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Geschuftet, geschafft!

campus.leben-Serie: Wie war das digitale Semester? Stimmen aus der Freien Universität Berlin / Teil 1

06.07.2020

Nur wenige Menschen waren in den vergangenen Monaten auf dem Campus. Das Sommersemester lief durch die coronabedingten Einschränkungen in digitalen und in Distant-Formaten ab.

Nur wenige Menschen waren in den vergangenen Monaten auf dem Campus. Das Sommersemester lief durch die coronabedingten Einschränkungen in digitalen und in Distant-Formaten ab.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Eines ist sicher: Dieses Sommersemester ist anders als alle vorangegangenen. Die durch die Corona-Pandemie gestellte Aufgabe, sämtliche Lehrveranstaltungen ohne Präsenzbetrieb durchzuführen, war eine große Herausforderung für alle an der Freien Universität Berlin: für Studierende, Lehrende, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Univerwaltung.

Wie aber war das digitale Sommersemester ganz konkret für Einzelne? Was lief gut, was weniger? Was wurde durch die Krise verhindert, welche Möglichkeiten hat sie vielleicht sogar eröffnet? Zum Semesterende haben wir für eine kleine campus.leben-Serie Stimmen aus den verschiedenen Bereichen der Freien Universität gesammelt. Lesen Sie heute, wie sich Leben, Lehren und Lernen im Online-Modus ausgewirkt hat: zum Beispiel auf den Alltag eines Studenten mit Kind, auf den Hochschulsport und auf die Prüfungssituation am Fachbereich Veterinärmedizin.

Malte Middeldorf mit Tochter Molly im digitalen Semester: Kaum ein freier Abend, kein Wochenende.

Malte Middeldorf mit Tochter Molly im digitalen Semester: Kaum ein freier Abend, kein Wochenende.
Bildquelle: Privat

Malte Middeldorf studiert im 2. Semester Grundschullehramt und ist Vater einer zweieinhalbjährigen Tochter

„Meine Bilanz nach dem digitalen Semester: Mit Kind studiert es sich an der Uni deutlich leichter als zu Hause. Das hängt vor allem mit den Arbeitsplätzen in der Bibliothek zusammen, die ich üblicherweise nutze.

Dass über Monate alles zu Hause stattfindet, darauf sind wohl die wenigsten eingerichtet. Vier Monate war die Kita geschlossen. Oft ging für mich die Arbeit erst richtig los, wenn das Kind im Bett lag. Manche Vorlesung oder Seminar liefen, während ich mit meiner Tochter gespielt oder das Essen vorbereitet habe.

Dass die Präsenzzeiten weggefallen sind, kam mir deshalb sehr entgegen. Andererseits mussten – für die Bestätigung der aktiven Teilnahme am Seminar – wöchentliche Aufgaben erledigt und abgeben werden. Ich habe jede freie Minute für die Uni oder meinen Nebenjob genutzt, um überhaupt den Stoff bewältigen zu können. Konkret bedeutet das, dass ich in diesem Semester kaum einen freien Abend hatte und kein Wochenende.

Für mich und uns als Familie war das eine große Herausforderung. In der vorlesungsfreien Zeit hoffe ich, mich regenerieren zu können: denn dann stehen noch Hausarbeiten, Prüfungen und ein Praktikum an.“

Dr. Thorsten Grospietsch, Referent für Studium und Lehre am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie

Dr. Thorsten Grospietsch, Referent für Studium und Lehre am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Thorsten Grospietsch, Referent für Studium und Lehre am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie

„Ich habe die Freie Universität bisher als großen Tanker wahrgenommen, der für Kursänderungen lange braucht. Dann aber wurde die Lehre innerhalb von drei Wochen mit großer Experimentierfreude umgekrempelt. Das hat mich beeindruckt. Dabei haben auch die Kolleginnen und Kollegen in den Studien- und Prüfungsbüros enorm viel geleistet: Sie mussten beispielsweise mit jeder neuen Landesverordnung die Planungen für das Sommersemester anpassen und umorganisieren.

Aufgrund der Hygieneauflagen können nur wenige Studierende gleichzeitig ihre Laborpraktika absolvieren. Deshalb mussten Angebote mehrfach parallel geplant werden. Das zu organisieren, war eine große Herausforderung, bei der uns die Dienststelle Arbeitssicherheit sowie das Team „Kurzzeitmiete“ bei den Prüfungen hervorragend unterstützt haben.“

Einen Sprachkurs online zu geben, ist nicht ohne Tücken, hat Arabisch-Lehrerin Heba Tebakhi festgestellt.

