Abenteuer Storchenreise

49 Berliner Schulklassen kamen zum Herbstdurchgang der SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz an die Freie Universität

02.11.2017

Was erlebt ein Storch auf der Reise in sein Winterquartier?

Was erlebt ein Storch auf der Reise in sein Winterquartier?
Bildquelle: Jonas Huggins

„Ich hätte nicht gedacht, dass ein Storchennest ganze zwei Meter groß ist“, sagte Marit. Die zehnjährige Schülerin des Emmy-Noether-Gymnasiums in Köpenick hat mit ihrer Klasse an der SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz der Freien Universität Berlin teilgenommen. Die Fünftklässler „begleiteten“ in kleinen Gruppen die Störche auf ihrem Weg von Deutschland in ihr Winterquartier im Süden. Wohin die Reise führt, wussten sie zu Beginn noch nicht: In jedem Land, das sie durchquerten, mussten sie eine kleine Aufgabe bewältigen, um herauszufinden, wie der Flug weitergeht.

Zu Beginn versuchte eine Gruppe, auf zehn Meter Entfernung mit Ferngläsern einen Code aus Zahlen und Buchstaben auf einem Markierungsring zu lesen, mit dem Naturschützer viele der Weißstörche versehen. Eine andere Gruppe baute Papierflieger, um den Gleitflug der Störche nachzuahmen. Auf der Storchenreise lernten die Schülerinnen und Schüler spielerisch den weiten Vogelzug der in Deutschland brütenden Störche kennen – und die ökologischen und sozialen Probleme, mit denen die Vögel auf ihrem Weg konfrontiert sind. Strommasten sind beispielsweise eine Bedrohung für die Vögel, die sich darin verheddern und an Stromschlägen sterben können. Um diese Station zu überstehen, mussten die Schüler durch ein kompliziertes Geflecht aus Seilen kletterten, ohne diese zu berühren. Im Sudan ist es dagegen Wasserknappheit, die zur Gefahr wird. Hier beschmutzten sich die Kinder zunächst die Hände mit Sand und Erde und versuchten danach, sie mit möglichst wenig Wasser wieder sauber zu waschen.

Welche Länder durchreisen die Vögel? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler des Köpenicker Emmy-Noether-Gymnasiums, die zur SchülerUni an die Freie Universität gekommen waren.

Welche Länder durchreisen die Vögel? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler des Köpenicker Emmy-Noether-Gymnasiums, die zur SchülerUni an die Freie Universität gekommen waren.
Bildquelle: Jonas Huggins

Die Storchenreise ist ein Beispiel für Bildung für nachhaltige Entwicklung und wird von der Naturschutzjugend (NAJU), der Kinder- und Jugendorganisation des Naturschutzbundes (NABU), in ganz Deutschland durchgeführt. Erfunden hat das lehrreiche Spiel Meike Lechler, die es auch bei der SchülerUni angeleitet hat: Zu Beginn stellte sie Quizfragen rund um den Storch und erklärte den Kindern die Spielregeln. Anschließend musste sie lediglich hin und wieder Tipps geben, während sich die Schülergruppen von Station zu Station bewegten. „Es ist sehr schön zu sehen, wie die Kinder sich für die spielerischen Herausforderungen begeistern können“, sagte Meike Lechler. Die Storchenreise ist aus ihrer Masterarbeit in „Umwelt und Bildung“ hervorgegangen, die sie vor mehr als zehn Jahren an der Universität Rostock vervollständigte. Lechler freut sich, dass ihre Idee nun so erfolgreich in die Praxis umgesetzt wird – seit diesem Jahr auch im Rahmen der SchülerUni der Freien Universität.

Mit welchem Zahlen- und Buchstabencode auf einem Markierungsring versehen Naturschützer viele Weißstörche?

Mit welchem Zahlen- und Buchstabencode auf einem Markierungsring versehen Naturschützer viele Weißstörche?
Bildquelle: Jonas Huggins

Die ersten Kurse für Schülerinnen und Schüler über Energie und Klima hat das Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität bereits 2005 veranstaltet. In der heutigen Form existiert die SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz seit sechs Jahren. Jeden Frühling und Herbst können bis zu 50 Schulklassen an bis zu 80 Workshops mitmachen und so auf dem Campus der Freien Universität Berlin spannende Projekte rund um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz erleben. Auch eine Fortbildung für Lehrer, die sie in den Wochen zuvor absolvieren, gehört zum Programm. Die SchülerUni ist mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem als offizielles Projekt der UN-Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung. Eine Reihe von Unterstützern, darunter die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die GASAG AG, die Berliner Stadtreinigung (BSR), die Berliner Wasserbetriebe und die Freie Universität, ermöglichen es dem Forschungszentrum für Umweltpolitik, alle Kurse kostenlos anzubieten.

Das Programm umfasst eine facettenreiche Vielfalt zum Themenbereich Nachhaltigkeit + Klimaschutz. In diesem September etwa drehten Schüler Stop-Motion-Filme zum Thema Wasserknappheit, besuchten einen Kurs über das Bienensterben und lernten, wie sie selbst Bioenergie herstellen können.

Neben dem Beantworten von Wissensfragen...

Neben dem Beantworten von Wissensfragen...
Bildquelle: Jonas Huggins

... ging es auch um Geschicklichkeit: beim Nestbau.

... ging es auch um Geschicklichkeit: beim Nestbau.
Bildquelle: Jonas Huggins

„Der Tag heute hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagte Benno Farries, Lehrer am Emmy-Noether-Gymnasium. „Auch wenn wir dafür genauso lange unterwegs sind, wie vor Ort.“ Er hatte seine Schulklasse für die Storchenreise angemeldet, obwohl sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pro Richtung gut zwei Stunden benötigt, um vom Köpenicker Gymnasium an die Freie Universität nach Dahlem zu fahren. Die Klasse, die der Lehrer erst kürzlich übernommen hat, legt einen besonderen Fokus auf die Naturwissenschaften; gleichzeitig ist Nachhaltigkeit für das Gymnasium, das als Berliner Klima Schule ausgezeichnet ist, ein wichtiges Thema. Den Kindern hätten die vielen verschiedenen Aufgaben sichtlich Spaß gemacht und sie hätten viel gelernt, sagt Benno Farries: „Sie nehmen hier viel mehr mit, als wenn wir das Thema trocken in der Schule durchnehmen würden.“