Eine dichtende Botanikerin

Die Prosaautorin und Lyrikerin Marion Poschmann ist mit dem Berliner Literaturpreis 2018 ausgezeichnet und von der Freien Universität auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung berufen worden

19.02.2018

M. Poschmann mit (v.l.n.r.) W. Rasch, Vorstandsvor. Stiftung Preußische Seehandlung, Prof. Dr. M. Erhardt, Stellv. Vorstandsvors., Regierender Bürgermeister M. Müller, Vizepräs. Prof. Dr. K. Mühlhahn und Dr. T. Wohlfahrt, Lt. des Hauses für Poesie.

M. Poschmann mit (v.l.n.r.) W. Rasch, Vorstandsvor. Stiftung Preußische Seehandlung, Prof. Dr. M. Erhardt, Stellv. Vorstandsvors., Regierender Bürgermeister M. Müller, Vizepräs. Prof. Dr. K. Mühlhahn und Dr. T. Wohlfahrt, Lt. des Hauses für Poesie.
Bildquelle: Stephan Töpper

Mehrfachbegabungen sind von Vorteil, auch für Lyrikerinnen. Marion Poschmann sei nicht nur Schriftstellerin, sondern auch „kenntnisreiche Botanikerin“, wie ihr Thomas Wohlfahrt in seiner Laudatio bescheinigte. „Dem in Deutschland so lange abschätzig betrachteten Genre der Naturlyrik neuen Atem gegeben zu haben, das ist eines der Verdienste von Marion Poschmann“, sagte der Leiter des Hauses für Poesie. Inspiriert von Poschmanns Faszination für Flora und Fauna, zog Wohlfahrt Parallelen zwischen Dichtung und Gartenkunst und bezog sich hierbei auf Gedanken des Philosophen Christian Illies – dass nämlich Garten nur möglich sei, wenn die Gesetze von Natur, vom Sein und Werden akzeptiert seien. Poschmann mache in ihrem Schreiben sichtbar, was kaum wahrzunehmen, aber immer da sei. Dass die Botanik eine gute Schule für das Dichten sei, beweise die Preisträgerin.

Drei Romane hat Marion Poschmann bisher veröffentlicht, vier Gedichtbände, eine Novelle und mehre Essays. Ihr letzter Roman „Die Kieferninseln“ stand im vergangenen Jahr auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Die im Ruhrgebiet geborene Autorin kam 1992 nach Berlin, um ihr Studium der Germanistik, Philosophie und Slawistik an der Freien Universität zu beenden. „Insgeheim hatte ich aber den Wunsch, hier eine Laufbahn als Schriftstellerin zu beginnen“, gestand sie an diesem Abend.

Mit der Auszeichnung des Berliner Literaturpreises ist Marion Poschmann gleichzeitig auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung an der Freien Universität berufen worden.

Mit der Auszeichnung des Berliner Literaturpreises ist Marion Poschmann gleichzeitig auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung an der Freien Universität berufen worden.
Bildquelle: Stephan Töpper

„Ich freue mich, dass Marion Poschmann durch diesen Preis an ihre Alma Mater zurückkehrt“, sagte der Vizepräsident der Freien Universität, Professor Klaus Mühlhahn, in seiner Rede. Poschmann wird als Gastprofessorin im kommenden Sommersemester ihr Wissen und ihre Erfahrung an junge Studierende aus Berlin und Brandenburg in einer literarischen Werkstatt am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft weitergeben. „Das Miteinander von Kunst und Erkenntnis ist kennzeichnend für eine Universität und für eine vitale, kreative Zivilgesellschaft“, sagte Mühlhahn.

Poschmann beschäftigte sich zuletzt unter anderem mit ostasiatischen Lebenswelten, der Philosophie des Zen und der japanischen Teezeremonie – dazu passte das musikalische Begleitprogramm des Abends des „Ensemble Adapter“: mehr Klang als Musik, erzeugt durch Vibraphon und Almglocken, durch Harfe, Schlagzeug und Elektronik. Auch die offizielle Preisverleihung bot ein besonderes Bild: Fast ehrfürchtig, demütig und nachdenklich wirkte Poschmann, als der Regierende Bürgermeister Berlins und Vorsitzende des Rates der Stiftung Preußische Seehandlung Michael Müller die Jurybegründung verlas. Ganz so, als spiegelte sie das Verlesene in ihrem Äußeren: „Marion Poschmann gestaltet ihre Texte in einer Sprache, die ruhig, besonnen, feinsinnig und voller verblüffender Details ist.“

Müller schlug die Brücke zwischen den zeitlos anmutenden Naturbetrachtungen in Poschmanns Texten und dem oftmals nüchternen Alltag. „Wir leben in einer Zeit, deren Deutung nicht immer leichtfällt. In diesen Zeiten hilft uns die Literatur, Unsicherheit und Widersprüche besser zu erfassen, sie fördert Einfühlungsvermögen und schärft den analytischen Blick.“

Jedoch nicht nur der harte Stoff wie etwa Tagespolitik trage zur präzisieren Wahrnehmung bei, das werde an Marion Poschmanns Texten deutlich, sondern auch poetische Betrachtungen von Mond, Wolken und Himmel. „Dass Marion Poschmann in der Nachbarschaft einer Großbaustelle Naturgedichte schreiben kann, zeigt, dass auch eine Metropole wie Berlin ein fruchtbarer Ort ist, um über die Natur nachzudenken“, sagte Michael Müller.

Am 25. April wird die Autorin ihre Antrittsvorlesung an der Freien Universität halten, das Thema: „Wappentier Qualle. Zur Poetik des Bildes“. Ein Stoff, der ganz zu ihrem bisherigen Schaffen passt: Er verspricht Witz und ungewohnte gedankliche Verknüpfungen von Bekanntem.

Weitere Informationen

Die Antrittsvorlesung mit dem Titel "Wappentier Qualle. Zur Poetik des Bildes" findet am 25. April um 18 Uhr statt (Raum L 116, Seminarzentrum Freie Universität).