit anderen Forschungsdaten.

Die TEI-XML-Dokumente enthalten neben den eigentlichen Transkripten mit ihren Annotationen (Registerverknüpfungen, Freitextanmerkungen, Inhaltsverzeichnisse und ggf. Übersetzungen) Metadaten zum jeweiligen Interview.

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Projekt „Open.Oral-History“

Im März 2025 startete das von der DFG geförderte Projekt „Open.Oral-History. Empfehlungen und Werkzeuge für die Risikobewertung, Anonymisierung und Bereitstellung rechtlich geschützter und ethisch sensibler audiovisueller Interviews“. In diesem Projekt widmen wir uns gemeinsam mit unseren Kolleg*innen des Instituts für Biographieforschung an der FernUniversität in Hagen den spezifischen ethischen und rechtlichen Schutzbedürfnissen biografisch-narrativer Interviews. Mit juristischer Unterstützung erarbeiten wir eine praxisorientierte Handreichung sowie eine Risikomatrix. Außerdem entsteht ein KI-gestütztes Anonymisierungsverfahren, das die Voraussetzungen für die Nachnutzung der audiovisuellen Quellen verbessert. Im Jahr 2025 wurde das Projekt auf verschiedenen Tagungen vorgestellt, unter anderem beim Oral History Netzwerk in Wien und auf der FORGE 2025 in Rostock. Im Laufe der kommenden eineinhalb Jahre werden die Ergebnisse fertiggestellt und der Fachcommunity zugänglich gemacht.

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Forschungsdaten für die Geschichtswissenschaften: NFDI4Memory

Die Mitwirkung in 4Memory, dem geschichtswissenschaftlichen Konsortium der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), wird fortgesetzt. In verschiedenen Arbeitsgruppen werden die Belange der Oral History eingebracht, um diese Quellengattung im Sinne der FAIR-Prinzipien auffindbar, zugänglich, verknüpfbar und nachnutzbar zu machen. Dafür wichtig sind u.a. die automatische Spracherkennung und die standardkonforme Verschlagwortung, aber auch die Auseinandersetzung mit ethischen und rechtlichen Fragen und Angeboten der Data Literacy.

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ASR4Memory: Ein Angebot zur KI-gestützten Spracherkennung und Transkription

Das von NFDI4Memory geförderte Projekt „ASR4Memory“ stellt der Forschungscommunity einen Service zur automatischen Transkription audiovisueller Forschungsdaten zur Verfügung, mit einem besonderen Schwerpunkt auf historisch arbeitenden Geisteswissenschaften. Mit diesem Service lassen sich audiovisuelle Ressourcen aus heterogenen Quellen und in verschiedenen Sprachen für unterschiedliche Forschungs-, Nachnutzungs- und Archivierungsszenarien automatisch transkribieren. Die Forschungsdaten werden datenschutzkonform ausschließlich auf lokal betriebenen Infrastrukturen der Freien Universität Berlin verarbeitet. In diesem Jahr ist das Transkriptionsangebot ASR4Memory als „4Memory-Initiativdienst“ in das Serviceportfolio von NFDI4Memory aufgenommen. Im kommenden Jahr wird die Anwendung um zusätzliche Funktionalitäten erweitert und über Schnittstellen noch besser in bestehende Infrastrukturen integrierbar gemacht.

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Kooperation mit dem Jüdischen Museum Berlin: Veröffentlichung der "Sammlung Lanzmann" in oh.d'

