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Wissenschaftlicher Blick

Nach Knochenfund im Sommer 2014: Freie Universität zieht Archäologinnen und Archäologen bei Bauarbeiten in der Dahlemer Harnackstraße hinzu

18.06.2015

Wegen der Bauarbeiten an einer Rohrleitung ist die Harnackstraße bis auf Weiteres gesperrt.
Wegen der Bauarbeiten an einer Rohrleitung ist die Harnackstraße bis auf Weiteres gesperrt. Bildquelle: Freie Universität Berlin
Archäologinnen und Archäologen der Freien Universität werden den Aushub und das Profil der Schachtwände prüfen.
Archäologinnen und Archäologen der Freien Universität werden den Aushub und das Profil der Schachtwände prüfen. Bildquelle: Freie Universität Berlin

In der Harnackstraße ist zurzeit kein Durchkommen: Zwischen Universitätsbibliothek und Henry-Ford-Bau ist die Straße wegen des Austausches einer Rohrleitung gesperrt. Für die Reparatur musste die Fahrbahndecke aufgerissen und die Leitung in etwa einem Meter Tiefe freigelegt werden. Da die Arbeiten wenige Meter von der Stelle entfernt sind, an der im Juli vergangenen Jahres – ebenfalls bei Bauarbeiten – menschliche Knochen gefunden wurden, sind alle Beteiligten zu besonderer Umsicht aufgefordert worden. Der großflächige Bereich rund um den Fundort der Knochen steht bei den Baumaßnahmen der Freien Universität unter besonderer Beobachtung.

Nach der Demontage der defekten Leitung soll der Graben deshalb auch nicht sofort wieder verfüllt werden. In Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt Berlin und unter Leitung von Professor Reinhard Bernbeck werden Ausgrabungsexperten von der Freien Universität zuvor weitere Bodenuntersuchungen vornehmen. „Wir wollen uns den Aushub und das Profil der Schachtwände genauer ansehen“, sagt Archäologe Bernbeck. „Dabei wird sich herausstellen, ob an der Stelle, an der die Leitung die Straße unterquert, ältere Gruben, Begehungsflächen oder anderes sichtbar werden. Die Evidenz werden wir nach archäologischen Standards dokumentieren und auf verdächtige Funde oder Befunde hin untersuchen.“ Die Dokumentation dieser Arbeiten werde dem Landesdenkmalamt übergeben.

Wenige hundert Meter entfernt von der Stelle, an der vor knapp einem Jahr Knochenfragmente von mehreren Menschen gefunden wurden, steht das Gebäude, in dem sich bis 1945 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik befand. Dorthin hatte der KZ-Arzt Josef Mengele damals Leichenteile von Menschen geschickt, die im Vernichtungslager Auschwitz ermordet worden waren. Heute ist das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft in dem Haus untergebracht.

Ob die gefundenen Knochen, die mittlerweile eingeäschert und bestattet wurden, aus Auschwitz stammten, ist nicht geklärt. Das Präsidium der Freien Universität Berlin hat eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern und Experten der Freien Universität, der Max-Planck-Gesellschaft – als Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft – und des Landesdenkmalamtes eingerichtet, um weitere Erkenntnisse über die mögliche Herkunft der Funde zu gewinnen. Dazu zählen auch die nun anberaumten Bodenuntersuchungen im Zusammenhang mit den Reparaturarbeiten an der Rohrleitung. Wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, lässt sich noch nicht sagen. Die Harnackstraße bleibt also bis auf Weiteres für die Durchfahrt gesperrt.