Aus Syrien zum Studium an die Freie Universität

Ehab Shamah hat an der Freien Universität einen weiterbildenden Masterstudiengang im internationalen Wettbewerbsrecht abgeschlossen – und hat bereits während des Studiums eine Stelle angetreten

29.03.2017

Ehab Shamah kam 2015 aus Syrien an die Freie Universität.

Ehab Shamah kam 2015 aus Syrien an die Freie Universität.
Bildquelle: Manuel Krane

Als Ehab Shamah im Februar 2013 sein rechtswissenschaftliches Masterstudium im libanesischen Beirut beendet hatte, zog es ihn zunächst zurück in seine Heimat, ins syrische Damaskus. Doch der Bürgerkrieg dauerte fort, und auch wenn Shamah nicht direkt betroffen war, wollte er weg aus Syrien. „Ich wollte mich in Europa beruflich weiterentwickeln“, sagt Shamah. Bei seiner Suche wurde er schließlich an der Freien Universität Berlin fündig: Der englischsprachige, weiterbildende Masterstudiengang Europäisches und Internationales Wirtschafts-, Wettbewerbs- und Regulierungsrecht (Master of Business, Competition and Regulatory Law) war für ihn das richtige: Juristisches Rüstzeug brachte er aus Studium und Beruf mit.

Über den weiterbildenden Masterstudiengang in Europa Fuß fassen

Ehab Shamah bewarb sich und wurde genommen. Mit der Zusage konnte er ein Studenten-Visum beantragen und damit in die Bundesrepublik einreisen. Er hatte zwei Jahre zuvor seinen Masterabschluss in Beirut gemacht, der international ausgerichtete Studiengang an der Freien Universität sollte ihm nun dabei helfen, in Europa Fuß zu fassen: Die Dozenten kommen aus verschiedenen europäischen Ländern, die Studierenden aus der ganzen Welt. „Es herrscht eine besondere Atmosphäre hier“, sagt Shamah, „es sind tolle Kontakte und richtige Freundschaften entstanden. Ich war überrascht, wie freundlich die Umgebung war und wie gut ich aufgenommen worden bin.“

Generalisten in Syrien, Spezialisten in Deutschland

Ehab Shamah brachte aus Syrien und dem Libanon bereits juristische Erfahrungen mit: Fast acht Jahre lang hatte er für die größte syrische Rechtsanwaltskanzlei „Sarkis & Associates“ in Damaskus gearbeitet – zeitweise sogar neben seinem Studium im Libanon. Manchmal ist er zweimal in der Woche zwischen Damaskus und Beirut gependelt. In der syrischen Hauptstadt hat er internationale Klienten betreut und vor Gericht vertreten.

Die Gewöhnung an das deutsche Rechtssystem fiel ihm nicht schwer. Eines sei für ihn allerdings ungewohnt gewesen: „Juristen in Deutschland sind stark spezialisiert, manchmal auf sehr kleine Gebiete.“ In Syrien sei es üblich, größere Themenkomplexe abzudecken. „Dort gibt es mehr Generalisten“, sagt er. Das Studium in Berlin habe ihm bei seiner eigenen Spezialisierung im Bereich Wirtschaftsrecht geholfen. Im Studium besonders geschätzt habe er die sogenannten „Moot Courts“, das sind fiktiv durchgespielte Gerichtsverhandlungen. Die Teilnehmer vertreten jeweils eine Prozesspartei – das hilft ihnen dabei, sich auf die spätere Berufspraxis vorzubereiten.

Die Absolventen des Jahrgangs 2015/16 erhielten im Clubhaus der Freien Universität Berlin ihre Abschlusszeugnisse.

Die Absolventen des Jahrgangs 2015/16 erhielten im Clubhaus der Freien Universität Berlin ihre Abschlusszeugnisse.
Bildquelle: Manuel Krane

Seinen Studienabschluss feierte Ehab Shamah kürzlich gemeinsam mit den anderen Absolventen seines Jahrgangs im Clubhaus der Freien Universität. 31 Teilnehmer aus 25 Nationen hatten von Oktober 2015 bis September 2016 an der Freien Universität „Business, Competition and Regulatory Law“ studiert. „Sie haben sich für das Gebiet des internationalen Wettbewerbsrechts entschieden in Zeiten, in denen nationalen Interessen Vorrang eingeräumt wird“, sagte die Leiterin des Studiengangs Professorin Heike Schweitzer auf der Abschlussfeier. Der Studiendekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft Andreas Fijal ergänzte: „Sie haben eine großartige Zukunft vor sich, aber sie haben auch die Verantwortung für diese großartige Zukunft.“

Shamah hat für seine Zukunft bereits Pläne: Er hat für eine deutsch-spanische Anwaltskanzlei in Berlin gearbeitet und ist jetzt für die Deutsche Bank tätig. „Ich möchte mich hier beruflich etablieren – es war schon lange mein Traum, in Deutschland zu arbeiten“, sagt der Syrer.