Einen Sprachkurs online zu geben, ist nicht ohne Tücken, hat Arabisch-Lehrerin Heba Tebakhi festgestellt.
Bildquelle: Privat

Heba Tebakhi, Arabisch-Lehrerin am Sprachenzentrum

„Ein Sprachkurs lebt von Dialogen und Gesprächen, um die Sprache zu üben. Das kam bei den Online-Kursen in diesem Semester deutlich zu kurz. Über Programme wie Webex entsteht schnell ein Durcheinander, wenn mehr als eine Peron spricht. Deshalb habe ich die Studierenden immer der Reihe nach zu Wort kommen lassen. Für die anderen kann es dann schnell langweilig werden.

Es war schwierig zu beurteilen, ob alle dem Tempo des Kurses folgen konnten. Ich habe darum häufiger Hausaufgaben gegeben als normalerweise, um einschätzen zu können, auf welchem Stand die Studierenden sind.

Insgesamt war die Vor- und Nachbereitung der einzelnen Sitzungen zeitlich aufwendiger als sonst, weil ich zusätzliche Lehrmaterialien wie Audiodateien heraussuchen und rechtzeitig online verfügbar machen musste.

Durch das Online-Unterrichten war ich andererseits zeitlich flexibler. Auch für Studierende, die nebenher arbeiten, war das sicher von Vorteil.“

Bleiben am Ball: Christian Mundhenk (r.), Direktor der Zentraleinrichtung Hochschulsport der Freien Universität, und Lutz Nichelmann, im Team zuständig für die Eventorganisation.

Bleiben am Ball: Christian Mundhenk (r.), Direktor der Zentraleinrichtung Hochschulsport der Freien Universität, und Lutz Nichelmann, im Team zuständig für die Eventorganisation.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Lutz Nichelmann und Christian Mundhenk, Zentraleinrichtung Hochschulsport

„Unsere Sporthalle in Dahlem blieb in diesem Semester wochenlang menschenleer, Tennisschläger, Yogamatten und Federbälle lagen unberührt im Geräteraum. Alle warteten gespannt auf die Senats-Entscheidung – und dann hieß es: „Alle Sportkurse und geplanten Veranstaltungen bis zum 20. Juli müssen abgesagt werden.“

Das betraf natürlich auch den Campus Run und das Sommerfest am 23. Juni. Auch wenn das alle verstanden haben, war die Enttäuschung groß. Schließlich ist in dieser außergewöhnlichen Situation Bewegung besonders wichtig: Sport stärkt das Immunsystem und lässt den Dopamin- und Serotoninspiegel steigen, was den Stressabbau begünstigt.

Als erste Hochschulsporteinrichtung in Berlin haben wir als UniSport-Team deshalb ein Online-Angebot auf die Beine gestellt: Mitte April fiel der Startschuss für den Pausenexpress@HOME, über den Beschäftigte und Studierende die bewegte Pause auch von zu Hause aus per Videokonferenz einlegen können. Kurz darauf folgte UniSport@HOME mit mehr als 30 verschiedenen virtuellen Kursen – von Twerking über Meditation bis Boxen.

@HOME wird so gut angenommen, dass wir ausgewählte Kurse in Zukunft beibehalten werden. Glücklicherweise können wir unter Einhaltung der Kontakt- und Hygienevorschriften inzwischen wieder ein Outdoor-Programm anbieten.“

Luca Lil Wirth ist stud. Vertreterin des FB-Rats und des Mentoring-Ausschusses Philosophie und Geisteswissenschaften, Vorsitzende der Ausbildungskommission am Fachbereich und stud. Vertreterin in der Kommission für Lehrangelegenheiten.

Luca Lil Wirth ist stud. Vertreterin des FB-Rats und des Mentoring-Ausschusses Philosophie und Geisteswissenschaften, Vorsitzende der Ausbildungskommission am Fachbereich und stud. Vertreterin in der Kommission für Lehrangelegenheiten.
Bildquelle: Privat

Luca Lil Wirth, Masterstudentin Deutschsprachige Literatur mit dem Schwerpunkt Neuere Literatur

„In diesem Semester war ich als studentische Vertreterin in der Arbeitsgemeinschaft „Digitalisierung von Lehre und Prüfungen“ aktiv. Die AG wurde im März gegründet, um Lösungen für die universitäre Lehre zu erarbeiten, die ja durch die Coronavirus-Pandemie stark beeinträchtigt wurde. Durch die Mitarbeit in der AG und anderen hochschulpolitischen Gremien fühlte sich die Uni trotz Homeoffice nicht ganz so weit weg an.

Was ich in diesem Semester gelernt habe? Dass Hochschulpolitik digital extrem viel Zeit kostet. Normalerweise kann ich mich mit anderen studentischen Vertreterinnen und Vertretern auch mal spontan auf dem Flur austauschen. Das war in den letzten Monaten natürlich nicht möglich. Stattdessen haben wir jedes Mal eine Videokonferenz abgehalten, wenn es etwas zu besprechen gab.

