Albanische Erfahrungen

Auszubildende der Freien Universität haben an einer albanischen Schule ein IT-Netzwerk eingerichtet

13.03.2017

Netzwerken ganz analog: Schüler der albanischen Stadt Kazma mit den vier Auszubildenden der Freien Universität auf dem 1600 Meter hohen Berg Dajti bei Tirana.

Netzwerken ganz analog: Schüler der albanischen Stadt Kazma mit den vier Auszubildenden der Freien Universität auf dem 1600 Meter hohen Berg Dajti bei Tirana.
Bildquelle: Privat

Für vier Auszubildende der Fachinformatik – drei von ihnen lernen an der Freien Universität – ging es kürzlich von Berlin nach Kamza in Albanien. Die jungen Männer waren dort im Rahmen eines Austauschprogramms, das Berliner IT-Azubis Auslandserfahrungen ermöglicht. Vor Ort ging es in eine der Fachoberschulen der Stadt – um dort ein Netzwerk einzurichten.

„Wir waren wohl eine kleine Attraktion in der Schule“, sagt Dominik Modest. Die Schülerinnen und Schüler interessierten sich sehr für die IT-Azubis, schließlich waren die vier nur wenig älter als die albanischen Jugendlichen. „Die wollten mit uns quatschen und uns bei der Arbeit zugucken“, sagt Modest. Die große Offenheit der Albaner habe sie beeindruckt, meinen die vier. „Wir wurden einfach angesprochen, das war ganz anders als in Deutschland“, sagt Dominik Blohm, der seine Ausbildung an der Berliner Charité macht. Aber irgendwann wurde es den angehenden Fachinformatikern auch zu viel und die Tür blieb zu. „Wir mussten schließlich arbeiten“, sagt Maximilian Melke, der ebenfalls an der Freien Universität lernt.

Ein neues Netzwerk für die Schule

Zwei Wochen richteten die Auszubildenden das Netzwerk an der albanischen Schule ein. Dazu gehörte beispielsweise, das System von Viren zu befreien. Aber auch Workshops haben die Berliner geben. „Unsere wichtigste Aufgabe war das Einrichten von Benutzerkonten für die Schüler“, so René Schleuer, der vierte im Bund. Organisiert wurde die Reise von der Berliner Strato AG und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Untergebracht waren die Auszubildenden in Gastfamilien, mit denen sie zwar vorher geschrieben hatten, die sie aber erst vor Ort richtig kennenlernten. „Aber es hat sofort gefunkt“, meint Dominik Modest. Obwohl die Gastfamilien kein Englisch sprachen, habe die Verständigung sehr schnell geklappt. „Mit Händen und Füßen geht das schon“, sagt Dominik Blohm. Und es habe reichlich zu essen gegeben: Linsensuppe, Reisgerichte oder selbstgemachter Joghurt – die vier hätten kaum so viel essen können, wie ihnen angeboten worden sei, erzählen sie.

Besondere Eindrücke

Das Stadtbild, das sich den jungen Männern in Kamza und der nahegelegenen albanischen Hauptstadt Tirana bot, hat sie beeindruckt. In der Hauptstadt fielen ihnen einige hochmodernen Bauten auf. Allerdings sei die die Infrastruktur in Albanien keineswegs so gut ausgebaut wie in Deutschland. Auch wenn sie eines überrascht habe: das offene WLAN, das es überall gegeben habe. Die Häuser würden dagegen noch mit Öfen geheizt, und der Strom falle häufig aus. „Man merkt, was man an Deutschland hat“, sagt Dominik Blohm. „Und auch, was man eigentlich gar nicht braucht.“

Dass die industrielle Entwicklung Albaniens nicht so stark fortgeschritten sei, habe auch seinen Charme. So sei es etwa normal, in der Stadt Tiere zu halten und auf der Straße zu verkaufen. Und als am Wochenende eine Wanderung auf den rund 1600 Meter hohen Berg Dajti bei Tirana anstand, gab es außer ein paar Wegweisern keinen Wanderweg. „Das ging querfeldein“, sagt Maximilian Melke. „Wir sind immer wieder bis über die Knie im Schnee versunken“, ergänzt Dominik Blohm.

Eine Nacht Akkordarbeit

Zurück in Berlin: Die angehenden Fachinformatiker René Schleuer, Dominik Modest, Maximilian Melke und Dominik Blohm (v.l.r.)

Zurück in Berlin: Die angehenden Fachinformatiker René Schleuer, Dominik Modest, Maximilian Melke und Dominik Blohm (v.l.r.)
Bildquelle: Peter Schraeder

Neben der Wanderung machten die Auszubildenden eine Tour durch Tirana und besuchten die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Mit ihren Gastgebern waren sie außerdem in albanischen Restaurants, wo die niedrigen Preise zum Schlemmen einluden.

Im Mittelpunkt stand natürlich die Arbeit am IT-Netzwerk der Schule. „Wir hatten zuerst viel mit der Beseitigung der Computerviren zu tun“, sagt René Schleuer. Dadurch sei nur noch wenig Zeit für die Einrichtung der Benutzerkonten geblieben. Kurzerhand beschlossen die jungen Männer, eine Nacht in der Schule zu verbringen und durchzuarbeiten. Der geopferte Schlaf hat sich gelohnt: „Alle haben sich sehr bei uns bedankt und an unserem letzten Tag ein tolles Buffet hingezaubert“, sagt Dominik Modest. Die Schule hat jetzt ein stabiles Netzwerk – und die vier Auszubildenden sind um einige Erfahrungen reicher.