„Wir versuchen, den Streaming-Radius weiter auszubauen“

20 Jahre GasthörerCard-Programm – ein Interview mit Felicitas Wlodyga, Leiterin des Weiterbildungsangebots

20.12.2019

Jubiläumsfeier: Felicitas Wlodyga (7. v. l.) mit dem GasthörerCard-Team und Beatrice Szameitat, Jan Maruhn, Thomas R. Hoffmann, Kolja Kohlhoff und Matthias Vollmer vom Art-Programm sowie zwei Musikern.

Jubiläumsfeier: Felicitas Wlodyga (7. v. l.) mit dem GasthörerCard-Team und Beatrice Szameitat, Jan Maruhn, Thomas R. Hoffmann, Kolja Kohlhoff und Matthias Vollmer vom Art-Programm sowie zwei Musikern.
Bildquelle: Frank Nürnberger

Lebenslanges Lernen – das geht an der Freien Universität beispielsweise mit dem GasthörerCard-Programm Classic und dem GasthörerCard-Programm Art, einem überwiegend kunsthistorischen Kursangebot. Schülerinnen und Schüler der 10. bis 13. Klasse erhalten mit der Schülergasthörerschaft erste Einblicke in die Universität und die naturwissenschaftlichen Fächer. Das kann helfen bei der späteren Studienfachwahl. Campus.leben sprach anlässlich des 20-jährigen Jubiläums mit Felicitas Wlodyga, die das Weiterbildungs-Programm entwickelt und aufgebaut hat.

Frau Wlodyga, was ist das GasthörerCard-Programm?

Dieses Angebot des Weiterbildungszentrums bietet zwei Optionen: Interessierte können entweder eine GasthörerCard Art oder eine GasthörerCard Classic erwerben. Die Classic Card bietet den Besuch von vier Vorlesungen in allen möglichen Fachbereichen an, von Physik bis Philosophie, nur die Medizin ist ausgeschlossen. Die Art Card bietet Kurse und Vorlesungen zur Kunstgeschichte an, die exklusiv für Gasthörerinnen und Gasthörer konzipiert worden sind.

Eine Besonderheit der Art Card sind die vielen Kulturpartner, mit denen wir zusammenarbeiten, darunter die Akademie der Künste, die Berlinische Galerie, das Bröhan-Museum, das Haus am Waldsee, das Georg-Kolbe-Museum, die Komische Oper Berlin, die Stiftung Schloss Neuhardenberg, das PalaisPopulaire, das Renaissance-Theater, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, die Staatlichen Museen zu Berlin und das Young Euro Classic. Inzwischen sind es 30 Partner vor allem aus der Berliner und zum Teil aus der Brandenburger Kulturszene, die für unsere Gasthörerinnen und -hörer auch Vergünstigungen anbieten.

Wie ist das Programm entstanden?

Ich hatte damals den Auftrag, ein Programm für Gasthörerinnen und Gasthörer zu konzipieren. Ich habe von Anfang an Kontakt zu den Kulturpartnern gesucht, auch um damit eine Verbindung zwischen Wissenschaft, Kultur und Bildung zu schaffen – da gibt es viele Synergieeffekte. Das zehnjährige Jubiläum haben wir in der Jesus-Christus-Kirche in Dahlem gefeiert – auch einer unserer Kulturpartner. Durch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partner-Institutionen entstehen ganz unterschiedlich gestaltete Verbindungen. Mit keinem anderen Gasthörerprogramm im deutschsprachigen Raum und auch darüber hinaus verbindet sich ein so umfassendes Kunstangebot wie mit dem GasthörerCard-Programm Art.

Was hält das Programm für Schüler bereit?

Die Schüler GasthörerCard ist ein recht kleines Angebot. Es steht Schülerinnen und Schülern offen und wurde ursprünglich für die MINT-Fächer eingerichtet. Letztlich können aber Veranstaltungen aus allen Disziplinen besucht werden.

Wie hat sich das Programm in den vergangenen Jahren weiterentwickelt?

Die Spezialisierung ist immer stärker geworden, und auch der Dozentenstamm wurde weiter ausgebaut. Mittlerweile haben wir im ART-Programmbereich rund 40 Dozentinnen und Dozenten, die in erster Linie freiberuflich arbeiten.

In diesem Semester bieten wir, neben anderen Vortragsreihen und Vorträgen, auch eine Ringvorlesung zum Thema „Geschichte als Waffe“ an. Diese Kooperation mit dem Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität läuft bereits im dritten Wintersemester. Die einzelnen Vorlesungen werden per Livestream in die Verbindungsbüros der Freien Universität in São Paolo, Moskau und Neu-Delhi gesendet.

Gibt es Pläne für die Zukunft?

Gern würden wir unseren Streaming-Radius für die Ringvorlesungen in Kooperation mit dem Friedrich-Meinecke-Institut weiter ausbauen – international, bundesweit und regional. Ich bin eine große Anhängerin davon, dieses Angebot auch im Berliner Umland weiter bekannt zu machen. Wir sind in Berlin ja sehr verwöhnt durch das kulturelle Spektrum, das die Stadt bietet – wir wollen versuchen, auch die Menschen auf dem Land stärker zu erreichen. Mittlerweile haben wir einen ersten Ansprechpartner, der die Geschichts-Ringvorlesungen in das Jagdschloss Schorfheide überträgt. Ich würde mir wünschen, dass wir diese Art der Übertragung in Zukunft auch partiell im Bereich „Kunstgeschichte“ anbieten können.

Die Fragen stellte Leon Holly