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Yes, we can!

Der Philosoph Jakob Huber plädiert dafür, die Rolle von Hoffnung im politischen Diskurs zu stärken

28.11.2025

HOPE-Plakat des Streetart-Künstlers Shepard Fairey

HOPE-Plakat des Streetart-Künstlers Shepard Fairey
Bildquelle: Erin Hooley / picture alliance / ZUMAPRESS.com 

Die Hoffnung spielte im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008 eine zentrale Rolle. Ein Plakat mit Barack Obamas Gesicht, blau-rot eingefärbt und mit dem Wort „Hope“ versehen, ging damals um die Welt. Noch immer findet es sich als Poster, Sticker oder Meme. „Heute hingegen ist die Hoffnung aus dem politischen Diskurs weitgehend verschwunden“, sagt Jakob Huber. „Dabei ist sie aus meiner Sicht unverzichtbarer Teil von Demokratie.“ 

Der habilitierte Philosoph leitet am Institut für Philosophie der Freien Universität die Nachwuchsforschungsgruppe „Democratic Hope“, eine mit Mitteln der Volkswagen-Stiftung finanzierte Nachwuchsforschungsgruppe. Hoffnung, sagt er, gerate in der heutigen Politik von zwei Seiten unter Druck. Zum einen sei sie eng verbunden mit politischen Visionen und Utopien. Doch hier klaffe oft eine Leerstelle. „Uns fehlen Vorstellungen von Zukünften, die wir als hoffenswert empfinden“, sagt er. „Und so können wir gar nicht erst hoffen.“ 

Zum anderen erscheine Hoffnung manchen als politisches Prinzip verdächtig. Dies werde etwa im Diskurs um den Klimawandel deutlich. So machte die aktivistische Gruppierung „Extinction Rebellion“ in den vergangenen Jahren den Slogan „Hope Dies, Action Begins“ bekannt. „Die Kritik richtet sich hier gegen eine Hoffnung, die als passiv verstanden wird“, sagt Huber. „Wer hofft, dass die Klimakrise schon irgendwie gut ausgehen wird, muss dafür selbst nichts tun.“

Der habilitierte Philosoph Jakob Huber leitet am Institut für Philosophie der Freien Universität die Nachwuchsforschungsgruppe „Democratic Hope“

Der habilitierte Philosoph Jakob Huber leitet am Institut für Philosophie der Freien Universität die Nachwuchsforschungsgruppe „Democratic Hope“
Bildquelle: privat

Politische Hoffnung, so der Philosoph, setze daher voraus, dass sie einen selbst als Handelnden einbeziehe – so könne Hoffnung den demokratischen Diskurs beleben und zur Handlung führen. 

„Die Realität politischen Handels kann demoralisierend wirken, da die Ziele oft in weiter Ferne liegen“, sagt Huber. „Wut und Hass können kurzfristig motivieren. Hoffnung kann lange tragen, manchmal sogar über das eigene Leben hinaus.“ Zudem stärke Hoffnung die Gemeinschaft. „Indem wir gemeinsam eine Vision entwerfen und darauf hoffen, kommen wir zusammen“, erläutert der Philosoph. Dabei könne auch neues Wissen entstehen. Huber widerspricht hier politischen Theorien der Vergangenheit, nach denen man nur auf etwas hoffen könne, das man schon kenne. „Indem wir hoffen“, sagt er, „schärfen wir unser Verständnis.“ 

Doch wie kann Hoffnung im politischen Diskurs belebt werden? Man müsse nicht auf charismatische Führungsfiguren wie Barack Obama warten, sagt Huber. „In meiner Arbeit erkunde ich, wie demokratische Institutionen uns besser in die Lage versetzen können, geteilte Zukunftsvorstellungen auszuhandeln. Wir brauchen mehr politische Akteure, die nicht nur die nächste Wahl oder eine akute Krise vor Augen haben, sondern in längerfristigen Horizonten denken.“

Dafür könnten etwa Räte aus Bürgerinnen und Bürgern geschaffen werden. Es gehe aber auch darum, die Parteien wieder zu stärken, die traditionell Orte seien, an denen über langfristige Gesellschaftsvorstellungen gerungen werde. Auch eine weitere parlamentarische Kammer sei denkbar, die durch einen längeren Wahlzyklus weniger stark vom kurzfristigen Werben um Mehrheiten bestimmt werde. „Es geht in meiner Arbeit nicht darum, Hoffnung exakt zu bestimmen oder bestimmte Formen der Hoffnung vorzugeben“, sagt Huber. „Ich frage stattdessen, wie wir zu besseren Aushandlungsprozessen kommen, um gemeinsam zu klären, worauf wir als Gesellschaft hoffen möchten.“