Zwischen Freiheit und Unterdrückung

Eine Summer School an der Freien Universität hat sich mit Mediensystemen im arabischen Raum befasst

07.08.2017

Katharina Wischmeyer (re.) und Sarah El-Richani (li.) beim Interview.

Katharina Wischmeyer (re.) und Sarah El-Richani (li.) beim Interview.
Bildquelle: Manuel Krane

Wenn in Deutschland von arabischen Medien die Rede ist, dann geht es in der Regel um den Sender Al-Jazeera. Damit scheint das Wissen meist erschöpft, vielmehr ist nicht bekannt über Mediensysteme im Nahen Osten. „Als mich Studierende in meinen Seminaren nach Informationen zu dem Thema gefragt haben, musste ich feststellen, dass es dazu sehr wenig Material gibt“, sagt Carola Richter, Professorin für Internationale Kommunikation und Kommunikationswissenschaft. Sie hat daraufhin eine Lernplattform entwickelt, auf der Informationen zu Medien und Mediensystemen in den arabischen Ländern zusammengetragen werden. Das Material für diese Plattform ist bei einer Summer School entstanden, bei der kürzlich 49 deutsche und arabische Studierende in Dahlem zusammengekommen sind.

Eine von ihnen ist Katharina Wischmeyer. Die Masterstudentin im zweiten Semester des Studiengangs „Medien und Politische Kommunikation“ hat sich bei der Summer School mit dem Mediensystem im Libanon beschäftigt. In ihrer Gruppe waren auch libanesische Studierende, denn bei der Summer School sollte es darum gehen, voneinander zu lernen. Gemeinsam haben die Studierenden ein Interview-Konzept entwickelt, passende Gesprächspartner gesucht und ein Storyboard geschrieben.

Vorbereitungen für das Interview zwischen Katharina Wischmeyer und Sarah El-Richani.

Vorbereitungen für das Interview zwischen Katharina Wischmeyer und Sarah El-Richani.
Bildquelle: Manuel Krane

Nach einer Woche intensiver Vorbereitung stand am letzten Tag der Summer School ein Interview auf dem Programm. Pro Gruppe gab es dabei ein bis zwei Interviewpartner. Katharina Wischmeyers Gesprächspartnerin war die promovierte libanesische Kommunikationswissenschaftlerin Sarah El-Richani von der University of Oxford. Im Libanon seien Medien in der Regel bestimmten politischen Gruppierungen zuzuordnen, erläutert die Wissenschaftlerin, so habe etwa auch die Hisbollah ihren eigenen Fernsehsender. „Es gibt aber auch Kanäle, die die Verbindung von Parteien und Medien zu durchbrechen versuchen“, erklärt El-Richani. „Wir haben eine relative Freiheit in unserem System, die Medien werden nicht so stark kontrolliert wie in anderen arabischen Ländern“, sagt sie. Grundsätzlich gebe es Beschränkungen und insgesamt herrsche mehr Unterdrückung als Pressefreiheit, sagt El-Richani.

Die Nutzung journalistischer Medien wie Tageszeitungen oder Online-Portale unterscheide sich im Libanon nicht wesentlich von der in Deutschland, die Menschen seien Medien gegenüber aber insgesamt etwas skeptischer eingestellt, sagt sie abschließend: „Das rührt von der Erfahrung, dass Zeitungen und Fernsehsender für politische Zwecke missbraucht werden.“

Knapp zehn Minuten lang ist das Gespräch, das Katharina Wischmeyer mit Sarah El-Richani geführt hat. Es wird mit den anderen Interviews auf der Online-Plattform in englischer Sprache zur Verfügung gestellt und soll Studierenden aus aller Welt helfen, das arabische Mediensystem zu verstehen. Während Wischmeyer sich in ihrer Gruppe mit dem Libanon befasst hat, haben andere Gruppen sich mit den Mediensystemen anderer arabischer Länder befasst.

Die Studentin hat viel gelernt: „Ich hätte beispielsweise nicht gedacht, wie stark konfessionell ein Mediensystem orientiert sein kann.“ Auch Sarah El-Richani zeigt sich zufrieden: „Das ist ein tolles Projekt“, sagt El-Richani, „ich freue mich, dazu beitragen zu können.“ Auch für Carola Richter war die Summer School ein Erfolg: „Die Studierenden haben jetzt auch eine neue Perspektive auf die Mediensysteme ihrer Heimatländer.“ Darüber hinaus sei der Aufbau der Online-Plattform durch die Summer School entscheidend vorangekommen. „Das Material werden wir schon bald in unseren Lehrveranstaltungen einsetzen können“, sagt Richter, „damit unsere Studierenden mehr kennen als nur Al-Jazeera.“