Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeitssituation?

Bis 15. Juli: zweite Befragung von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Freien Universität / Campus.leben-Interview zur „Mittelbau-Studie“ mit Doreen Forbrig und Professor Harm Kuper

03.07.2018

Zum zweiten Mal nach 2016 werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des wissenschaftlichen Mittelbaus an der Freien Universität in diesem Sommer befragt, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeitssituation sind.

Zum zweiten Mal nach 2016 werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des wissenschaftlichen Mittelbaus an der Freien Universität in diesem Sommer befragt, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeitssituation sind.
Bildquelle: David Ausserhofer

An der Freien Universität werden derzeit wieder wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihrer Arbeitssituation befragt. Die erste Befragung war vor zwei Jahren, im Sommer 2016, durchgeführt worden. Rund 2.250 Beschäftigte im wissenschaftlichen Mittelbau sind diesmal aufgerufen, bis zum 15. Juli 2018 teilzunehmen, die Einladung zur Online-Befragung haben sie per E-Mail bekommen. Campus.leben im Gespräch mit Professor Harm Kuper vom Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement der Freien Universität, und Doreen Forbrig, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich.

Frau Forbrig, Herr Professor Kuper, was ist das Ziel der „Mittelbau-Studie“?

Harm Kuper: Das wesentliche Ziel ist, die Situation der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin zu reflektieren. In der Studie werden Fragen gestellt zur Zufriedenheit mit der beruflichen Situation, den Bedingungen für wissenschaftliche Qualifizierung oder auch zur Attraktivität von beruflichen Positionen an der Freien Universität. Fundiert über die aktuelle Situation der im Mittelbau Beschäftigten Bescheid zu wissen, ist Grundlage für die Hochschulentwicklung.

Doreen Forbrig ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement der Freien Universität.

Doreen Forbrig ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement der Freien Universität.
Bildquelle: Melanie Erckrath

Doreen Forbrig: Aus Perspektive der Hochschulforschung erhoffen wir uns zudem, besser einschätzen zu können, wie Karrierechancen und -planung zusammenhängen. Welche Karrieremuster können wir identifizieren? In einem weiteren Schritt könnte man dann schauen, ob es sinnvoll sein kann, neue Unterstützungsformate oder Beratungsleistungen im Hinblick auf diese Karrieremuster zu etablieren oder bestehende zu optimieren.

Wer kann an der Befragung teilnehmen?

Doreen Forbrig: Die Studie richtet sich an den wissenschaftlichen Mittelbau der Freien Universität. Konkret sind das die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in der Promotionsphase oder -vorbereitung befinden, aber auch diejenigen, die eine Promotion bereits abgeschlossen haben. Angesprochen sind sowohl sogenannte Drittmittel- als auch Haushaltsstellenbeschäftigte, also Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der frühen Karrierephase, die befristet oder auf Dauer angestellt sind. Zudem ist explizit auch das Personal, dass überwiegend in der Lehre tätig ist – also Studienräte im Hochschuldienst, Lehrkräfte für besondere Aufgaben sowie Lektorinnen und Lektoren – aufgerufen, sich an der Befragung zu beteiligen.

Warum sollten sich wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Befragung beteiligen?

Doreen Forbrig: Für solche Studien ist Repräsentativität ein wichtiges Gütekriterium, um belastbare Aussagen treffen zu können. Wir möchten mit der Befragung ein zutreffendes Bild zur Situation dieser Gruppe an Beschäftigten an der Freien Universität erzeugen. Das kann nur gelingen, wenn sich genügend Personen an der Befragung beteiligen.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollte es im eigenen Interesse sein, die Bedingungen für die eigene Karriereplanung und Qualifikation verbessern zu wollen. Neben diesem Kerninteresse wollen wir eine weitere Motivation anbieten: Wir verlosen Buchgutscheine – und unter denjenigen, die sich an mehreren Befragungswellen beteiligen, zwei Tablets.

Harm Kuper ist Professor am Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement der Freien Universität.

Harm Kuper ist Professor am Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement der Freien Universität.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Die Studie ist 2016 zum ersten Mal erhoben worden. Was ist das Ergebnis dieser ersten Befragung?

Harm Kuper: Die erste Befragung hat für eine solide Datenbasis gesorgt. Damals hatten sich insgesamt 721 Personen beteiligt. Das entspricht einem Rücklauf von rund 30 Prozent. Anhand der Daten ließen sich bereits diverse Fragestellungen untersuchen; wir haben verschiedene Analysen auf Universitätsebene durchgeführt und haben sowohl nach Promovierenden und Postdocs unterschieden, aber auch nach Fachgruppenzugehörigkeit.

