Mediator*innen zwischen kulturellen Identitäten
23.2.-12.3.: Online-Kurs, in dem Studierende der Freien Universität Berlin und der Hebrew University Jerusalem gemeinsam lernen / Anmeldung bis 28. Januar, Orientation meeting am 29. Januar
07.01.2026
Chaya Fischer (l.), Direktorin des Sprachenzentrums an der Hebrew University, und Dr. Ruth Tobias, Direktorin des Sprachenzentrums der Freien Universität Berlin (2018 an der HUJI, Mont Scopus).
Bildquelle: Katherina Reisner
Der Titel klingt etwas sperrig – das Konzept leuchtet sofort ein: Der „Joint Online Intensive Course Hebrew-German: ‘What Do You Mean?’ Experiencing Culture through Language“ folgt dem in der Pandemie entstandenen sogenannten COIL-Format. COIL steht für Collaborative Online International Learning und will Studierende und Lehrende über Länder und Kulturen hinweg zum gemeinsamen Lernen zusammenbringen. Ein Interview mit Ruth Tobias, Direktorin des Sprachenzentrums der Freien Universität Berlin, wo das Kurskonzept entwickelt wurde.
Frau Tobias, worum wird es im Kurs „Joint Online Intensive Course Hebrew-German: ‘What Do You Mean?’ Experiencing Culture through Language“ gehen?
Studierende der Hebrew University of Jerusalem und der Freien Universität Berlin „treffen sich“ drei Wochen lang zum gemeinsamen Lernen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung der deutschen (für die Studierenden der HUJI) und der hebräischen Sprache (für die Studierenden der FU).
Diese sprachlichen Einheiten, die etwa 75 Prozent des Kursvolumens ausmachen, werden mit einer kulturellen Klammer versehen, das heißt mit Kursanteilen, in denen die Studierenden gemeinsam über die in den sprachlichen Strukturen ausgedrückten kulturellen Konzepte reflektieren.
Da für den Kurs keine Vorkenntnisse in der jeweils zu erlernenden Sprache vorausgesetzt werden, findet dieser Kursteil auf Englisch statt. Gute Kenntnisse des Deutschen oder Hebräischen und des Englischen sind daher Voraussetzung, um teilzunehmen.
Was ist das Ziel des Kurses?
Abgesehen vom konkreten Spracherwerb geht es darum, dass die Studierenden erfahren, wie sprachliche und (inter-)kulturelle Aspekte der Kommunikation zusammenhängen. Dafür möchten wir sensibilisieren, damit die Studierenden zu Mediator*innen zwischen kulturellen Identitäten werden können.
Wie wird das konkret umgesetzt?
Das dreiwöchige Intensivkurskonzept verbindet drei didaktische Formate miteinander: Der Kurs beginnt jeweils mit einer kulturellen Einheit, die das Thema setzt und in der alle Studierenden gemeinsam unterrichtet werden. In dieser Einheit gibt es bereits Einheiten in sogenannten Break Out Rooms, in denen sich die Studierenden in Kleingruppen online treffen und gemeinsam Erfahrungen abgleichen können.
Der Hauptteil des Tages ist für den Sprachunterricht vorgesehen, der das Thema der kulturellen Einheit sprachlich vermittelt. Zwei Mal in der Woche gibt es praktische Arbeitseinheiten, in denen die Studierenden das sprachlich Erlernte mit ihren Kommiliton*innen anwenden und (inter)-kulturelle Fragestellungen anhand von spezifischen Fragestellungen vertiefen.
An wen richtet sich der Kurs?
An Studierende der Freien Universität, der BUA und weiterer Berliner Universitäten, die Interesse am Erlernen der hebräischen Sprache haben. An der HUJI können Studierende den Kurs im sogenannten Cornerstone-Programm wählen, die Interesse am Erlernen der deutschen Sprache haben.
Wie können sich Interessierte anmelden, und gibt es Credit Points für die Teilnahme?
Der Kurs beginnt am 29. Januar 2026 um 17 Uhr mit einem ersten Treffen: einem Orientiation meeting. Die Anmeldung läuft bereits und geht bis zum 28. Januar: über die Webseite des Sprachenzentrums.
Bachelorstudierende können sich den Kurs im Rahmen der ABV anrechnen lassen, Masterstudierende können sich individuell zu Anrechnungsmöglichkeiten beraten lassen. An der Freien Universität sind fünf Credits für die Teilnahme veranschlagt, an der HUJI vier. Dieser Unterschied ist der Tatsache geschuldet, dass für die Hebräisch-Lernenden das Alphabet bis Kursbeginn gelernt werden muss, damit alle Studierenden mit denselben Voraussetzungen starten.
Ist eine ähnliche Veranstaltung auch für andere Sprachen und Kulturräume geplant?
Derzeit wird ein ähnliches Kursformat in der Kombination Japanisch-Deutsch mit der Dokkyo-Universität in Tokio erarbeitet. Geplanter Start dieses Formats ist das Wintersemester 2026/27. Außerdem ist im Rahmen von UNA Europa eine Kooperation für Spanisch-Deutsch mit der Universidad Complutense de Madrid geplant.
Die Fragen stellte Christine Boldt


