Gleichstellung ist nicht selbstverständlich

Bewerbungsfrist 1. Mai: Ausschreibung für die Internationale Gastprofessur für Geschlechterforschung an der Freien Universität im Wintersemester 2017/18

21.03.2017

Noch immer kämpfen Frauen auf der ganzen Welt für Gleichberechtigung

Noch immer kämpfen Frauen auf der ganzen Welt für Gleichberechtigung
Bildquelle: Ant Smith via Flickr / CC BY-NC 2.0

Die Gastprofessur „Dahlem International Network Professorship for Gender Studies“ wird jährlich an eine herausragende Wissenschaftlerin oder einen herausragenden Wissenschaftler aus dem Ausland auf dem Gebiet der Geschlechterforschung vergeben. Die Gäste sollen die Forschung an der Freien Universität Berlin um eine internationale Perspektive bereichern, ihr Wissen und ihre Erfahrung in konkrete Forschungsprojekte einbringen. Ein Gespräch mit Eun-Jeung Lee, Professorin für Koreanistik und Leiterin des Instituts für Koreastudien der Freien Universität, die die letzte Gastprofessorin Pilwha Chang, eine Pionierin der Frauen- und Geschlechterforschung in Ostasien, nominiert hatte.

Eun-Jeung Lee, Professorin für Koreanistik und Leiterin des Instituts für Koreastudien der Freien Universität

Eun-Jeung Lee, Professorin für Koreanistik und Leiterin des Instituts für Koreastudien der Freien Universität

Frau Professorin Lee, im Wintersemester 2016/17 war Pilwha Chang bei Ihnen am Institut zu Gast. Was hat ihr Aufenthalt bewirkt?

Sie hat sich auf allen Ebenen eingebracht: Im Bachelor-Studiengang hat sie ein Seminar zu Frauen in Asien unterrichtet – das Interesse der Studierenden war enorm. Pilwha Chang hat eine ganz andere Art zu lehren, als es Studierende in Deutschland gewohnt sind, und bringt eine neue Perspektive auf das Thema mit. Sie hat das Fach Women Studies in Korea aufgebaut und lange Zeit an der Ewha Womans University gelehrt. Außerdem hat sie einen öffentlichen Vortrag gehalten und an vielen Veranstaltungen teilgenommen. Für uns Forscherinnen und Forscher war es toll, Pilwha Chang hier zu haben. Dadurch hatten wir die Gelegenheit, das Thema Gender zu vertiefen und unser Netzwerk in diesem Bereich auszubauen. Unsere Gespräche werden mir fehlen.

Chancengleichheit für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studentinnen und Studenten sind im Selbstverständnis der Freien Universität fest verankert. Mit ihrer erfolgreichen Gleichstellungspolitik steht sie an der Spitze der deutschen Universitäten. Ist eine spezielle Gastprofessur für Geschlechterforschung überhaupt noch notwendig?

Ja, immer noch – leider. Auch wenn wir zu einer Generation gehören, die nicht mehr für elementare Ziele der Geschlechtergerechtigkeit kämpfen musste, völlige Gleichstellung gibt es immer noch nicht. Das kann man zum Beispiel an der Sprache erkennen. Wenn ich meine Studierenden darauf aufmerksam mache, dass sie unbewusst das generische Maskulinum verwenden, also eine männliche Wortendung, auch wenn männliche und weibliche Personen gemeint sind, fangen doch viele an, darüber nachzudenken, was sie als selbstverständlich akzeptieren. Deshalb brauchen wir Einrichtungen wie diese Gastprofessur weiterhin. Pilwha Chang hat einmal gesagt, ihr Ziel sei es, die Women Studies überflüssig zu machen. Bisher sei ihr das aber nicht gelungen, und sie glaube auch nicht daran, das noch zu erleben.

Die Bewerbung für die Gastprofessur muss von einer Professorin oder einem Professor der Freien Universität ausgehen. Welche Projekte und Institute profitieren von diesem Austausch?

Die Gastwissenschaftlerin oder der Gastwissenschaftler kann einen ganz neuen Anstoß in den Forschungsalltag bringen – in jedem Fachgebiet. Pilwha Chang verfügt beispielsweise über ein großes Netzwerk im Bereich Gender- und Frauenforschung in ganz Asien und konnte uns so viele Türen öffnen. Dadurch konnten wir bereits im Januar Genderforscherinnen und -forscher aus Korea zu zwei Wochenendseminaren einladen.

Hat Pilwha Chang im Gegenzug auch etwas für sich aus der Gastprofessur mitnehmen können?

Für sie war es spannend, die Diskussionen zur Geschlechterforschung in Deutschland und an der Freien Universität aus nächster Nähe zu verfolgen. Besonders beeindruckt war sie aber zu meiner Überraschung von etwas anderem: vom Nachhaltigkeitsleitbild der Freien Universität, das die Hochschule in ihrem Profil verankert hat. Nachhaltigkeit aus Genderperspektive ist einer der Forschungsschwerpunkte von Pilwha Chang. Überrascht war sie vor allem darüber, wie viele Kosten durch bewussten Umgang mit Energie gespart werden können. Für diese Idee – und die Freie Universität als Best-Practice- Beispiel – möchte sie jetzt auch in Korea und in Asien insgesamt werben.

Die Fragen stellte Marina Kosmalla

Weitere Informationen

Die Gastprofessur „Dahlem International Network Professorship for Gender Studies“ wird im Rahmen des Zukunftskonzepts seit 2013 jährlich ausgeschrieben und an eine herausragende Wissenschaftlerin oder einen herausragenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet aus dem Ausland vergeben. Die Professur unterstützt die Aktivitäten zur Verstärkung der internationalen Ausrichtung der Geschlechterforschung an der Freien Universität.

Im Wintersemester 2013/14 wurde sie mit der kanadischen Politikwissenschaftlerin und Lateinamerika-Expertin Prof. Dr. Verónica Schild von Western University London, Ontario, erstmals besetzt. Außerdem hatten die iranische Archäologin Leila Papoli Yazdi und die rumänische Gesundheitsexpertin Irina Catrinel Crăciun die Professur inne.

Die aktuelle Ausschreibung wurde hier veröffentlicht. Die Nominierungsfrist endet am 1. Mai 2017.