Im Rahmen eines von der Alfred Landecker Foundation geförderten Projekts arbeitet das Jüdische Museum Berlin an der Transkription, Übersetzung und inhaltlichen Erschließung des Audioarchivs aus dem Nachlass von Claude Lanzmann. Der französische Journalist und Dokumentarfilmer arbeitete mit seinem Team fast 12 Jahre an dem 9,5stündigen Film Shoah, der weltbekannt wurde. Die Sammlung Lanzmann dokumentiert vorbereitende Gespräche, die in den 1970er Jahren mit Überlebenden, Tätern und Dritten geführt wurden. Als Kooperationspartner unterstützt und berät das Team der Digitalen Interview-Sammlungen das Erschließungsprojekt. Die 220 Stunden Ton umfassende "Sammlung Lanzmann" wird in dem digitalen Interviewportal Oral-History.Digital der Freien Universität erschlossen und öffentlich zugänglich gemacht. Dafür wurde die Archivsoftware an die besonderen Bedürfnisse der mehrsprachigen Audiosammlung angepasst. Zeitgleich mit dem Launch der ersten 26 Interviews in OH.D startet am Jüdischen Museum die Ausstellung "Claude Lanzmann. Die Aufzeichnungen", die dort bis April 2026 zu sehen und zu hören sein wird.

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Interview-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945. Erinnerungen und Geschichte“

Das Archiv "Zwangsarbeit 1939-1945" wird nach wie vor stark genutzt. Im vergangenen Jahr haben sich rund 750 neue Nutzer*innen für das Archiv registriert. Materialien aus dem Archiv wurden von zahlreichen Museen, Gedenkstätten, Schulbuchverlagen und Fernsehanstalten in verschiedene Bildungs- und Ausstellungsprojekte eingebunden.

Auch die Onlineanwendungen „Lernen mit Interviews“ zur NS-Zwangsarbeit und „Zeugen der Shoah“ zum Holocaust werden weiterhin rege an den Schulen genutzt. Im Jahr 2025 haben wir außerdem damit begonnen, Interviews, die bislang aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar waren, zu anonymisieren, um sie über ein differenzierteres Rechtemanagement auf Anfrage für Forschungszwecke bereitstellen zu können.

Mehr Informationen:

-          Projektwebseite https://www.zwangsarbeit-archiv.de

-          Interview-Archiv: https://archiv.zwangsarbeit-archiv.de

-          Lernanwendung zur NS-Zwangsarbeit: https://lernen-mit-interviews.de

-          Lernanwendung „Zeugen der Shoah“: https://zeugendershoah.lernen-mit-interviews.de


  

Die „Erlebte Geschichte“ der Freien Universität Berlin wird weitererzählt

In dem Projekt „Erlebte Geschichte“ wurden inzwischen insgesamt 109 Interviews mit ehemaligen Universitätsangehörigen geführt, die in einem Online-Archiv aufbereitet und bereitgestellt werden. Darauf basierend gibt es in der Online-Ausstellung zahlreiche neue Beiträge, wie etwa die Themenfilme „Heute undenkbar !? - Alkohol am Arbeitsplatz“ und „Frauenförderung - Die Zeit der Institutionalisierung.“ Auch neue Porträtfilme sind hinzugekommen, beispielsweise über den Anfang des Jahres verstorbenen Dr. Andreas Timmermann, der Innovationen aus der Wissenschaft in die Wirtschaft vermittelte, oder den Leiter der Stabstelle Forschung, Lehre und Studium, Traugott Klose. Das Projektteam arbeitet daran, in den kommenden Jahren weitere Einblicke in die Geschichten der Freien Universität zu schaffen und freut sich über Feedback zu den neuen Produktionen.


Mehr Informationen:



Kooperation mit Museo de la Memoria in Chile und dem LAI: „Interaktive Erinnerungen an die Colonia Dignidad“

In dem vom Auswärtigen Amt geförderten Vorhaben wird gemeinsam mit dem Lateinamerika-Institut und dem Museo de la Memoria y Derechos Humanos in Santiago eine Ausstellung und eine interaktive Medienstation für das chilenische Museum erarbeitet. Die interaktive Medienstation soll 2027 ausgebaut und als Online-Anwendung zugänglich gemacht werden. Dafür werden ausgewählte Ausschnitte aus dem Oral-History-Archiv zur Geschichte der Colonia Dignidad (CDOH) aufbereitet und veröffentlicht. Weitere Quellen tragen zur niedrigschwelligen Kontextualisierung bei. Das auf drei Jahre angelegte Projekt zielt darauf ab, die historische und kulturelle Aufarbeitung der Colonia Dignidad zu unterstützen und einen würdigen Rahmen für die Erinnerungen der Zeitzeugen zu schaffen. Die Ausstellungseröffnung in Santiago ist für Oktober 2026 geplant.

