Meteorologin: „Weiße Weihnachten“ im Tiefland auch 2019 nur auf Postkarten

Vorweihnachtswoche wird nach Aussage des Vereins Berliner Wetterkarte e. V. an der Freien Universität eher mild und führt zu einem „Grünen Weihnachtsfest“ / Wetterpatenschaft für letztes Tiefdruckgebiet des Jahres 2019 zu vergeben

Nr. 392/2019 vom 15.12.2019

Weiße Weihnachten ist nach Einschätzung des Vereins Berliner Wetterkarte e. V. an der Freien Universität in den Tieflagen Deutschlands nahezu ausgeschlossen. Schnee werde während der Feiertage allenfalls in den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen liegen, erklärte Meteorologin Petra Gebauer am Sonntag in Berlin. „Sturmtiefs bestimmen aktuell das Wetter. Nach Tiefdruckgebiet VEIKO wird nun Tief WILFRIED mit einem kräftigen Jet-Stream über den Nordatlantik gesteuert und erreicht wie auf einer Autobahn jetzt Mitteleuropa. Gleichzeitig wird sehr milde Luft zu uns gelenkt, eine Bedrohung auch für die vorhandene Schneedecke in höheren Lagen. Plus 8 Grad auf dem Brocken, plus 11 Grad in Berlin sind in der Mitte der Vorweihnachtswoche zu erwarten“ Frostfrei bleibe es auch über die Feiertage, stellte die Meteorologin klar.

„Das Weihnachtswetter im Tiefland ist in den meisten Fällen ohnehin eher auf mild eingestellt“, betonte die Meteorologin. In Berlin gebe es beispielsweise in nur zwei von zehn Jahren an wenigstens zwei der Festtage eine Schneedecke von mindestens einem Zentimeter Höhe, wie die Statistik des Vereins Berliner Wetterkarte e. V. an der Freien Universität ausweise. Erst in einem solchen Fall nämlich sprechen die Meteorologen von einem „weißen“ Weihnachtsfest. „Voraussetzung für eine Schneedecke sind neben Niederschlag zu Weihnachten selbst oder auch in den Vortagen Temperaturwerte unter dem Gefrierpunkt, denn nur dann hält sich die weiße Pracht“, erläuterte Petra Gebauer. „In den vergangenen acht Jahren herrschten stets Höchsttemperaturen zwischen plus 5 und über plus 10 Grad Celsius, es bestand also keine Chance auf Schneefall oder Dauerfrost zum Erhalt einer Schneedecke“, stellt die Meteorologin klar. So sei es auch in diesem Jahr.

Noch wärmer wurde es mit Höchsttemperaturen von fast plus 16 Grad am 24. Dezember 1977; es sei der wärmste Heiligabend seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1908 an der Wetterstation Berlin-Dahlem gewesen, die von der Freien Universität Berlin betrieben wird. Besonders schneereich waren den Aufzeichnungen zufolge die Weihnachtsfeste 1923, 1935, 1981, 1986, 2000, 2001 und vor allem 2010. Eine Schneedecke mit einer Höhe von mehr als 30 cm gab es in Berlin zuletzt also vor neun Jahren. Das Tiefdruckgebiet SCARLETT brachte damals über Deutschland ausreichend Niederschlag, der bei Temperaturwerten wenig unter dem Gefrierpunkt in fester Form fiel.

„Weiße Weihnachten sind also im Tiefland eher die Ausnahme statt die Regel“, stellte Meteorologin Petra Gebauer klar. „Urlaub in schneereichen Regionen in der Weihnachtszeit, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mode kam, aber war womöglich der Anlass, Postkartenmotive mit einem Weihnachtsmann im Schnee zu verschicken. Diese Motive kamen im Jahr 1863 parallel zum beginnenden Wintertourismus auf, und erzeugten damit bei den Daheimgebliebenen die Sehnsucht nach Weißen Weihnachten. Ob es also nur Wunschgedanken sind oder eine Erfindung ideenreicher oder doch geschäftstüchtiger Designer lässt sich wohl nicht klären“, sagte Petra Gebauer lachend.

Auch wenn die Modellrechnungen in diesem Jahr wieder auf wenig winterliches Wetter hindeuten – noch ist nicht sicher, welches Hoch- oder Tiefdruckgebiet das Weihnachtswetter in diesem Jahr prägen wird und aus welcher Region milde oder kalte Luftmassen dann nach Deutschland gelenkt werden. Wer sich an der Namensgebung der Druckgebilde des kommenden Jahres beteiligen und damit die Ausbildung der Studierenden beim Verein Berliner Wetterkarte an der Freien Universität Berlin unterstützen möchte, die mit der studentischen Wetterbeobachtung die Fortführung der inzwischen 111-jährigen Dahlemer Reihe gewährleisten, kann sich für ein Weihnachtsgeschenk noch bis zum 18. Dezember 2019 bei der Aktion Wetterpate bewerben.

Eine Patenschaft für Hochdruckgebiete, die 2020 wieder männliche Namen tragen, ist für 299 Euro zu haben; die Tiefs, für die eine Patenschaft für 199 Euro vergeben wird, tragen 2020 weibliche Vornamen. In beiden Fällen kommt die Mehrwertsteuer hinzu. Seit 2002 wechselt die Namenszuordnung von Hochs und Tiefs von Jahr zu Jahr.

Wer ganz schnell ist, kann sich bis Dienstag, 17. Dezember 2019, noch für das letzte Tief mit dem Anfangsbuchstaben „Z“ in diesem Jahr bewerben, der Name muss dann nur männlich sein. „Vielleicht werde es ja das entscheidende Tief für das Weihnachtswetter“, meinte Petra Gebauer.

Weitere Informationen und Antragsformulare unter www.wetterpate.de; Telefon: 030 / 838-71226 , E-Mail: wetterpate@met.fu-berlin.de

Berliner Wetterkarte

www.berliner-wetterkarte.de

Weitere Informationen und Interview-Möglichkeiten zum Weihnachtswetter

Meteorologe vom Dienst der Berliner Wetterkarte e. V. am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin, Telefon 030/838-71212 (an allen sieben Tagen der Woche zu erreichen; bitte beachten Sie, dass Anrufe nur in den Zeitfenstern 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr möglich sind); E-Mail: wetter@met.fu-berlin.de