Mit dem Salatbaum zum Großstadtgärtner
Das Projekt „Essbarer Balkon“ ist eines von mehreren, die aus einem Politikwissenschaftsseminar hervorgegangen sind / Podiumsdiskussion am 7. Mai um 18 Uhr
06.05.2014
Der „Essbare Balkon“ ist ein Projekt von acht Studierenden, das im Rahmen des zweisemestrigen Projektkurses „Vom Wissen zum Handeln“ am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin entwickelt wurde. Auf dem Gelände des Botanischen Gartens zeigen die Studierenden der Projektgruppe „UniGardening– Essbarer Balkon und Infopfad“, wie Großstädter auch auf kleinstem Raum selbst Lebensmittel anbauen können und wie globalen Problemen der Lebensmittelverschwendung und dem Klimawandel entgegengewirkt werden könnte.
Bei milden Temperaturen werden auch Großstädter gerne zu Hobbygärtnern. Studierende der Projektgruppe „UniGardening – Essbarer Balkon und Infopfad“ zeigen jetzt eine nahrhafte Alternative zur traditionellen Balkonbepflanzung mit Geranien, Petunien und Co. auf: Wie wäre es in dieser Saison mit Salatbaum, Kräuterspirale oder Gemüseturm?
Statt Zierblumen wird bei der sogenannten vertikalen Gartenbepflanzung auf kleinsten Flächen ab 20 Quadratzentimetern Gemüse angebaut. So können die Probleme der industriellen Lebensmittelproduktion, des Klimawandels und der Ressourcenknappheit – auf dem eigenen Balkon – praktisch angegangen werden.
Ein Mini-Acker kann auf jeder Fensterbank entstehen
Die Studierenden der Projektgruppe haben bei einem Workshop mit der Kultur- und Medienmanagerin Anja Fiedler vom Projekt „Stadt macht satt“ gelernt, wie sich Salat, Radieschen oder Mangold auf dem Balkon anbauen lassen. Zuerst müsse man Grundsätzliches klären, sagt Anja Fiedler: „In welche Richtung zeigt mein Balkon, wie viele Sonnenstunden habe ich täglich, und welche Pflanzen gedeihen bei mir gut?“
Mit dem Projekt „Stadt macht satt“ möchte die Kultur- und Medienmanagerin Großstädter für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren. Im Prinzip, sagt Fiedler, besitze jeder von uns Anbaufläche für selbstgezogenes Gemüse: „Auch Fensterbänke geben einen prima Mini-Acker ab.“
Zwei Hügelbeete und drei "Essbare Balkone" entstehen
Die Studierenden des Projektkurses „Vom Wissen zum Handeln“ unter der gemeinsamen Leitung von Achim Brunnengräber und der von Karola Braun-Wanke koordinierten Initiative SUSTAIN IT! am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität haben jetzt im Botanischen Garten den ersten Spatenstich getan: „Für unser gemeinsames Projekt „UniGardening – Permakultur zum Anbeißen“ stehen uns etwa 500 Quadratmeter zur Verfügung“, sagt Philipp Kalweit, Masterstudent der Politikwissenschaft.
Zwei Hügelbeete und drei unterschiedlich große „Essbare Balkone“ werden die Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freien Universität hier anlegen. Ab Mitte Mai können Interessierte den „Essbaren Balkon“, aber auch den Garten, der nach sogenannten Permakulturprinzipien angelegt wird, besichtigen. Wer an einer Führung interessiert ist, möge sich über die E-Mail-Adresse sustain-it@fu-berlin.de anmelden.
Kritischer Informationspfad
Die Kernidee von Permakultur (Permanente Agrikultur) ist die standortangepasste Gestaltung eines Gartens, der die vorhandenen Ressourcen und Stoffkreisläufe optimal nutzt. Ergänzt wird das Gartenensemble durch einen kritischen Informationspfad zum Nahrungsmittelanbau und -konsum. Am 14. Juni stellt die Projektgruppe anlässlich des „Langen Tags der Stadtnatur“ einige Module ihres „Essbaren Balkons“ der Öffentlichkeit vor.
Abfallprodukte nutzen
Viele der Materialien für den „Essbaren Balkon“, sind Abfallprodukte, die in der Stadt anfallen: Ausgediente Brotkisten vom Bäcker beispielsweise, die mit Filz ausgelegt werden, eignen sich prima als Pflanzen-Beet. Und der Salatbaum wächst hervorragend in ausrangierten Abflussrohren. „Baustellen sind eine echte Fundgrube für den Eigenanbau“, sagt Anja Fiedler.
Natürliche Materialien wie Hanftaschen oder Jutesäcke dagegen eigneten sich für den Salat Marke Eigenbau nicht besonders gut. „Sobald die nass werden, verrottet das Material. Das hält höchstens eine Saison.“ Besser geeignet sind lebensmittelechte Materialien, solche also, in denen Lebensmittel transportiert werden dürfen, wie Reissäcke oder Backwarenkisten.
Auch wenn der „Essbare Balkon“ den Großstädter nicht komplett zum Selbstversorger machen kann, könnten die Ergebnisse beeindruckend sein, sagt Fiedler: Mit nur einer Kartoffel als Aussaat können bis zu eineinhalb Kilogramm Ernte eingefahren werden.
Weitere Informationen
„UniGardening- Permakultur zum Anbeißen “ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen, der Nachhaltigkeitsinitiative SUSTAIN IT! der Freien Universität Berlin und der studentischen Projektwerkstatt „Permakultur in der Stadt und auf dem Land“ der Technischen Universität Berlin. Das Projekt „Unigardening -Essbare Balkon und Infopfad“ ist ein Teilprojekt, das ab Mitte Mai nach Absprache und Anmeldung über die Mail-Adresse sustain-it@fu-berlin.de besucht werden kann. Weitere Projekte, die im Zuge des handlungsorientierten Projektkurses „Vom Wissen zum Handeln“ im Sommersemester umgesetzt werdenPodiumsdiskussion: Ist ein grüner Kapitalismus möglich?
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