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Biologie, Chemie, Diversity

Wie kann Lehre besser auf die Vielfalt von Studierenden eingehen? Was haben Gender und Diversity mit naturwissenschaftlichen Inhalten zu tun? Eine Vortragsreihe am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmarzie zeigt Ansätze für Forschung und Anwendung

10.05.2019

Was haben Gender und Diversity mit Inhalten der naturwissenschaftlichen Fächer zu tun? Die Vortragsreihe gibt Anregungen.

Was haben Gender und Diversity mit Inhalten der naturwissenschaftlichen Fächer zu tun? Die Vortragsreihe gibt Anregungen.
Bildquelle: CeDiS, Freie Universität Berlin

Gute Lehre sollte Geschlecht, soziale und ethnische Herkunft sowie sexuelle Identität und weitere Diversitätskategorien der Lernenden berücksichtigen, sagt Sarah Huch. Die promovierte Biologin ist wissenschaftliche Koordinatorin für Gender und Diversity am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität. Ihrer Ansicht nach sollte Lehre für Prozesse sensibilisieren, die im Kontext der jeweiligen Fachdisziplin zur Entstehung sozialer Ungleichheiten führen. Wie lässt sich dieser Anspruch in den naturwissenschaftlichen Fächern erfüllen? Das ist Thema der Vortragsreihe „Gender und Diversity in der Lehre der Naturwissenschaften“, die am 15. Mai beginnt. campus.leben sprach mit Sarah Huch, die die Reihe konzipiert hat.

Frau Huch, was haben Geschlecht, Herkunft und sexuelle Identität der Studierenden mit der naturwissenschaftlichen Lehre zu tun?

Wie in vielen anderen Fächern auch ist die Studierendenschaft in den Naturwissenschaften sehr heterogen, Methodik und Didaktik sollten dieser Heterogenität gerecht werden. Gender- und Diversity-Aspekte spielen aber auch bei den Fachinhalten eine zentrale Rolle, etwa wenn es um die Strukturierung naturwissenschaftlicher Forschung durch gesellschaftliche Geschlechterideologien geht.

In der Pharmazie und Medizin rücken Gender-Aspekte beispielsweise zunehmend in den Fokus, denn manche Medikamente wirken bei Frauen anders als bei Männern. Es geht aber auch um die generelle Frage, wie Geschlecht, soziale und ethnische Herkunft mit den Themen Gesundheit, Krankheit und Arzneimittelgebrauch assoziiert sind. Das wird in der Forschung ebenso wie in der Ausbildung noch nicht ausreichend berücksichtigt. Diese Aspekte wird die Medizin-Professorin Sabine Oertelt-Prigione in ihrem Vortrag am 13. Juni aufgreifen.

In der Neurobiologie stellt sich die Frage, ob es neurobiologisch begründete Geschlechterunterschiede überhaupt gibt. Methodenkritisch wird analysiert, wie etwa Forscherinnen und Forscher eigene Annahmen von Geschlecht in das Forschungsdesign hineintragen und damit zu verzerrten Einsichten hinsichtlich der Biologie der Geschlechter beitragen können.

Die promovierte Biologin Sarah Huch ist wissenschaftliche Koordinatorin für Gender und Diversity am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität.

Die promovierte Biologin Sarah Huch ist wissenschaftliche Koordinatorin für Gender und Diversity am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität.
Bildquelle: privat

Warum ist es wichtig, Gender- und Diversity-Aspekte in der Lehre zu berücksichtigen?

Zum einen sollte allen Studierenden ermöglicht werden, dass sie gut lernen können. Es sollte ein lernförderliches Klima geschaffen werden, in dem sich die Lernenden in ihrer Gesamtpersönlichkeit respektiert fühlen und frei entfalten können. Niemand sollte aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Identität benachteiligt oder diskriminiert werden. Um das zu erreichen, müssen wir uns kritisch mit den gesellschaftlichen und den eigenen Norm- und Wertvorstellungen auseinandersetzen. Wichtig ist auch, die Gender- und Diversity-Kompetenzen der Studierenden zu fördern. Dazu gehören Kenntnisse über die Funktionsweise und Entstehung von Stereotypen und Diskriminierung. Und auch die Reflexion von naturwissenschaftlichen Geschlechter- und Sexualitätskonstruktionen in ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit gehört dazu.

