"Für mich kam der Q-Master wie gerufen!"

Im Gespräch mit Studierenden des Quereinstiegsmasters

02.03.2017

Bildquelle: Mathis Römer

Bildquelle: Mathis Römer

Zum Wintersemester 2016/17 ist an der Freien Universität Berlin der Quereinstiegsmaster (Q-Master), der von Teilprojekt 4 entwickelt und betreut wird, gestartet. K2teach traf Johannes Basler (Mathematik und Informatik), Sarah Hardy (Englisch und Französisch) und Saskia Huppertz (Mathematik und Physik), drei Studierende dieser ersten Kohorte, um mit ihnen über ihre Beweggründe zu sprechen.

Als Studierende des Q-Masters habt ihr euch für eine berufliche Umorientierung entschieden. Wie kam es dazu?

Johannes: Ich habe vorher im Mono-Bachelor Informatik an der TU Berlin studiert und hatte bisher noch keine Erfahrungen in Schulen oder mit Schülern gemacht – das ist für mich ganz neu. Direkt nach dem Abitur war klar, dass ich irgendetwas mit Mathe und Informatik machen wollte. Ich wusste aber nicht, ob ich ins Lehramt gehen sollte und habe mich dann dagegen entschieden. Als ich mit dem Bachelor fertig wurde, wollte ich mich gern umorientieren.

Saskia: Ich habe bereits einen Bachelor Meteorologie an der FU abgeschlossen und im letzten Studienjahr einen weiteren Bachelor, Mathematik und Physik auf Lehramt, begonnen. Im Laufe meines ersten Fachstudiums kristallisierte sich für mich immer mehr heraus, dass ich die Arbeit mit Menschen vermisse. Ich bin in einem Jugendtheater seit über 10 Jahren ehrenamtlich tätig, habe dort also bereits Erfahrung im pädagogischen Bereich sammeln können und spielte schon immer mit dem Lehramtsgedanken. Lange Zeit hat mich meine eigene Unsicherheit davon abgehalten, dem Ziel nachzugehen. Nun bin ich mir aber sicher.

Sarah: Ich habe vor etwa 25 Jahren in Melbourne meinen Bachelor in Kunstgeschichte und Alter Geschichte absolviert, habe in diesem Bereich jedoch nie gearbeitet und mich stattdessen im Bereich Teaching English as a Foreign Language weitergebildet und über zehn Jahre als Englischlehrerin gearbeitet.
Als ich nach Deutschland kam, durfte ich hier nicht an einer öffentlichen Schule arbeiten, da ich die entsprechenden Qualifikationen nicht hatte. Stattdessen habe ich drei Jahre in einem Übersetzungsbüro gearbeitet, wollte aber viel lieber zurück ins Klassenzimmer. Ich hätte zwar auch an einer Privatschule arbeiten können, dachte mir aber, dass ich es langfristig und richtig machen will. Somit hätte ich mit Englisch und Französisch einen komplett neuen Bachelor an der FU absolvieren müssen, was ein Studium von fünf Jahren bedeutet hätte. 

Quereinstieg ins Lehramt

Für den Quereinstieg in das Lehramt gibt es auch andere Möglichkeiten, die zum Teil kein Studium erfordern. Aus welchen Gründen habt ihr euch für den Q-Master entschieden?

Sarah: Für mich war es in Deutschland unmöglich, an einer öffentlichen Schule zu arbeiten. Ich habe immer über meine fünf Jahre Studium gejammert, bis jemand zu mir meinte, ob ich nicht schon vom Q-Master gehört hätte. Durch diesen Studiengang habe ich die Möglichkeit bekommen, schnellstmöglich meinem gewünschten Studienabschluss näher zu kommen – ohne erneut beispielsweise meine Kompetenz des Formulierens einer fachlichen Abschlussarbeit zu beweisen. Das ist einfach nur fantastisch für mich, denn der Q-Master spart mir jetzt mindestens ein Jahr! Ich hoffe, dass das Programm weiterläuft, denn von vielen Bekannten höre ich, dass sie sich auch bewerben wollen.