Mehr Informationen:



Seit 2025 zugänglich: Sammlung „Final Account“ an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

Im Mai 2025 wurde mit einer gemeinsam mit dem Simon-Wiesenthal Institut in Wien veranstalteten Online-Veranstaltung der Zugang zu der Interview-Sammlung „Final Account“ eingeweiht.

Zwischen 2008 und 2017 erstellte der britische Dokumentarfilmer Luke Holland eine Sammlung von 295 Interviews mit Männern und Frauen, die zwischen 1905 und 1934 geboren sind.

Die Interviewten, hauptsächlich Deutsche und Österreicher*innen, schilderten ihre Erinnerungen und berichteten über ihre Beteiligung am „Dritten Reich“, dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust. Interessierte Forscher*innen haben nun in dem Raum 118G in der Zentralbibliothek der Freien Universität die Möglichkeit, auf diese Sammlung zuzugreifen.

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Veröffentlichungen:

  • Zeitzeugen in 3D – Emotionales Erinnern oder banalisierte Geschichte. Feature des Südwestrundfunks zu Perspektiven der digitalen Oral History, Ernst-Ludwig von Aster, in: Das Wissen, SWR, 3.10.2025, https://www.oral-history.digital/news/2025-10-03-swr.html
  • Kilgus, T., Kompiel, P. (2025). Vom gesprochenen Wort zum Text: KI-gestützte Transkription audiovisueller Forschungsdaten. Beitrag im Blog von 4Memory, 7.3.2025. https://4memory.de/fileadmin/files/Incubator_Funds/2024/Blogbeitrag_ASR4Memory.pdf
  • Kompiel, P, Nägel, V., Kilgus, T. (2025). Open.Oral-History. Ein Projekt zur Risikobewertung, Anonymisierung und Bereitstellung rechtlich geschützter und ethisch sensibler audiovisueller Interviews. FORGE 2025 - Daten neu denken (FORGE2025), Rostock. https://doi.org/10.5281/zenodo.17178280
  • Kompiel, P., Kilgus, T. (2025). ASR4Memory: Automatische Transkription von audiovisuellen Forschungsdaten. Drittes NFDI4Memory Community Forum, Bonn. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17235951
  • Nägel, V., Kilgus, T., Leh, A., & Mischke, D. (2025). Empfehlungen und Werkzeuge für die Risikobewertung, Anonymisierung und Bereitstellung rechtlich geschützter und ethisch sensibler audiovisueller Interviews. Beitrag im DFG-Blog "Rechtebewehrte Sammlungsobjekte". https://schutzrechte.hypotheses.org/1206
  • Nägel, V. (2025). Bits and Bytes: Oral Histories of Holocaust Survivors as Digital Research Data", in Cave, M., Leydesdorff, S. (Eds.). Handbook of Global Oral History. Leiden, Niederlande: Brill. https://doi.org/10.1163/9789004737181_012
  • Pagenstecher, C. (2025): Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Berlin, in: Vergessene Befreiung. Zwangsarbeiter:innen in Berlin 1945. Ausstellungskatalog, hg. v. Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, Berlin, S. 8-18.
  • Wein, D., Moller, S. (2025). Film und videografierte Zeitzeugeninterviews als Medien schulischen Lernens über den Nationalsozialismus, in: Sandkühler, Thomas (Koord.): Der Nationalsozialismus. Herrschaft und Gewalt, Band 3: Historisches Lernen aus dem Nationalsozialismus, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (Hg.), München, S. 293-333.