Springe direkt zu Inhalt

Starker Jahrgang

Das von der Freien Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin geförderte Start-up Nia Health ist mit dem Gründerpreis der Berliner Sparkasse ausgezeichnet worden

12.10.2020

Tobias Seidel (links) und Oliver Welter

Tobias Seidl (links), Gründer und CEO von Nia Health, und Oliver Welter, Gründer und CTO von Nia Health.
Bildquelle: Berliner Sparkasse.

„Dieses Jahr sind wir hybrid: Sie sitzen zu Hause oder im Büro, wir sind hier im Alexanderhaus in Mitte“, sagt Hans Jürgen Kulartz. Das Vorstandsmitglied der Berliner Sparkasse begrüßte rund 100 geladene Gäste, die das Event per Livestream am PC oder Laptop verfolgten. Im Veranstaltungsraum selbst saßen vor einer kleinen Bühne etwa 20 Personen mit jeweils einigen Metern Abstand auf Drehstühlen, darunter die Gründerinnen und Gründer von drei Start-ups, die sich für das Finale um den Gründerpreis der Berliner Sparkasse qualifiziert hatten. Das Bankinstitut verleiht die mit 4000 Euro dotierte Auszeichnung seit 2013 jährlich gemeinsam mit NFUSION – dem Entrepreneurs Network der Freien Universität Berlin und Profund Innovation.

Routiniert wie ein Fernsehmoderator betonte Hans Jürgen Kulartz, dass dem Publikum „zu Hause an den Bildschirmen“ im Laufe des Abends eine wichtige Rolle zufallen werde: „Sie entscheiden mit Ihrer Stimme, wer den Gründerpreis gewinnt.“

Dank für langjährige Kooperation

Professor Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin, bedauerte in seiner Begrüßung zwar, dass die Preisverleihung zum ersten Mal ohne das einmalige Ambiente des Gästehauses der Berliner Sparkasse am Wannsee auskommen müsse, ergänzte aber: „Etwas Neues auszuprobieren, kann auch nicht verkehrt sein.“

Er dankte der Sparkasse für die langjährige Kooperation mit der Freien Universität, die neben der Preisverleihung auch die Unterstützung von Gründungsinteressierten aus der Hochschule auf dem Weg in die Selbstständigkeit umfasst. Der Beifall vor Ort kam von Herzen, war jedoch – aufgrund der wenigen Live-Gäste – zwangsläufig genauso spärlich wie derzeit in den Fußballstadien.

Wahl aus sieben Nominierungen

Steffen Terberl, Leiter von Profund Innovation, der Service-Einrichtung für die Förderung von Unternehmensgründungen und Innovationen in der Abteilung Forschung der Freien Universität Berlin, stellte die Wettbewerbsmodalitäten vor: Für den Preis waren sieben von insgesamt 19 Ausgründungen der Freien Universität Berlin oder assoziierter Einrichtungen aus dem Jahr 2019 nominiert worden.

Schon diese Vorauswahl sei angesichts des starken Jahrgangs nicht leicht gewesen, betonte der Gründungsförderer. Eine Fachjury hatte aus den Nominierten die drei Finalisten gekürt, die sich nun dem Votum des Publikums stellen durften. Geladen waren die Mitglieder des Entrepreneurs Networks NFUSION und weitere Partner der Gründungsförderung. „Falls Sie Entscheidungshilfen brauchen“, riet Steffen Terberl, „dann fragen Sie sich: Welches Start-up hat ein echtes Problem gelöst? Welches hat Alleinstellungsmerkmale? Wer ist technologisch innovativ? Wessen Geschäftsmodell verspricht hohen Umsatz und Gewinn? Welches Gründerteam bringt die besten Qualifikationen mit?“

Jeder Finalist hatte zehn Minuten für die Präsentation, anschließend konnte das Publikum – auch per Chatfunktion oder per SMS – fünf Minuten lang Fragen stellen.

Martin Nowak (links), Eiko von Hettinger (Mitte) und Felix Hoffmann (rechts), Gründer der 7Learnings GmbH

Martin Nowak (links), Eiko von Hettinger (Mitte) und Felix Hoffmann (rechts), Gründer der 7Learnings GmbH
Bildquelle: 7Learnings GmbH

Wer macht das Rennen?

Den Anfang machte Eiko von Hettinger, Mitgründer der 7Learnings GmbH. Das Start-up bietet Online-Händlern eine sogenannte Software-as-a-Service-Lösung zur Preisoptimierung. In der Software wird maschinelles Lernen zur Vorhersage von Absatz und Preiselastizität genutzt.

