Kolloquium der Freien Universität zu den sozialen Beziehungen von deutschen und türkischen Schülerinnen und Schülern in Berlin
vom 27. bis 28. August 1999
Nr. 176/1999 vom 20.08.1999
Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der dritten und vierten Migrantengeneration entwickeln in der Auseinandersetzung mit der Aufnahmegesellschaft, aber auch mit ihren Eltern und Großeltern eigene Vorstellungen von Integration, die sich kaum noch auf Schlagworte wie "integrationswillig" oder "-unwillig" reduzieren lassen. Es ist anzunehmen, daß z.B. der Rückzug vieler junger Türken auf ihre eigene Gruppe weniger eine Rückkehr zu Bekanntem ist als vielmehr eine offensive Reaktion, die jenseits bisheriger Ansprüche und Erwartungen ihren Weg sucht. Diese Prozesse der Identitätsfindung und der Selbstartikulation stehen im Mittelpunkt der Untersuchung "Soziale Beziehungen und psychosoziale Befindlichkeit von deutschen und türkischen Jugendlichen in Berlin", die am Institut für Erziehungswissenschaften durchgeführt worden ist und von der VW-Stiftung im Rahmen des Schwerpunkts "Das Fremde und das Eigene" gefördert wird.
Die Studie bildet den Ausgangspunkt für ein Kolloqium zu Möglichkeiten und Problemen interkulturellen Verstehens, das vom Institut für Allgemeine Pädagogik der Freien Universität am 27. Und 28. August 1999 veranstaltet wird.
Die Untersuchungsergebnisse resultieren aus einer umfassenden Befragung von über 1000 Jugendlichen an Berliner Gymnasien und Hauptschulen sowie aus Befragungen von Eltern und Lehrerinnen und Lehrern. Neu an dieser Studie ist, daß die Erfahrungen deutscher und türkischer Jugendlicher in Schule, Nachbarschaft und Freizeit gleichermaßen einbezogen werden. Dabei finden die klischeehaften Vorstellungen der verschiedenen Gruppen besondere Beachtung. Diese "Bilder im Kopf" beeinflussen nach Einschätzung von Dr. Said Ibaidi, Arbeitsbereich Empirische Erziehungswissenschaft, nicht nur die Wahrnehmung der Jugendlichen, sondern auch die Aufnahme und Intensivierung ihrer sozialen Beziehungen. Ibaidi hofft, daß die Studie dazu beiträgt, die pauschalen Vorstellungen die junge Türken und junge Deutsche voneinander haben, aufzubrechen und ihre subjektive Wahrnehmung für die Aufnahme abweichender Informationen zu sensibilisieren.
Weitere Informationen
Dr. Said Ibaidi, Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft, Psychologie und Sportwissenschaft, Fabeckstr. 13, 14195 Berlin, Tel.: (030) 838-56 06