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Archäologische Untersuchung des Erdaushubs an der Harnackstraße

Möglicherweise verbliebene Knochenteile sollen geborgen werden / Weitere Analyse von Funden geplant

13.07.2016

Nach den Vorarbeiten beginnen die archäologischen Untersuchungen des Erdaushubs an der Harnackstraße.
Nach den Vorarbeiten beginnen die archäologischen Untersuchungen des Erdaushubs an der Harnackstraße. Bildquelle: Jonas Huggins

Im Umfeld der Stellen, an denen im Juli 2014 bei Bauarbeiten an den Außenanlagen der Universitätsbibliothek der Freien Universität erstmals menschliche Knochen gefunden worden waren, wird wieder gegraben. Im unmittelbaren Bereich des damaligen Fundorts werden weitere menschliche Knochenteile vermutet. Die Universität hat gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt Berlin und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) entschieden, die Arbeiten wieder aufzunehmen und weitere Untersuchungen zu beauftragen. Die archäologischen Arbeiten unter der Leitung von Professorin Susan Pollock und Professor Reinhard Bernbeck vom Institut für Vorderasiatische Archäologie der Freien Universität haben in der vergangenen Woche begonnen, sie sollen im August abgeschlossen sein.

Zunächst wird der Graben, der nach den Knochenfunden vor zwei Jahren wieder mit dem Abraum aus den Bauarbeiten verfüllt worden war, manuell bis auf seinen Grund hin ausgegraben. Es soll dem Verdacht nachgegangen werden, ob damals, während der Bergung der Knochen durch die Polizei, Fragmente übersehen worden und in dem Erdaushub verblieben sind, mit dem der Leitungsgraben wieder verfüllt wurde. Die jetzt ausgehobene Erde wird daher von den Archäologinnen und Archäologen in den nächsten Wochen gesiebt und auf Funde durchsucht. Damit soll sichergestellt werden, dass alle möglicherweise verbliebenen Knochenteile so weit wie möglich geborgen werden.

Die geborgenen Knochenteile sollen gemeinsam mit den im November 2015 und Februar 2016 geborgenen Funden weiter analysiert werden, um Näheres über deren Herkunft zu ermitteln. Die Freie Universität steht dazu mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland in Kontakt und dem Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland. Mit beiden Opferverbänden werden die weiteren Schritte abgestimmt.

Die Freie Universität hatte nach dem ersten Fund gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt Berlin und der Max-Planck-Gesellschaft – als Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft – eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um weitere Erkenntnisse über die mögliche Herkunft der Knochen zu gewinnen. Wenige 100 Meter von der Fundstelle entfernt steht das Gebäude, in dem sich bis 1945 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik befand. Dorthin hatte der KZ-Arzt Josef Mengele bis Kriegsende Leichenteile von Menschen geschickt, die im Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden waren. In dem Gebäude befand sich bis Kriegsende auch eine Sammlung menschlicher Gebeine aus kolonialen Zeiten.

Heute ist das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität in dem Haus untergebracht. Die Fundstelle liegt am Rande des ehemaligen Gartengeländes einer Villa (heute Ihnestraße 24), die damals als Wohnhaus für den Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts diente.

Weitere Informationen

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