Bund fördert Forschungsprojekt zu Präzisionsmedizin an der Freien Universität Berlin mit 1,95 Millionen Euro
Chemiker Dr. Gergo Peter Szekeres und sein Team entwickeln neue Generation von Lipid-Nanopartikeln, die therapeutische Wirkstoffe präziser im Körper freisetzen
Nr. 009/2026 vom 26.01.2026
Eine neue Nachwuchsforschungsgruppe der Freien Universität Berlin wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in den nächsten fünf Jahren mit 1,95 Millionen Euro gefördert – um das Potenzial von Lipid-Nanopartikeln (LNPs) besser auszuschöpfen. Das geförderte Projekt mit dem Titel „GAGosome“ wird vom Chemiker Dr. Gergo Peter Szekeres vom Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin geleitet. Finanzielle Förderung erhält das Projekt im Rahmen der Initiative „NanoMatFutur“ welche zum Anwendungsbereich „Materialien für Gesundheit und Lebensqualität“ gehört. NanoMatFutur unterstützt interdisziplinäre und auf Anwendung in der Industrie abzielende Projekte junger Wissenschaftler*innen.
Die Präzisionsmedizin – also medizinische Ansätze, die Behandlungen gezielt an einzelne Personen oder bestimmte Patientengruppen anpassen – entwickelt sich derzeit sehr schnell. Ziel ist es, Medikamente genau an den Ort im Körper zu bringen, an dem sie wirken sollen. Doch viele Wirkstoffe treffen ihr Ziel noch nicht präzise genug. Lipid-Nanopartikel (LNPs) – winzige Fettteilchen, die als Transportvehikel für Medikamente dienen – gelten als vielversprechender Ansatz. Allerdings sind sie häufig noch zu instabil, lösen unerwünschte Immunreaktionen aus und erreichen ihr Ziel im Körper nicht immer zuverlässig. Die Nachwuchsgruppe von Gergo Peter Szekeres entwickelt eine neue Generation von Lipid-Nanopartikeln (LNPs), indem bestimmte körpereigene Zuckermoleküle – sogenannte Glykosaminoglykane (GAGs) – mit Fetten kombiniert werden. Diese GAGs können im Labor so angepasst werden, dass sie den Nanopartikeln helfen, bestimmte Ziele im Körper genauer zu erkennen. Gleichzeitig machen sie die Partikel stabiler.
Um diese neuartigen Moleküle genau zu untersuchen, entwickelt die Forschungsgruppe ein Analysegerät, das mithilfe moderner Lasertechnologie und Spektroskopie in Echtzeit zeigt, wie sich die Struktur und Bewegung der Nanopartikel verändern. Die optimierten GAG-LNPs werden anschließend in verschiedenen Zellkulturmodellen getestet, um zu zeigen, für welche medizinische Anwendungen sie sich eignen. Die neuen leistungsfähige Nanopartikel ebenso wie das Analyseverfahren, das alle wichtigen Messungen in einem einzigen Gerät ermöglicht, könnte später auch in der industriellen Entwicklung von Nanopartikeln breit eingesetzt werden. Deshalb arbeitet die Nachwuchsgruppe auch mit Partnern aus der Industrie zusammen. Langfristig soll ihre Forschung dazu beitragen, Therapien wirksamer und verträglicher zu machen – und gleichzeitig neue Chancen für Unternehmen der deutschen Biotechnologie- und Pharmaindustrie eröffnen.
Über Dr. Gergo Peter Szekeres
Gergo Peter Szekeres ist Postdoktorand und Projektleiter an der Freien Universität Berlin im Forschungsbau SupraFAB sowie Gastwissenschaftler am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der vibrationsspektroskopischen Charakterisierung von Wechselwirkungen zwischen Biomolekülen, besonders Glycosaminoglykanen und Proteinen sowie kleinen Molekülen. Er promovierte 2019 an der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Physikalische Chemie (Dr. rer. nat., summa cum laude) mit einer Arbeit zur Struktur und Zusammensetzung der Protein-Corona in tierischen Zellen. Forschungsaufenthalte führten ihn in die Schweiz und an die Universidad de Oviedo, wo er sich mit der massenspektrometrischen Analyse von Protein-Corona-Biokonjugaten befasste. Sein Masterstudium der Chemie schloss er 2016 an der Universität Szeged in Ungarn mit Auszeichnung ab.
Weitere Informationen
- zu Dr. Gergo Peter Szekeres: https://szekeresgp.com/
Kontakt
- Dr. Gergo Peter Szekeres, Freie Universität Berlin, Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie, Forschungsbau SupraFAB, E-Mail: g.szekeres@fu-berlin.de
