Berliner Literaturpreis 2026 geht an Matthias Nawrat
Autor wird durch Freie Universität Berlin auf Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung berufen
Nr. 007/2026 vom 21.01.2026
Der Schriftsteller Matthias Nawrat wird auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik berufen.
Bildquelle: Alena Schmick
Der Schriftsteller Matthias Nawrat erhält den Berliner Literaturpreis 2026 der Stiftung Preußische Seehandlung. Die mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt Autorinnen und Autoren, die mit ihrem literarischen Werk einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geleistet haben. Mit der Preisvergabe ist das Angebot einer Berufung auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin im Sommersemester 2026 verbunden. Die Preisverleihung durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, findet am 25. Februar 2026 um 19.00 Uhr im Roten Rathaus statt. Die Laudatio hält die Autorin und Journalistin Juliane Liebert. Anmeldungen sind ab dem 26. Januar 2026 unter www.stiftung-seehandlung.de/veranstaltungen möglich.
Matthias Nawrat wurde 1979 im polnischen Opole geboren und emigrierte 1989 mit seiner Familie nach Bamberg, heute lebt er in Berlin. Zunächst studierte Nawrat Biologie in Heidelberg und Freiburg im Breisgau. Später nahm er ein Studium am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel/Biene auf. Sein Werk umfasst mehrere Romane und einen Gedichtband. Matthias Nawrat wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, der Alfred-Döblin-Medaille, dem Literaturpreis der Europäischen Union sowie dem Fontane-Literaturpreis 2023. Der Roman Unternehmer war 2014 für den Deutschen Buchpreis, Der traurige Gast 2019 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zuletzt erschien der Essayband Über allem ein weiter Himmel. Nachrichten aus Europa. Mit Das glückliche Schicksal folgt im März 2026 ein neuer Roman.
Zur Begründung des Berliner Literaturpreises 2026 an Mattias Nawrat betonte die Jury:„Es ist das Dazwischen, die subkutane Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit und deren verborgenes Wirken, die er in seinen Texten herausarbeitet, das Beziehungsgeflecht hinter den Bruchstücken unserer Wirklichkeit, die unsichtbaren Linien, die von der Vergangenheit in die Gegenwart führen. Wenn Matthias Nawrat in seinen Texten, seien es Romane, Essays oder Gedichte, den europäischen Raum erkundet, dann erkundet er ihn wie ein Archäologe, der behutsam die historischen Sedimentschichten abträgt. Ebenso behutsam, nie auftrumpfend, dabei zugleich von äußerster Präzision und poetischer Strahlkraft ist seine Sprache.“
Matthias Nawrat reagierte auf die Auszeichnung mit den Worten: „In der Stadt Berlin öffnen sich die Tore zu verschiedenen Mikrokosmen unserer globalisierten Gegenwart. In ihr begegnen sich außerdem täglich die Gegenwart und Geschichte des europäischen Westens und Ostens. Berlin trägt nicht nur die Spuren der Gewalt des 20. Jahrhunderts, es stellt auch einen Raum für ein globales Gedächtnis der Künste und Denktraditionen dar. Dass ich für meine literarische Arbeit den Literaturpreis dieser Stadt, die seit vierzehn Jahren mein Zuhause ist und seit dem Fall der Mauer zu einem Symbol der Hoffnung für eine einst geteilte Welt wurde, zugesprochen bekomme, ist für mich eine große Ehre.“
Der Stiftungsratsvorsitzende und Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, beglückwünscht den Preisträger:„Matthias Nawrat setzt sich mit den menschenverachtenden Diktaturen des Nationalsozialismus und des Kommunismus auseinander. Seit vielen Jahren bereichert er die Literaturstadt Berlin, die für viele Künstlerinnen und Künstler die Drehscheibe zwischen Ost und West schlechthin ist. Nawrat gehört aber auch deshalb in unsere Stadt, weil er eine ausgeprägt europäische Perspektive hat. Er ermahnt uns, dass gerade auch die Nationen Osteuropas unseren Kontinent ausmachen. Ich danke der Jury für ihre Entscheidung und freue mich darauf, Matthias Nawrat den Berliner Literaturpreis zu überreichen.“
Prof. Dr. Dr. h. c. Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität, erklärte zur Berufung: „Es ist uns Ehre und Freude, Matthias Nawrat im Sommersemester als Gastprofessor für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität begrüßen zu dürfen. Berlin ist Drehscheibe zwischen Ost- und Westeuropa – auch bei uns werden diese Schnittstellen in unterschiedlichen Disziplinen, Formaten und Denkrichtungen studiert und erforscht. Matthias Nawrat wird diese Arbeit in besonderer Weise bereichern. Die Herkunft des Autors liegt im polnischen Opole und im bayerischen Bamberg, Berlin ist seit vielen Jahren sein Lebensmittelpunkt. Seine Bücher führen nach Osten und nach Westen, etwa von Krakau nach Venedig, nach Skopje und Minsk, in den Schwarzwald und in die USA. Sie spüren das Vergangene im Gegenwärtigem auf und zeigen die Abgründe der jüngeren Geschichte mit den Mitteln poetischer Sprache. Wir sind sehr gespannt auf Matthias Nawrats öffentliche Antrittsvorlesung und sein Seminar an der Freien Universität.“
Dr. Hans Gerhard Hannesen, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Preußische Seehandlung, zur Wahl der Jury: „In einer Zeit, in der das uns vertraute, seit Ende des Zweiten Weltkriegs allmählich entstandene politische Ordnungssystem an sein Ende zu kommen scheint, gewinnen Fragen nach historischen Zusammenhängen und persönlichem Herkommen an Aktualität und werden zur Orientierungshilfe in der Gegenwart. Mit Matthias Nawrat ehrt die Stiftung Preußische Seehandlung einen Autor, der vor dem Hintergrund der kulturellen Vielfalt Europas die Abgründe ihrer Geschichte nicht ausblendet und in seinen Essays und Romanen die Verletzbarkeit der Gesellschaft und ihre Gefährdung, auch durch sprachliche Indoktrination, beschreibt.“
Zum Berliner Literaturpreis und der Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der FU Berlin:
Die Stiftung Preußische Seehandlung verleiht den Berliner Literaturpreis seit 1989 jährlich. Mit der Auszeichnung wird deutschsprachige Gegenwartsliteratur der Gattungen Erzählende Literatur, Dramatische Literatur und Lyrik gefördert und eine Autorin oder ein Autor gewürdigt werden, deren bisheriges literarisches Schaffen einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur geleistet hat. Seit 2005 ist der Berliner Literaturpreis mit einer Berufung auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung an der Freien Universität Berlin verbunden. Im Sommersemester unterrichten die Gastprofessor*innen eine Schreibwerkstatt für junge Nachwuchsschriftsteller*innen am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin.
Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern sowie Dozierenden zählen unter anderem Herta Müller (2005), Durs Grünbein (2006), Lukas Bärfuss (2013), Ilma Rakusa (2017), Marion Poschmann (2018), Clemens J. Setz (2019), Thomas Meinecke (2020), Monika Rink (2021), Steffen Mensching (2022), Lutz Seiler (2023), Felicitas Hoppe (2024) und Abbas Khider (2025). (cxm)
Weitere Informationen
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