Um einige Ergebnisse herauszugreifen: Hinsichtlich der beruflichen Zufriedenheit der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat sich beispielsweise gezeigt, dass die Beschäftigten zu großen Teilen mit den Bedingungen und Inhalten der Arbeit (sehr) zufrieden sind: Besonders positiv hervorgehoben wurden die fachlichen Inhalte und die Möglichkeiten, eigene Ideen einbringen zu können sowie das positive Arbeitsklima. Weniger zufrieden zeigten sie sich mit Blick auf die Planbarkeit ihrer Beschäftigung. Bei der Untersuchung von Qualifikationsbedingungen haben wir ermittelt, dass die Befragten, die sich in der Promotionsphase befinden, durchschnittlich 18 Stunden pro Woche für ihre eigene Qualifikation aufbringen. Bei diesem Durchschnittswert muss jedoch berücksichtigt werden, dass individuelle Werte zum Teil stark abweichen können und die aufgewendete Zeit nicht zwangsläufig im Rahmen der bezahlten Arbeitszeit liegt.

Unterschiede zwischen Fachgruppen haben sich unter anderem in den beruflichen Zielen gezeigt. Über alle Fächer hinweg gaben 40 Prozent der Promovierenden an, nach Abschluss der Promotion in der Wissenschaft bleiben zu wollen. Das betraf vor allem die Promovierenden in den Geistes- und Kulturwissenschaften: Dort wollten Zweidrittel ihre wissenschaftliche Karriere weiterverfolgen. Unter den Befragten in den Rechtswissenschaften war der Anteil geringer. Zusammen mit den Daten der aktuellen Befragung wollen wir genauer untersuchen, wie sich die beruflichen Ziele im Verlauf der Promotionsphase wandeln.

Was ist bei der aktuellen Studie neu?

Harm Kuper: Im Zuge der strategischen Partnerschaft, die die Freie Universität im April 2017 mit der Universität Zürich geschlossen hat, konnten wir in diesem Jahr eine wertvolle Forschungskooperation schließen. Konkret bedeutet das, dass zeitgleich zu der Befragung an der Freien Universität auch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Partneruniversität zu denselben Themen befragt werden. Die simultane Datenerhebung an der Universität Zürich wird gesondert von dort tätigen Kolleginnen und Kollegen um Professor Hans-Dieter Daniel durchgeführt.

Das Ziel der Zusammenarbeit ist die Erweiterung des gemeinsamen Wissens über förderliche Strukturen für die Karriereplanung von wissenschaftlichen Nachwuchskräften. Durch die Doppelbefragung lassen sich hochschulspezifische Faktoren, aber auch Rahmenbedingungen des nationalen Wissenschaftssystems berücksichtigen, die das Karriereverhalten in einem beruflich unsicheren Umfeld möglicherweise beeinflussen.

Die Kooperation mit der Universität Zürich bietet sich in besonderer Weise an: Einerseits ähnelt das Wissenschaftssystem in der Deutschschweiz dem bundesdeutschen in zentralen Merkmalen. Andererseits sind die Rahmenbedingungen für Wissenschaftskarrieren hinreichend verschieden, um interessante Erkenntnisse für die Erklärung des Karriereverhaltens von wissenschaftlichen Nachwuchskräften liefern zu können. Das gilt beispielsweise für den Grad an hochschulischer Autonomie hinsichtlich der Gestaltung der Beschäftigungsbedingungen, die Bedeutsamkeit des außeruniversitären Forschungsbereichs als Teil des potenziellen Arbeitsmarktes oder das Maß an Internationalisierung im Wissenschaftssystem.

Wie geht es nach Abschluss der Befragung weiter?

Harm Kuper: Dann wollen wir natürlich so schnell wie möglich mit den Daten arbeiten. Die Ergebnisse werden zum einen in verschiedenen Berichten zusammengefasst und zum anderen in universitären Gremien wie dem Akademischen Senat diskutiert. Weiterhin streben wir mit unseren Schweizer Kolleginnen und Kollegen Publikationen in sozialwissenschaftlichen Fachzeitschriften an.

Doreen Forbrig: Im Herbst 2019 wird zum Abschluss des der Mittelbau-Studie an der Freien Universität noch eine Folgebefragung durchgeführt. Diese Befragung richtet sich dann an Personen, die bis dahin die Freie Universität verlassen haben und dient der Klärung mehrerer Fragen: Zum einen soll Aufschluss gegeben werden, wo die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freien Universität Berlin nach Ende ihres Beschäftigungsverhältnisses bzw. nach Beendigung ihrer Qualifikation verbleiben. Zum anderen soll untersucht werden, wie sich der Übergang in ein neues Beschäftigungsverhältnis oder gegebenenfalls die Selbstständigkeit gestaltet.

Die Fragen stellte Marina Kosmalla

Weitere Informationen

Die Mittelbau-Studie wird durchgeführt von Professor Harm Kuper und Doreen Forbrig, beide tätig am Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement des Fachbereichs Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin.