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Wissenschaftler finden Tierknochen

Archäologen begleiten weitere Bauarbeiten im Umkreis des Ortes, an dem vor einem Jahr menschliche Knochen entdeckt wurden

18.08.2015

Wissenschaftler der Freien Universität untersuchen den Erdaushub hinter der ehemaligen "Direktorenvilla" in der Ihnestraße 24.
Wissenschaftler der Freien Universität untersuchen den Erdaushub hinter der ehemaligen "Direktorenvilla" in der Ihnestraße 24. Bildquelle: Lena Pflüger
Die Bauarbeiten auf der Freifläche hinter dem Haus in unmittelbarer Nähe zur Universitätsbibliothek werden in Absprache mit dem Landesdenkmalamt archäologisch begleitet.
Die Bauarbeiten auf der Freifläche hinter dem Haus in unmittelbarer Nähe zur Universitätsbibliothek werden in Absprache mit dem Landesdenkmalamt archäologisch begleitet. Bildquelle: Lena Pflüger

Der anfängliche Verdacht hat sich nicht bestätigt: Verschiedene Knochen, die heute bei Erdarbeiten zur Erneuerung der Außenanlagen um das Gebäude Ihnestraße 24 gefunden wurden, haben sich nach einer ersten Begutachtung als Tierknochen herausgestellt. Im Juli vergangenen Jahres waren in unmittelbarer Nähe an der Harnackstraße menschliche Knochen gefunden wurden. Die Arbeiten auf der Freifläche hinter dem Haus Ihnestraße 24 – der ehemaligen „Direktorenvilla“ – werden deshalb in Absprache mit dem Landesdenkmalamt archäologisch begleitet, ebenso wie vor zwei Monaten die Bauarbeiten zum Austausch einer defekten Rohrleitung unter der Harnackstraße (campus.leben berichtete). Dort hatten die Wissenschaftler keine Hinweise auf weitere Knochen gefunden.

Nach einer ersten Begutachtung der Tierknochen, die an zwei Stellen im Garten der Villa gefunden wurden, handelt es sich um Schafs-, Rinder- und Schweineknochen. „Dass wir so viele Tierknochen auf dem Grundstück gefunden haben, überrascht mich“, sagt Archäologieprofessor Reinhard Bernbeck von der Freien Universität, der die Arbeiten mit seinem Team begleitet. „Offenbar steckt in dem Boden noch relativ viel, was Aufschluss über die Vergangenheit des Geländes gibt.“ Die Funde müssten nun analysiert und ihre mögliche Herkunft geklärt werden.

Bernbeck, seine Kollegin Susan Pollock und deren Team werden auch die weiteren erforderlichen Grabungsarbeiten bei der Erneuerung der Freifläche hinter dem Haus Ihnestraße 24 wissenschaftlich begleiten. Unter anderem muss dort gemäß der aktuellen Bauplanung an einer Stelle für ein neues Schrankenfundament an der Parkplatzzufahrt bis in 80 Zentimeter Tiefe gegraben werden. Außerdem ist für zwei Sitzbänke, das Fräsen von Baumwurzeln und eine Heckenpflanzung stellenweise ein bis zu 30 Zentimeter tiefer Bodenaushub notwendig.

In der Nachbarschaft der Villa steht das Gebäude, in dem sich bis 1945 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik befand. Dorthin hatte der KZ-Arzt Josef Mengele damals Leichenteile von Menschen geschickt, die im Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden waren. Heute ist das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft in dem Haus untergebracht. Das Gebäude in der Ihnestraße 24 diente als Direktoren-Villa für das Kaiser-Wilhelm-Institut. Heute wird das Haus vom Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität genutzt.