Junge Künstlerinnen und Künstler aus Indien stellen in der Kleinen Humboldt-Galerie aus

20. Juni, 19 Uhr: Vernissage der Ausstellung „Common Ground #3“ / Studierende der Freien Universität und der Humboldt-Universität haben die Schau gemeinsam kuratiert

16.06.2017

Die Künstlerin Poonam Jain (li.) mit Rebecca John (re.) von der Kleinen Humboldt-Galerie beim Aufbau der Ausstellung.

Die Künstlerin Poonam Jain (li.) mit Rebecca John (re.) von der Kleinen Humboldt-Galerie beim Aufbau der Ausstellung.
Bildquelle: Daniel Rodríguez / Kleine Humboldt-Galerie

„Die Kunstgeschichte in Deutschland ist fokussiert auf einen europäischen und nordamerikanischen Kanon, der selten hinterfragt wird“, sagt die Studentin der Kunstgeschichte Rebecca John. Kunst außerhalb dieses Zentrums– ob frühere oder zeitgenössische – werde dabei kaum wahrgenommen. Um zeitgenössischer Kunst aus Indien ein Forum zu geben, hat sie gemeinsam mit Studierenden der Freien Universität und der Humboldt-Universität die Ausstellung „Common Ground #3“ kuratiert, die von Dienstag, den 20. Juni an in der Kleinen Humboldt-Galerie zu sehen ist. Die Ausstellung zeigt Werke von Yogesh Barve, Ragini Bhow, Nihaal Faizal, Oliver Husain, Poonam Jain und Tara Kelton. Campus.leben sprach im Vorfeld der Eröffnung mit Rebecca John.

Frau John, wie ist die Idee zu der Ausstellung entstanden?

Da gab es mehrere Anstoßpunkte. Ich habe Kunstgeschichte studiert, in Deutschland, Frankreich und Indien, und den Eindruck gewonnen, dass der in Deutschland und Frankreich gelehrte Kanon europäischer Kunstgeschichte selten hinterfragt wird. Es gibt zwar Ausnahmen – die Freie Universität gehört mit dem Masterstudiengang „Kunstgeschichte im globalen Kontext“ dazu –, insgesamt wird in unserem Fach aber leider noch recht selten über den europäischen Tellerrand geschaut. Die europäische Kunstgeschichte wird kaum in ein Verhältnis gesetzt zu der anderer Länder und Kontinente. Und wenn doch, dann oft in gedachten nationalen Einheiten. Ich hatte bei meiner Auseinandersetzung mit der Kunstszene in Indien den Eindruck, dass die Fragen, mit denen sich die Künstlerinnen und Künstler dort beschäftigen, im Grunde ähnliche sind wie in Europa. Wir wollten indische Kunst nicht als „exotisch“ oder „anders“ darstellen, sondern die gemeinsame Grundlage betonen. So ist die Idee zu „Common Ground“ entstanden.

Viktor Hömpler von der Kleinen Humboldt-Galerie beim Aufbau der Ausstellung.

Viktor Hömpler von der Kleinen Humboldt-Galerie beim Aufbau der Ausstellung.
Bildquelle: Daniel Rodríguez / Kleine Humboldt-Galerie

Bei der jetzigen Ausstellung handelt es sich um die dritte Ausgabe einer Reihe – es hat bereits zwei Vorläufer in Indien gegeben.

Genau. Während meines Masterstudiums habe ich zwei Semester in Delhi studiert, und dort ist auch der Gedanke aufgekommen, eine gemeinsame Ausstellung in Berlin zu machen. Einer der beteiligten Künstler, Nihaal Faizal, hatte dann die Idee, bereits in Indien mit der Ausstellung zu beginnen und so eine Serie entstehen zu lassen. In einer ersten Ausstellung haben drei Künstlerinnen und Künstler aus Mumbai in der südindischen Stadt Bangalore ausgestellt. Nur eine Woche später haben drei Künstler aus Bangalore in Mumbai ausgestellt. So haben wir zunächst diese sechs Kunstschaffenden zusammengebracht, die sich vorher nicht kannten. In Berlin werden die sechs zum ersten Mal in einer gemeinsamen Ausstellung mit ihren Arbeiten vertreten sein.

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung?

Sechs verschiedene künstlerische Positionen. Da sind zunächst zwei Videoarbeiten, die auf unterschiedliche Art das Thema Heimat bearbeiten. Nihaal Faizal beschäftigt sich mit dem Hotel seiner Großeltern – ein Haus als Durchgangsort, für ihn persönlich aber auch immer sein Zuhause. Im zweiten Video setzt sich der Künstler Oliver Husain mit unterschiedlichen Orten auf der Welt auseinander, an denen er gelebt hat. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Räume, die für beide Künstler „Zuhause“ bedeuten, überlagern. Darüber hinaus gibt es insgesamt drei Installationen und eine Bilderreihe, die sich unter anderem mit dem Verhältnis von Mensch und Natur auseinandersetzen.

In den Werken der Künstler geht es also im weitesten Sinne um das Thema Heimat und Konzepte dessen, was man unter „Zuhause“ versteht – wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Das war ein fließender Prozess: Am Anfang stand die Überlegung von Gemeinsamkeiten. Dann haben wir uns Arbeiten der einzelnen Beteiligten angeschaut, und dieses Thema ist uns ins Auge gesprungen. Der besondere Reiz liegt für uns darin, dass sich die Künstlerinnen und Künstler in einer Ausstellung außerhalb ihres Herkunftslandes mit dem Thema Heimat beschäftigen. Das hat ja auch eine politische Komponente: Wer hat überhaupt ein Zuhause, wer ist gezwungen, sein Zuhause zu verlassen, um sich ein neues zu suchen?

Wie ist der Begriff des „Common Ground“ in diesem Kontext zu verstehen?

Einerseits hat „Ground“ die Bedeutung „Boden“ – wir wollen nicht die nationalen Ländergrenzen als Grenzen für Kunst sehen, sondern sehen einen gemeinsamen Boden, auf dem wir stehen. Schon in den ersten beiden Ausstellungen ist nach Gemeinsamkeiten der Kunstszene in den Städten Mumbai und Bangalore gesucht worden. Das Experiment besteht darin, diese Schnittpunkte in Berlin zu erweitern.

Die Ausstellung wird am 20. Juni mit einer Vernissage eröffnet – was erwartet die Besucher dieser Veranstaltung?

Hoffentlich eine schöne laue Sommernacht, auf jeden Fall eine Ausstellungseröffnung, die für alle offen ist. Wir haben kein festes Programm, dafür eine offene Runde, bei der drei der sechs Kunstschaffenden vor Ort sein werden. Es besteht so die Möglichkeit, mit Poonam Jain, Ragini Bhow und Tara Kelton ins Gespräch zu kommen.

Die Fragen stellte Manuel Krane

Weitere Informationen

Die Ausstellung „Common Ground #3“ ist vom 20. Juni bis zum 18. Juli mittwochs bis samstags von 12 bis 18 Uhr im Lichthof Ost der Humboldt-Universität (Unter den Linden 6, 10117 Berlin) zu sehen.

Die Vernissage zur Ausstellung findet am Dienstag, den 20. Juni, um 19 Uhr am gleichen Ort statt.

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