Was lässt sich tun gegen die dritthäufigste Todesursache weltweit?

Freie Universität Berlin beteiligt sich an internationalem Forschungsprojekt zur Entwicklung neuer Therapien gegen antibiotikaresistente Erreger von Lungenentzündungen / 10 Millionen Euro Förderung durch die Europäische Union

Nr. 025/2020 vom 04.02.2020

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus elf europäischen Forschungseinrichtungen, darunter das Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin, suchen gemeinsam nach neuen Möglichkeiten, antibiotikaresistente Krankheitserreger zu bekämpfen. Das interdisziplinäre Forschungsteam befasst sich mit der Behandlung bakterieller Lungenentzündungen durch eine sogenannte Flagellin-Aerosol-Therapie. Lungenentzündungen gelten als die dritthäufigste Todesursache weltweit. Ihre bakteriellen Erreger werden zunehmend resistent gegen Antibiotika, die bisher zur Behandlung eingesetzt wurden. Die Forscherinnen und Forscher versuchen deshalb, neue Arzneimittel und Strategien zu finden, die in Kombination mit den bewährten Antibiotika-Wirkstoffen das menschliche Immunsystem gegen Bakterien wappnen können. Während der nächsten fünf Jahre soll die Wirksamkeit solcher Therapieansätze geprüft werden. Gefördert wird das umfangreiche Forschungsvorhaben mit dem Namen „FAIR“ (Abkürzung für „Flagellin Aerosol therapy as an Immunomodulatory adjunct to the antibiotic treatment of drug-Resistant bacterial pneumonia“) durch die Europäische Union im Rahmen des Horizon2020-Förderprogramms mit rund zehn Millionen Euro

Lungenentzündungen zählen global betrachtet zu den häufigsten, zugleich aber auch vermeidbaren Todesursachen. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind gefährdet. Bakterielle, aber auch virale Krankheitserreger befallen bei der Infektion die Atemwege. Die winzigen Luftsäcke in der Lunge – die sogenannten Alveolen – entzünden sich und füllen sich mit Flüssigkeit, wodurch das Atmen erschwert wird. Die Ansteckung erfolgt durch eine Tröpfcheninfektion oder durch Erreger, die über die Blutbahn in die Lunge gelangen. Ohne Behandlung können geschwächte Patientinnen und Patienten an den Folgen der Krankheit innerhalb weniger Tage oder Wochen sterben.

Das Forschungsprojekt „FAIR“ zielt darauf ab, neue Therapiestrategien gegen bakterielle Pneumonien (Lungenentzündungen) zu entwickeln, die ergänzend zur Antibiotikabehandlung eingesetzt werden können. Dazu analysieren die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Einsatz eines speziellen Arzneistoffes, immunmodulierendes Flagellin. Der Stoff ist möglicherweise in der Lage, die angeborene Immunabwehr der Atemwege anzuregen, sodass Antibiotika ihre Wirkung effizienter entfalten können. Ohne solche innovativen Behandlungsmöglichkeiten drohen Infektionen mit resistenten Bakterien bis zum Jahr 2050 weltweit die Haupttodesursache zu werden, schätzen Expertinnen und Experten der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen.

An dem internationalen Forschungsvorhaben beteiligen sich die neben der Freien Universität die Unternehmen und Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Gesellschaften Institut National Santé et Recherche Paris, das Centre Hospitalier Régional Universitaire de Tours, Epithelix Sarl, Plan les Ouates, Inserm Transfert SA Paris, European Respiratory Society Lausanne, Statens Serum Institut Kopenhagen und Aerogen Ltd. Galway sowie die Hochschulen University of Sciences and Technology, Lille, Université de Lille I, Vrije Universiteit Amsterdam, University of Southampton.

Weitere Informationen

Kontakt

Prof. Dr. Charlotte Kloft, Institut für Pharmazie an der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-50676, E-Mail: charlotte.kloft@fu-berlin.de