Das Studium von zu Hause aus war für mich kein Problem, was auch daran liegt, dass ich im Master generell weniger Lehrveranstaltungen habe als während des Bachelors. So konnte ich mir die Zeit gut einteilen. Das intensive Selbststudium in diesem Semester habe ich außerdem als gute Vorbereitung für die Zeit meiner Abschlussarbeit empfunden, denn dann werde ich ja auch überwiegend allein arbeiten.

Trotzdem bin ich froh, wenn wir wieder zur Präsenzlehre zurückkehren können. Das Besondere am Studium ist ja auch der Austausch mit anderen Studierenden und Lehrenden. Für mich ist das eine Möglichkeit, neue Perspektiven auf eine Thematik kennenzulernen und meine eigenen Gedanken weiterentwickeln zu können.“

Ein Fazit der vergangenen Monate: Krise birgt auch Chancen, sagt Nora Große von der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie.

Ein Fazit der vergangenen Monate: Krise birgt auch Chancen, sagt Nora Große von der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Nora Große, Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie, Projektkoordinatorin Nachhaltigkeit in der Lehre

„Wie lassen sich im digitalen Raum nachhaltige Projektideen entwickeln und umsetzen? Das war für unsere zehn Lehrenden und rund 300 Studierenden im ABV-Kompetenzbereich „Nachhaltige Entwicklung“ in diesem Semester die große Frage. Die Antwort: indem man selbstgewählte Nachhaltigkeitsthemen zum Beispiel mit der Entwicklung von Webseiten, Blogartikeln, Lern- und Planspielen verknüpft.

In den Seminaren mit ursprünglich geplanten Campusprojekten standen deshalb zunächst Konzeptentwicklung und Umsetzungsstrategien im Fokus – beispielsweise zur Herstellung „negativer Emissionstechnologien“ oder zum Bau von Habitaten für bedrohte Pflanzen- und Tierarten.

Als sich die Kontaktregeln lockerten, wollten viele Studierende ihre Projektidee vom Papier in die Praxis bringen: Sie trafen sich auf freiwilliger Basis etwa für eine gemeinsame UniGardening-Aktion oder wurden im eigenen Kleingarten aktiv.

Insgesamt hat sich gezeigt, dass „Krise“ immer Raum für Kreativität und Innovation schafft, vor allem, wenn wir uns gegenseitig dabei unterstützen und voneinander lernen.“

Prof. Dr. Marcus G. Doherr: Das digitale Semester gut umgesetzt –  dank der Unterstützung von CeDis, ZEDAT und des großen Engagements der Dozierenden und Beschäftigten in der Fachbereichsverwaltung.

Prof. Dr. Marcus G. Doherr: Das digitale Semester gut umgesetzt – dank der Unterstützung von CeDis, ZEDAT und des großen Engagements der Dozierenden und Beschäftigten in der Fachbereichsverwaltung.
Bildquelle: Privat

Professor Marcus G. Doherr, Leiter des Instituts für Veterinär-Epidemiologie und Biometrie am Fachbereich Veterinärmedizin

„Vor allem der praktische Teil des veterinärmedizinischen Studiums war eine enorme Herausforderung. Wir haben versucht, die Studierenden mit Anleitungs- und Erklärvideos auf die Ausbildung im Labor, an Modellen und Patienten vorzubereiten. Der wichtigste Schritt jedoch – der Transfer des digital Erlernten in eine reale handwerkliche Fertigkeit – muss praktisch erfolgen.

Als Staatsexamensstudiengang sind wir an die Vorgaben des Landesprüfungsamtes gebunden und angehalten, schriftliche und praktische Prüfungen in Präsenz durchzuführen. Durch die derzeit erforderlichen Hygienemaßnahmen ist der Aufwand dafür enorm hoch.

Unser Ziel war, die Einschränkungen für die Studierenden so gering wie möglich zu halten, den Umgang mit den digitalen Werkzeugen rasch zu erlernen und sie auch adäquat einzusetzen; da gab es bei allen – Studierenden und Lehrenden – teilweise erheblichen Anpassungsbedarf. Insbesondere die Kolleginnen und Kollegen des CeDiS und der ZEDAT haben uns bei der Umsetzung des digitalen Semesters tatkräftig unterstützt.

Die vielen positiven Rückmeldungen von Studierenden zeigen, dass uns das insgesamt sehr gut gelungen ist – auch durch das große Engagement unserer Dozierenden und der Fachbereichsverwaltung.“

Weitere Informationen

Hier finden Sie Teil 2 der Serie „Wie war das digitale Semester?“