Gleichstellung aus ghanaisch-deutscher Perspektive

Eine Delegation der Universität von Cape Coast (UCC) war an der Freien Universität zu Gast, um die hier etablierten Gleichstellungsstrukturen kennenzulernen

26.11.2019

Zu Besuch an der Freien Universität Berlin: Die Delegation der Universität von Cape Coast war im Rahmen des Programms FUTURA zu einem Workshop nach Dahlem gekommen.

Zu Besuch an der Freien Universität Berlin: Die Delegation der Universität von Cape Coast war im Rahmen des Programms FUTURA zu einem Workshop nach Dahlem gekommen.
Bildquelle: Azra Iman Kiss

An der Freien Universität wird mit FUTURA ein in Deutschland einzigartiges Programm angeboten: Das zweijährige Qualifikationsprogramm macht die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fit für genderkompetentes Handeln im Beruf. Entwickelt wurde es von dem Arbeitsbereich Zentrale Frauenbeauftragte der Freien Universität Berlin. Um mehr über dieses Programm und andere Fördermaßnahmen für Chancengerechtigkeit an der Freien Universität zu erfahren, ist kürzlich eine Gruppe von Mitarbeiterinnen der ghanaischen Universität von Cape Coast zu einem Workshop nach Berlin gekommen.

Der fünftägige Workshop ist Teil eines deutsch-ghanaischen Projekts, das von Gülay Çağlar, Professorin für Gender und Diversity am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft in Kooperation mit der Zentralen Frauenbeauftragten Mechthild Koreuber und der ehemals für das Thema Gleichstellung zuständigen Vizepräsidentin Brigitta Schütt, Professorin für Physische Geographie, entwickelt wurde.

V.l.n.r.: Dr. Genevieve Adkupo (UCC), Dr. Mechthild Koreuber (Frauenbeauftragte der Freien Universität), Prof. Gülay Çağlar vom Otto-Suhr-Institut, Georgina Yaa Oduro (Direktorin des Centre for Gender Research, UCC) und Prof. Akua O. Britwum (UCC).

V.l.n.r.: Dr. Genevieve Adkupo (UCC), Dr. Mechthild Koreuber (Frauenbeauftragte der Freien Universität), Prof. Gülay Çağlar vom Otto-Suhr-Institut, Georgina Yaa Oduro (Direktorin des Centre for Gender Research, UCC) und Prof. Akua O. Britwum (UCC).
Bildquelle: Azra Iman Kiss

Ergebnisse auch für andere afrikanische Hochschulen nutzbar machen

Vier Jahre lang arbeiten beide Universitäten zusammen, um das Thema Chancengerechtigkeit an Hochschulen voranzubringen. „In der ersten Projektphase tauschen wir uns gegenseitig aus“, sagt Mechthild Koreuber. „Wir stellen an der Universität von Cape Coast (UCC) das Konzept der Frauenbeauftragten vor und bieten den dort tätigen Frauen eine Schulung an. Gleichzeitig lernen wir von dem Engagement der Mitarbeiterinnen dort.“ Anschließend sei das Ziel, Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit zur universitären Gleichstellungspolitik auch für Hochschulen in anderen Ländern Afrikas nutzbar zu machen. So ist beispielsweise vorgesehen, im dritten Projektjahr die Kenyatta-Universität in der kenianischen Hauptstadt Nairobi als Partnereinrichtung einzubeziehen. Finanziert wird das Projekt „EQUIP – Chancengleichheit im Hochschulwesen“ vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Gülay Çağlar, ihre Mitarbeiterin Jennifer Chan de Avila sowie Mechthild Koreuber und die Frauenbeauftragte des Fachbereichs Physik Beate Schattat sind zum Start des Projekts im Mai zu einem Arbeitsbesuch nach Ghana gereist. Nun war eine Delegation von acht Personen der Universität von Cape Coast zum Gegenbesuch in Berlin. „Wir interessieren uns besonders für die Institutionalisierung von Gleichstellungsfragen“, beschreibt Akua Britwum ihre Interessen an dem Projekt, „insbesondere dafür, wie der Prozess an der Freien Universität angestoßen worden ist.“

Kampf gegen sexuelle Belästigung ist wichtiger Teil der Arbeit

Akua Britwum ist Professorin für Gender and Labour Studies an der UCC. Vor sechs Jahren hat sie dort das Centre for Gender Research, Advocacy and Documentation (CEGRAD) mitgegründet. „Das CEGRAD ist ein gemeinsamer Ort für Gender-Forschung von verschiedenen Fachbereichen und leistet Beratungsarbeit an allen Fakultäten der Hochschule“, sagt sie. „Wir achten darauf, dass Studiengänge und Kurse gendergerecht gestaltet werden und fördern Gleichberechtigung bei der Einstellung von Personal und der Aufnahme von Studierenden.“

Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit ist der Kampf gegen sexuelle Belästigung. Die Mitarbeiterinnen des CEGRAD bieten Kurse an, in denen Frauen und Männer über Gleichberechtigung, sexuelle Selbstbestimmung und rechtliche Aspekte aufgeklärt werden. Auch haben sie ein Schiedsgericht ins Leben gerufen, das in Fällen von sexueller Belästigung an der Universität aktiv wird. „Bei unserem Besuch in Ghana haben wir festgestellt, dass die Arbeit zur sexuellen Diskriminierung und Belästigung sehr viel weiter gediehen ist als bei uns“, sagt Gülay Çağlar. „Aufgrund anderer rechtlicher und organisatorischer Strukturen an der Universität können die Kolleginnen in Ghana sehr konsequent vorgehen.“ „Hier werden wir wichtige Impulse für die Arbeit an der Freien Universität erhalten“, erläutert Mechthild Koreuber. „Was die Verankerung von Gleichstellungsaspekten in Management und Verwaltung anbelangt, ist die Freie Universität weiter als die UCC, aber es ist sehr interessant für uns, hierzu eine reflektierende Diskussion über Erfolgsfaktoren und Hindernisse zu führen.“

Ziel: „Wirkliche Veränderung in der Verwaltung"

„Wir sind an der UCC bereits sehr gut aufgestellt, was die Arbeit an der Basis anbelangt“, sagt Genevieve Adukpo. Die Chemikerin war von 2017 bis 2019 Direktorin des CEGRAD. „An der Freien Universität wollen wir uns nun neue Ideen holen, wie wir auf höchster Ebene stärker werden können.“ Das hofft auch die derzeitige Direktorin des CEGRAD Georgina Oduro. „Wir wollen gemeinsam Strategien und Wege erarbeiten, um Lobbyarbeit leisten zu können“, sagt sie. „Wirkliche Veränderung in der Verwaltung ist keine leichte Aufgabe.“