Welche Anregungen geben Sie Lehrenden, die Gender und Diversity in ihrer Lehre aufgreifen wollen?

Mit der Vortragsreihe wollen wir für Gender- und Diversity-Aspekte sensibilisieren und ein Grundverständnis dafür schaffen. Beim Einführungsvortrag am 15. Mai wird Professorin Petra Lucht, Soziologin an der Technischen Universität Berlin, deshalb einen Überblick über aktuelle grundlegende Konzepte von Gender und Diversity geben.

Die weiteren Vorträge gehen fachspezifisch auf bestimmte Aspekte ein. Im abschließenden Workshop am 3. Juni stelle ich gemeinsam mit Melanie Bittner, Mitarbeiterin des Projekts „Toolbox Gender und Diversity in der Lehre“ der Freien Universität, einige Methoden zur Umsetzung gender- und diversitätsbewusster  Lehre vor. So kann etwa in Seminaren darauf geachtet werden, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiviert werden und zu Wort kommen können. Wenn sich Studierende aufgrund sprachlicher Hindernisse nicht gern in großen Runden äußern, ist vielleicht die Arbeit in kleineren Gruppen eine Lösung.

Das Wichtigste ist jedoch, dass Dozentinnen und Dozenten für sich selbst eine Gender- und Diversity-Perspektive entwickeln und diese in ihre Lehre hineintragen. Dazu können sie sich zum Beispiel bewusstmachen, wie eigene Annahmen in Bezug auf Geschlecht und weitere Differenzkategorien ihre Wahrnehmung und ihr Handeln beeinflussen. Die guten Beispiele für eine Gender- und Diversity-orientierte Lehre aus den Vorträgen ermuntern hier bestimmt.

Die Fragen stellte Marion Kuka

Weitere Informationen

Die Vorlesungsreihe wird von Sarah Huch gemeinsam mit Christine Eßmann-Stern, der dezentralen Frauenbeauftragten am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie, sowie der AG Mikrobiologie II und der AG Neurobiologie durchgeführt. Die Vorträge finden jeweils im Hörsaal A, Arnimallee 22 (B 004), 14195 Berlin, statt. Zuhörerinnen und Zuhörer sind herzlich eingeladen zum anschließenden Get Together mit Imbiss und Getränken. Eine Anmeldung ist nur für den Workshop am 3. Juli erforderlich unter gender-diversity@bcp.fu-berlin.de.

  • Mittwoch, 15. Mai 2019 - 16-18 Uhr (c.t.):

„Zur Relevanz von Gender und Diversity - Einführung in die Geschlechterforschung zu Natur- und Technikwissenschaften“

Prof. Dr. Petra Lucht, Gender in MINT und Planung, Technische Universität Berlin

  • Montag, 20. Mai 2019 - 16-18 Uhr (c.t.)

„Gender und Diversity in der neurowissenschaftlichen Forschung: Eine Methodenfrage?“

Prof. Dr. Anelis Kaiser, Gender Studies in MINT, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

  • Mittwoch, 29. Mai 2019 - 16-18 Uhr (c.t.)

„Unconscious Bias: Unbewusste Vorurteile erkennen und verändern“

Hanna Völkle, Diversity in Leadership, EAF Berlin

  • Donnerstag, 13. Juni 2019 - 16-18 Uhr (c.t.)

„Kann Geschlechtersensibilität die medizinische Versorgung verbessern?“

Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione, Radboud University Medical Center Nijmegen, Niederlande

  • Donnerstag, 27. Juni 2019 - 16-18 Uhr (c.t.)

„Gender- und Diversitykompetenz in der Hochschullehre - Praxisorientierte Beispiele“

Dr. Lisa Mense, (KoFo Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW, Universität Duisburg-Essen)

  • Mittwoch, 03. Juli 2019 - 16-18 Uhr (c.t.)

Workshop „Gender- und diversitybewusste Methodik und Didaktik in den Naturwissenschaften“ (Anmeldung erforderlich)

Dr. Sarah Huch, Freie Universität Berlin, Didaktik der Biologie

Melanie Bittner, Freie Universität Berlin, Projekt "Toolbox Gender und Diversity in der Lehre"

Kontakt:

Dr. Sarah Huch, E-Mail: gender-diversity@bcp.fu-berlin.de, Telefon: +49 30 838 55158

 

Schlagwörter

  • Biologie, Chemie, Pharmazie
  • Gender
  • Lehre
  • Medizin