Von Doktoranden für Doktoranden

Rund 40 Promovierende stellten bei einem Symposium einander ihre Forschungsarbeiten vor – ein Format, das sich seit zehn Jahren bewährt

16.10.2017

Mitglieder des Organisationsteams (v.l.n.r.): Soroush Sharbati, De Xi, Katharina Hohlbaum, Eva-Maria Löken, Gerzon Motola, Angela Daberkow, Giuliano Corte.

Mitglieder des Organisationsteams (v.l.n.r.): Soroush Sharbati, De Xi, Katharina Hohlbaum, Eva-Maria Löken, Gerzon Motola, Angela Daberkow, Giuliano Corte.
Bildquelle: Karine E. Lason / Schlütersche Verlag

Kurz bevor Alexandra Damerau ans Sprecherpult tritt, ist sie noch etwas nervös. Es ist erst das zweite Mal, dass sie ihr Dissertationsthema vor einem wissenschaftlichen Kollegium präsentiert. Die Biotechnologin ist im ersten Promotionsjahr und forscht zur Volkskrankheit Arthritis. „Obwohl Arthritis sehr häufig auftritt, sind die Entstehungsursachen bis heute nicht geklärt. Meine Forschungsgruppe versucht, mithilfe eines alternativen Verfahrens mehr über die Ursachen der Krankheit herauszufinden und auf längere Sicht einen neuen Therapieansatz zu entwickeln“, sagt Damerau.

Nach dem Vortrag ist die Anspannung wie weggeblasen, und Alexandra Damerau kommt mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch. „Ich finde den Austausch unter Doktoranden hier wirklich toll und würde sofort wieder am Symposium teilnehmen, es vielleicht sogar mitorganisieren.“

Alexandra Damerau präsentierte ihr Dissertationsthema zum zweiten Mal vor einem wissenschaftlichen Kollegium – und war vorher immer noch nervös.

Alexandra Damerau präsentierte ihr Dissertationsthema zum zweiten Mal vor einem wissenschaftlichen Kollegium – und war vorher immer noch nervös.
Bildquelle: Nora Lessing

Unter dem Motto „Von Doktoranden für Doktoranden“ stellten schon zum zehnten Mal in Folge Berliner Promovierende in Kurzvorträgen und Poster-Präsentationen ihre Projekte vor: aus den Fächern Biologie, Chemie, Physik sowie der Human- und Tiermedizin. Sie erörterten offene Fragen, sprachen über methodische Fallstricke und interdisziplinäre Anknüpfungspunkte. Wie steht es um Tierversuche und mögliche Alternativen? Wie wirkt sich der Einsatz von Glyphosat auf Tier und Mensch aus? Das waren nur zwei der Fragen, die im Rahmen des Symposiums diskutiert wurden. Organisiert hatte es ein neunköpfiges Doktorandenteam des Promotionsstudiums Biomedical Sciences der Dahlem Research School (DRS) der Freien Universität Berlin. Das Besondere an der Veranstaltung: Im Gegensatz zu anderen Konferenzformaten fungiert das Symposium als geschützter Raum, in dem junge Forscherinnen und Forscher üben können, ihre Projekte vor einem größeren Publikum zu präsentieren und sich miteinander zu vernetzen.

Über den Fachbereich hinaus schauen

Das Doktorandensymposium fand bereits zum zehnten Mal statt.

Das Doktorandensymposium fand bereits zum zehnten Mal statt.
Bildquelle: Nora Lessing

