Blauer Gips und Wagenrennen

Grundschülerinnen und -schüler von 65 Schulen aus dem Berliner Raum waren in diesem Jahr bei den Mitmach-Kursen der KinderUni an der Freien Universität

18.10.2016

Berliner Blau heißt die Mischung, die die Schüler wie Profis im Erlenmeyerkolben herstellten.

Berliner Blau heißt die Mischung, die die Schüler wie Profis im Erlenmeyerkolben herstellten.
Bildquelle: Jonas Huggins

Jakob Fehmel begeistert Kinder bereits seit vier Jahren im NatLab für Chemie.

Jakob Fehmel begeistert Kinder bereits seit vier Jahren im NatLab für Chemie.
Bildquelle: Jonas Huggins

Auch wenn die Schüler schon viel über die Römer wussten, hatten sie noch viele Fragen,...

Auch wenn die Schüler schon viel über die Römer wussten, hatten sie noch viele Fragen,...
Bildquelle: Jonas Huggins

... die Hauke Ziemssen den wissbegierigen Fünft- und Sechstklässlern mit Freude beantwortete.

... die Hauke Ziemssen den wissbegierigen Fünft- und Sechstklässlern mit Freude beantwortete.
Bildquelle: Jonas Huggins

Universität erleben: Das konnten die knapp 1900 Schülerinnen und Schüler von der zweiten bis zur sechsten Klasse, die kürzlich zur KinderUni nach Dahlem gekommen waren. 65 Schulen aus dem Berliner Raum haben das Angebot genutzt, um den Mädchen und Jungen einen Einblick in die Welt der Wissenschaft zu ermöglichen. Die Kinder hörten eigens für sie gestaltete Vorlesungen und probierten sich in Mitmach-Kursen selbst als Forscher aus.

Mit Kaliumhexacyanoferrat(II) in der einen und Eisen(III)chlorid in der anderen Hand stehen die Kinder am Experimentiertisch. Jeweils zu zweit machen die Viertklässler die Versuche und beobachten ihre Erlenmeyerkolben; die Schutzbrille sitzt, der Kittel reicht fast bis zum Boden. Auf einem Bogen füllen die Grundschüler aus, was sie sehen: Die eine Chemikalie ist orange, die andere gelb. Doch zusammengeschüttet ergeben sie ein tiefes, dunkles Blau. Da orange und gelb im Tuschkasten gemischt kein Blau ergeben, muss eine neue Substanz entstanden sein, ein Kennzeichen einer chemischen Reaktion.

Berliner Blau heißt die Mischung – ein Farbstoff, der vor etwa 300 Jahren in Berlin entdeckt worden ist, wie die Kinder später erfahren. Sie mischen ihn mit Gips und füllen den entstandenen Brei in Förmchen, die eigentlich für Eiswürfel gedacht sind. Wenig später haben sie so kleine blaue Herzen und Sterne aus Gips hergestellt – ein Andenken, das sie mit nach Hause nehmen können.

Botschaften mit Geheimschrift

Acht Schulklassen haben im Rahmen der KinderUni jeweils zwei Stunden im Schülerlabor NatLab der Freien Universität verbracht. Die Zeit geht schnell vorbei: Die Schüler erleben, wie Gips in Verbindung mit Wasser nicht nur hart wird, sondern auch eine Menge Wärme abgibt – ein weiteres Merkmal einer chemischen Reaktion. Und mithilfe der Farblösungen lernen sie eine Geheimschrift kennen: Mit der einen Flüssigkeit geschrieben, werden kurze Nachrichten und Bilder erst sichtbar, wenn sie mit der anderen Lösung besprüht werden.

Chemie-Studentinnen und -Studenten führen die Kinder durch die Versuche, geben Tipps, erklären Hintergründe und achten darauf, dass kein Gips in den Abfluss gerät. Jakob Fehmel, der im vergangenen Sommersemester sein Bachelorstudium an der Freien Universität abgeschlossen hat, betreut schon seit vier Jahren Schülerklassen im NatLab. Gerade mit Grundschülern bereitet ihm die Arbeit Freude, weil die Kinder begeisterungsfähig und interessiert seien. „Wir können hier Inhalte vermitteln, wie das in der Schule nicht möglich ist“, sagt er.

Birgit Huy, die Lehrerin der experimentierenden Klasse, kann das bestätigen. Im NatLab hätten die Schüler zum ersten Mal gesehen, wie eine Reaktionsformel aussieht. „Das ist für die meisten Schülerinnen und Schüler Neuland“, sagt sie, „aber gerade deswegen ist es gut, dass sie es hier erleben.“ „Es macht Spaß zu sehen, was passiert, wenn man alles zusammenkippt“, sagte Klara . Die Schülerin fand es besonders spannend, zu beobachten, wie schnell sich die Farben veränderten. Nun ist sie sich sicher, dass sie später einmal Chemie studieren möchte.

Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen

Die Experimente im Schülerlabor waren eines von mehr als 20 unterschiedlichen Kursangeboten, die die Freie Universität innerhalb der KinderUni angeboten hat. Während sich die einen mit den Regeln der Natur auseinandersetzten, begaben sich die anderen auf eine Reise ins Altertum. Am Exzellenzcluster Topoi etwa, das sich interdisziplinär mit der Antike beschäftigt, lernten zwei Schulklassen Spannendes über das alte Rom und seine Kaiser. Vor 23 wissbegierigen Fünft- und Sechstklässlern erzählte der promovierte Archäologe und Topoi-Geschäftsführer Hauke Ziemssen von Julius Cäsar, Gladiatorenkämpfen und Wagenrennen im Circus Maximus. Zwischendurch tobten die Kinder beim Kaiserspiel umher, einer Variante der Reise nach Jerusalem mit römischen Kaisern.

Über die Römer wussten die Schüler schon eine Menge, sei es von Asterix oder aus dem Unterricht. Ihre Fragen ließen sich darum nicht leicht beantworten: Warum wurde damals so viel gemordet? Warum missbrauchten Kaiser ihre Macht so oft? Und wie wurden eigentlich die Tiere im Kolosseum behandelt? Hauke Ziemssen freute sich über so viel Neugier. Der Blick in die Vergangenheit helfe dabei, unsere heutige Welt besser zu verstehen. Brutalität wie im alten Rom begegne uns noch in den alltäglichen Nachrichten. Und letztlich könnten wir so auch zu schätzen lernen, wie sicher unser eigenes Leben sei.