Johannes: Ich habe dann im Internet geschaut, wie ich doch noch den Quereinstieg als Lehrer machen könnte und bin dabei auf den Q-Master gestoßen. Ich hätte ja sowieso zunächst einen Master absolviert. Ein Quereinstieg danach wäre viel komplizierter, so war es viel einfacher und hat sich angeboten. Ich habe hier im Umland Berlin/Brandenburg nichts Gleichwertiges entdeckt, was in meinem Fall eine bessere Alternative gewesen wäre als der Q-Master an der FU. Nach genauerem Durchlesen habe ich gemerkt, das ist genau das, wonach ich gesucht hatte.

Saskia: Für mich kam der Q-Master wie gerufen. Der große Vorteil ist meiner Meinung nach, dass einem zum einen die „Hürde“ des Zweitstudiums, also ein Bachelor mit Lehramtsoption, genommen wird, welche oft auch eine Zeit- und Kostenfrage ist. Zum anderen durchlaufen Quereinsteigende so das nach meinem Empfinden wichtige und notwendige Studium der Pädagogik und Didaktik und werden nicht ohne dieses Wissen auf die Schülerinnen und Schüler „losgelassen“ – wie es ja momentan zu häufig üblich ist. Ich hatte bereits knapp 30 Leistungspunkte im erziehungswissenschaftlichen Bereich – inklusive der Fachdidaktik – erworben, hätte aber noch Fachkurse abschließen und eine weitere Bachelorarbeit schreiben müssen, um einen zweiten grundständigen Abschluss zu erhalten.

Start in den Q-Master

Bildquelle: Mathis Römer

Bildquelle: Mathis Römer

Wie war euer Einstieg in den Q-Master?

Johannes: Wir hatten eine Begrüßungsveranstaltung mit den Studierenden und den dazugehörigen Professoren und Mitarbeitern des Projekts und das persönliche Beratungsgespräch.  Am Anfang war die Betreuung, die wir erfahren haben, sehr schön, da ich eine persönliche Studienberatung vorher gar nicht hatte. Dass wirklich für mich individuell geplant wurde, welche Module ich besuchen soll, war etwas Neues. Aber ansonsten, jetzt wo ich im Studium richtig drin bin, ist es wie der vorherige Studiengang auch. Nur die Themen sind neu und anders.

Sarah: Jetzt ist alles gut. Am Anfang wusste niemand so richtig Bescheid. Aber jeder, mit dem ich gesprochen habe, war immer so freundlich, nett und hilfsbereit – das war total angenehm. Die Erstbetreuung war auf jeden Fall besonders und auch das positive Feedback: „Der Quereinstieg ist etwas Neues und du bist dabei! Wir freuen uns auf dich.“ Das war ein sehr schönes Gefühl.

Saskia: Der Einstig gestaltete sich für mich völlig problemlos. Besonders dankbar war ich für die individuellen Beratungsgespräche. Oftmals hat man das Gefühl in der großen Uni etwas unterzugehen, dem haben diese Gespräche etwas entgegengesetzt. Man hatte sofort Ansprechpersonen und ich fühle mich generell sehr gut betreut.

Möchtet ihr uns von K2teach noch etwas mit auf den Weg geben?

Johannes: Ein „Danke“ auf jeden Fall. Es lief wirklich alles super glatt. Das Praxissemester haben wir ja noch nicht absolviert, trotzdem vermisse ich ein Praktikum. Ich höre oft Erzählungen von Kommilitonen, wie sie im Bachelor mit Lehramtsoption bereits ihr Praktikum hatten – das fehlt mir und diese Unterrichtserfahrungen hätte ich auch gern gemacht. Das würde ich gerne noch außerhalb der Uni nachholen, um die Erfahrungen zu sammeln. In einem Modul planen und führen wir eine einzelne Unterrichtsstunde durch, ansonsten werde ich aber die großen praktischen Erfahrungen dann im Praxissemester sammeln.

Sarah: Ich bin wirklich unendlich dankbar, dass dieses Programm so auf die Beine gestellt worden ist. Mir gefallen die Lehr-Lern-Arrangements, alles ist sehr dynamisch und Lehrkräfte werden flexibel auf heterogene Klassen vorbereitet.

Saskia: Weiter machen!

Die Fragen stellte Berenike Nüsser