„Gute Betreuung der Patienten ist notwendig“

Das Institut für Pharmazie der Freien Universität verstärkt den Praxisanteil des Pharmaziestudiums durch die Einrichtung eines bundesweit ersten Medikations-Management-Centers

08.12.2016

Die Brown Bags enthalten ein Fallbeispiel sowie alle Medikamente, die ein Patient einnimmt.

Die Brown Bags enthalten ein Fallbeispiel sowie alle Medikamente, die ein Patient einnimmt.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Professorin Charlotte Kloft ist Leiterin der Abteilung Klinische Pharmazie und Biochemie am Institut für Pharmazie der Freien Universität.

Professorin Charlotte Kloft ist Leiterin der Abteilung Klinische Pharmazie und Biochemie am Institut für Pharmazie der Freien Universität.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Zur Eröffnung des MMC gratulierte auch Matthias Dannenberg (Mitte), ständiger Vertreter der Kanzlerin der Freien Universität.

Zur Eröffnung des MMC gratulierte auch Matthias Dannenberg (Mitte), ständiger Vertreter der Kanzlerin der Freien Universität.
Bildquelle: Marina Kosmalla

Wie erkläre ich die Anwendung von Medikamenten so, dass der Patient sie versteht? Welche Medikamente können zeitgleich genommen werden, und welche schließen sich gegenseitig aus? Vom Beratungsgespräch in der Apotheke bis zur Erstellung eines Medikationsplans – im neuen Medikations-Management-Center mit integrierter Modell-Apotheke erhalten Pharmaziestudierende der Freien Universität das nötige Rüstzeug für die Patientenbetreuung in der Apothekenpraxis schon während des Studiums.

Seit dem 1. Oktober 2016 hat jeder Patient, der gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel zu sich nehmen muss, einen Anspruch auf einen aktuellen und vollständigen Medikationsplan. Das legt das sogenannte E-Health-Gesetz fest. Ein Medikationsplan ist die Auflistung aller Medikamente, die ein Patient einnimmt, mit Hinweisen dazu, wann und wie sie einzunehmen sind. Eine gemeinsame Studie des Instituts für Pharmazie der Freien Universität und der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) hatte jedoch gezeigt, dass mehr als 50 Prozent aller Studienteilnehmer den Medikationsplan nicht korrekt umsetzen konnten.

„Das bedeutet, dass der Medikationsplan allein noch nicht ausreicht“, sagt Professorin Charlotte Kloft, Leiterin der Abteilung Klinische Pharmazie und Biochemie am Institut für Pharmazie der Freien Universität. „Es braucht auch eine persönliche Betreuung des Patienten. Und hier setzt unsere Idee an: der Apotheker als Manager dieses Medikationsprozesses.“ Als erste Hochschule bundesweit hat die Freie Universität nun den Bereich Medikations-Management ins Pharmaziestudium integriert. „Wir wollen bei unseren Studierenden die fachliche ebenso wie die kommunikative, patientenorientierte Kompetenz stärken“, sagt Kloft.

Beratungsgespräche simulieren

Höhepunkt des Medikations-Management-Centers (MMC) ist die integrierte Modell-Apotheke in den Institutsräumen. Monatelang haben Studierende des Pharmazie-Instituts von Familien und Freunden leere Medikamentenverpackungen zusammengetragen, sodass die Regale mit echten Packungen gefüllt werden konnten. Ein Beratungstresen mit Computer inklusive aktueller Apothekensoftware rundet das Bild ab. So können Studierende in authentischer Umgebung Beratungsgespräche simulieren und trainieren, Kunden laiengerecht und ohne Fachlatein die Verwendung der verschiedenen Medikamente zu erklären. Theorie und Praxis werden so bereits im Studium verknüpft.

Braune Papiertüten, gefüllt mit leeren Arzneimittelverpackungen, sind die sogenannten Brown Bags. Jede Tüte enthält einen Zettel mit einem Fallbeispiel sowie alle Medikamente, die ein Patient einnimmt – ganz gleich, ob sie vom Arzt verschrieben wurden, rezeptfrei in der Apotheke gekauft oder aus dem Arzneibestand des Lebenspartners rekrutiert wurden. Die künftigen Pharmazeuten führen auf dieser Grundlage eine Medikationsanalyse durch, erstellen einen Plan zur korrekten Einnahme der einzelnen Präparate und analysieren mögliche Neben- und Wechselwirkungen. In sicherer Umgebung können so Erfahrungen gesammelt und auch mal Fehler gemacht werden, ohne dass sie Folgen hätten. Neben dem Beratungsplatz in der Modell-Apotheke umfasst das MMC auch einen Rechercheplatz mit fachlichen Datenbanken sowie einen Arbeitsplatz, an dem Blutdruck und Blutzuckerspiegel gemessen sowie die Insulin-Gabe von subkutanen Injektionen mit Placebo-Pens demonstriert werden können.

„Ein gemeinsames Projekt“

Beim Aufbau des MMC seien die Studierenden des Instituts von Anfang an beteiligt und nach Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten gefragt worden, sagt Charlotte Kloft. So hätten sie detaillierte Patientenprofile mit zugehörigen Fallbeispielen recherchiert und entworfen, passend dazu die Brown Bags gepackt und dadurch komplexe Patientensituationen geschaffen. „Es ist ein gemeinsames Projekt, auf das wir alle stolz sind“, sagt die Wissenschaftlerin.