„Um auszurechnen, mit welchen Rabatten sie den Umsatz steigern können, setzen viele Händler im Moment auf Intuition, auf Excel-Tabellen oder bieten einfach ,30 Prozent auf alles‘“, sagt der Gründer. „Unsere Software ist für den Händler genauso einfach zu handhaben wie diese Methoden, kann jedoch die Profitabilität ihres Shops um bis zu zehn Prozent steigern.“

Diese Investition in Künstliche Intelligenz zahle sich häufig schon nach ein bis zwei Monaten aus, weil ein Algorithmus genauer berechnen und vorhersagen könne, welche Variablen das Kaufverhalten der Endkunden unter welchen Umständen in welchem Maß beeinflussen. So habe 7Learnings schon mit zahlreichen Onlinehändlern Verträge abgeschlossen, und der High-Tech-Gründerfonds und einige Business Angels hätten bereits in das junge Unternehmen investiert.

Dr. Reem Alneebari, Tobias Seidl, Ekaterina Messchischwili, Oliver Welter und Zeynep Ergin  (v.l.n.r.) von Nia Health.

Dr. Reem Alneebari, Tobias Seidl, Ekaterina Messchischwili, Oliver Welter und Zeynep Ergin (v.l.n.r.) von Nia Health.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Auch Tobias Seidl, Mitgründer der Nia Health GmbH, kann handfeste Erfolge vorweisen, obwohl sein Start-up noch nicht einmal ein Jahr alt ist. Die Neurodermitis-App Nia ist als Medizinprodukt zertifiziert, hat schon mehr als 6000 Nutzerinnen und Nutzer und wird von der Krankenkasse DAK ihren Versicherten angeboten. „Mit zwei weiteren Kassen haben wir gerade Verträge abgeschlossen“, sagte der Gründer in seiner Präsentation.

Die App hilft Betroffenen, ihren Krankheitsverlauf zwischen Arztbesuchen systematisch mit Bildern und Daten zu dokumentieren und zu analysieren. Nutzerinnen und Nutzer erhalten außerdem personalisierte Tipps für den Umgang mit ihrer Erkrankung im Alltag und können auf Wunsch einen Online-Termin mit einem Facharzt oder eine Fachärztin vereinbaren. Das Prinzip des digitalen Begleiters will das Team auch auf weitere chronische Hautkrankheiten übertragen. Eine App für Menschen, die an Schuppenflechte leiden, sei bereits in der Entwicklung.

Laura Büchler (links) und Isabella Hillmer, Gründerinnen der GHOST - feel it. GmbH

Laura Büchler (links) und Isabella Hillmer, Gründerinnen der GHOST - feel it. GmbH
Bildquelle: Max Power

Isabella Hillmer stellte die GHOST – feel it. GmbH vor: Das Start-up stellt Werkzeuge für die Interaktion zwischen Mensch und Maschine über intelligente Vibrationssignale bereit. Einmal erlernt, kann der Mensch diese Signale in stressigen Situationen unterbewusst verarbeiten. Mögliche Anwendungen reichen von der fühlbaren Prothese bis hin zum fühlbaren Navigationsgerät im Auto.

Mithilfe des GHOST - feel it. Studios lassen sich in wenigen Minuten intelligente Vibrationsmuster erstellen und Prototypen bauen. So können Unternehmen die Vorteile der Technologie auch ohne eigene Entwicklungsarbeit nutzen.

Erprobt wurde das Vibrationsfeedback unter anderem in einer Studie mit Ruderinnen und Ruderern. Diese sollten an der Rudermaschine die richtige Atemtechnik erlernen. Mit „fühlbaren“ Informationen, die über einen Gürtel übertragen werden, gelingt dies besser als mit visuellem Feedback. Weitere Pilotprojekte führt GHOST – feel it. derzeit mit fünf Universitäten, zwei Automobilherstellern und einem Hersteller von Virtual-Reality-Brillen durch.

Abstimmung per Smartphone

Abgestimmt wurde anschließend mit dem Smartphone – und so stand das Ergebnis schnell fest: Der diesjährige Gründerpreis der Berliner Sparkasse ging an Nia Health. Tobias Seidl und Mitgründer Oliver Welter nahmen die Urkunde coronabedingt ganz ohne Händedruck und Schulterklopfen entgegen, strahlten aber dennoch stolz und glücklich für das Siegerfoto.

Weitere Informationen

Preisträger und Finalisten des Gründerpreises