Ein Date in der Bib

Bei einem Speed Dating in der Wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek haben sich Studierende getroffen, um Lerngruppen zu bilden

13.01.2017

Draußen ist es Winter und eiskalt, drinnen, zwischen den Bücherregalen, warm und gemütlich. Genau die richtige Atmosphäre für ein Speed Dating. Allerdings geht es an diesem Abend nicht ums Flirten, sondern darum, Gleichgesinnte fürs gemeinsame Lernen zu finden. Das Angebot der Wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek für BWL- und VWL-Studierende in den Anfangssemestern ist originell.

Muss passen: Auch in Lerngruppen kommt es auf eine gute Beziehung an. Beim ersten Lerngruppen-Speed Dating konnten Studierende aus den Anfangssemestern in BWL oder VWL am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft nach Partnern suchen.

Muss passen: Auch in Lerngruppen kommt es auf eine gute Beziehung an. Beim ersten Lerngruppen-Speed Dating konnten Studierende aus den Anfangssemestern in BWL oder VWL am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft nach Partnern suchen.
Bildquelle: Peter Schraeder

Lerngruppen sind im VWL- und BWL-Studium hilfreich, gerade wenn es darum geht, sich auf die Klausuren vorzubereiten. Sowohl juristisches Wissen als auch mathematisches Können ist in den Prüfungen gefragt. Laszlo Barrena kann ein Lied davon singen. „Ich hatte fast in jedem Fach Lerngruppen“, sagt der Student, der inzwischen im siebten Semester ist. Aber auch psychologisch sei es wichtig, sich beim Lernen zusammenzutun: „Die ersten Klausuren sind die schwersten Brocken. Ich habe es wahrscheinlich nur dank der Lerngruppen so gut durchs Studium geschafft“, sagt er.

Der Anstoß kam von Studierenden

Laszlo Barrena ist Mitglied in der Fachschaftsinitiative Wirtschaftswissenschaft, die das Lerngruppen-Speed Dating zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bibliothek auf die Beine gestellt hat. „Es sind immer wieder Studierende an uns herangetreten, die gefragt haben, ob wir nicht Lerngruppen organisieren könnten“, sagt Bibliotheksleiterin Karin Reese. Die Themen, die sie gemeinsam bearbeiten möchten – öffentliches Recht, Mathematik und externe Unternehmensrechnung –, haben sich die Studierenden selbst gesetzt.

Um Inhalte geht es an diesem Abend allerdings weniger, das Kennenlernen steht im Vordergrund. Bevor es offiziell losgeht, ist es recht ruhig, die etwa zehn Studierenden, vor allem Erstsemester, kennen sich höchstens vom Sehen. Dann gibt Laszlo Barrena das Startsignal, der Small Talk beginnt: „Und in welchem Semester studierst du?“

Flirten nicht ausgeschlossen

Kevin, 20 Jahre alt, blickt der Jura-Prüfung skeptisch entgegen. „Ich habe echt keinen Schimmer, was mich in der Klausur erwartet. Meine Priorität ist zu bestehen“, erzählt er Elisa, die ihm gegenübersitzt. Sie ist im Oktober an die Freie Universität gewechselt und im dritten Semester. Denen, die noch zwischen VWL und BWL schwanken, gibt sie einen Tipp: „VWL ist sehr mathelastig, damit muss man klarkommen.“

Dann klingelt der Wecker, fünf Minuten sind um, und die Teilnehmer rücken einen Stuhl weiter. Um Gemeinsamkeiten beim Lernen zu finden, liegen auf dem Tisch Zettel mit Fragen wie „Lernst du eher morgens oder abends?“ oder auch „Wann hast du vor, mit dem intensiven Lernen anzufangen?“. Lukas, Kevins neuer Gesprächspartner, schiebt das Blatt beiseite. „Wir können eigentlich frei reden, oder?“, sagt er und startet munter ins Gespräch. Kevin fragt ihn, ob er in der Vorlesung immer mitschreibe. „Nicht unbedingt nötig, die Skripte gibt es im auch Internet“, weiß Lukas.

Am Nebentisch unterhalten sich verschiedene Paare lautstark. Wer die Szene beobachtet, könnte den Eindruck gewinnen, dass es bei diesem Speed Dating vielleicht doch nicht nur ums Lernen geht. Zumindest einige der Jungs wirken beim Kennenlernen sehr engagiert, lächeln und zwinkern, was das Zeug hält. Die eine oder andere Lerngruppe wird sich an diesem Abend jedenfalls finden – und wenn am Ende mehr daraus wird, hat sich das Treffen gleich doppelt gelohnt.