Giuliano Corte promoviert am Institut für Veterinär-Anatomie der Freien Universität, er gehört in diesem Jahr schon zum zweiten Mal zum Organisationsteam. Mit Katharina Hohlbaum und Moritz Pfeiffenberger vom Institut für Tierschutz, Tierverhalten und Versuchstierkunde – beide sind ebenfalls im Organisationsteam – forscht er im Rahmen des Graduiertenkollegs Berlin-Brandenburger Forschungsplattform BB3R an Alternativmethoden zu Tierversuchen. „Das Symposium ist eine tolle Möglichkeit, sich kennenzulernen und auszutauschen“, sagt Corte. „Sonst verbringt man die meiste Zeit im Labor und hat kaum Gelegenheit, auch in andere Fachbereiche reinzuschauen.“ Die Zeit für die Veranstaltungsorganisation investieren er und seine Mitstreiter daher gerne. Der Austausch mit anderen Doktoranden helfe, sich mit seinem Projekt und auftauchenden Problemen nicht allein zu fühlen und neue Perspektiven auf die eigene Forschung zu entwickeln. „In der Wissenschaft sind interdisziplinäre Zusammenarbeit und gute Vernetzung das A und O“, sagt Corte.

Auf das Wesentliche konzentrieren

Nach den Vorträgen nutzten die Doktoranden die Gelegenheit, sich auch über die Institutsgrenzen hinweg besser kennenzulernen.

Nach den Vorträgen nutzten die Doktoranden die Gelegenheit, sich auch über die Institutsgrenzen hinweg besser kennenzulernen.
Bildquelle: Nora Lessing

Nach der Begrüßung am frühen Morgen starteten auch schon die ersten Vorträge. Gerade einmal sieben Minuten standen dabei jedem Promovenden zur Verfügung, um sein Thema zu vermitteln. „Bei Kongressen läuft das ähnlich“, sagt Giuliano Corte. „Es ist verpönt, die Redezeit zu überschreiten. Man wird meist kurz vorgewarnt, und wenn man dann immer noch nicht fertig ist, kann es auch mal vorkommen, dass knallhart das Mikrofon abgedreht wird.“

Noch knapper war die Zeit bei den Poster-Präsentationen: Hier hatten die Nachwuchsforscherinnen und -forscher nur anderthalb Minuten Zeit, ihr Thema vorzustellen – anhand eines Posters, auf dem mehr als kurze Erläuterungen zu Thema, Methodik und Ergebnissen keinen Platz fanden. „Was wir damit erreichen wollten, ist, dass wir uns beim Vortrag auf das Wesentliche konzentrieren“, sagt Corte. Wie schwer das ist, weiß der Veterinär nur allzu gut: „Ausgerechnet ich selbst habe heute Morgen bei meiner Präsentation leicht überzogen.“

„Die Vorbereitung für das Symposium hat ungefähr ein halbes Jahr gedauert“, sagt Katharina Hohlbaum. „Wir haben vier Teams zusammengestellt: Eines kümmerte sich um die Anmeldungen, ein anderes um das Programm und die Kurzbeschreibungen der Projekte, die gesammelt, lektoriert und in einem Abstractband veröffentlicht wurden.“ Zwei weitere Teams waren für das Catering und das Einwerben der benötigten Finanzmitteln zuständig. „So ist es auch bei anderen Veranstaltungen“, sagt Hohlbaum. „Man muss externe Gelder einwerben, um so etwas zu realisieren. In unserem Fall kam das Geld von der Berliner Tierärztlichen Gesellschaft, von wissenschaftlichen Verlagen und aus der Industrie.“

Netzwerken bis in die Abendstunden

Den Preis für den besten Vortrag erhielt Stephanie Albrecht von Moritz Pfeiffenberger überreicht.

Den Preis für den besten Vortrag erhielt Stephanie Albrecht von Moritz Pfeiffenberger überreicht.
Bildquelle: Karine E. Lason / Schlütersche Verlag

Mit der finanziellen Unterstützung eines Fachverlages wurde zudem eine Preisverleihung organisiert. Auf einem Stimmzettel konnten die Doktoranden ihren persönlichen Highlight-Vortrag und ihre Highlight-Poster-Präsentation angeben. Die drei mit den meisten Stimmen in jeder Kategorie gewannen jeweils einen Büchergutschein. „Um den persönlichen Austausch zu fördern, haben wir für den Abend unter anderem einen DJ und eine mobile Cocktailbar organisiert“, sagt Moritz Pfeiffenberger. Seine Erfahrung: „Die besten Ideen entstehen immer bei einem Glas Wein.“