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Gastgeber*innen und Gäste 2020

Caitlin Flynn zu Gast bei Antonia Murath (Januar–März 2020)

 
Caitlin Flynn und Antonia Murath

Antonia Murath und Caitlin Flynn werden ihr Projekt „Female Voices in Medieval Literature“ fortsetzen, welches sie gemeinsam mit Prof. Dr. Jutta Eming mit einer internationalen Konferenz desselben Titels im Mai 2019 angestoßen haben.

Die Konferenz hat der Frage nachgeforscht, inwiefern „Stimme“ gegendert werden kann und wie literarische Figuren in deutsch-, schottisch- und englischsprachigen Texten des Mittelalters und der frühen Neuzeit bestimmte Erwartungen, Konventionen und Konstruktionen von Geschlecht erfüllen oder subvertieren. Dies kann an Überkreuzungen von Figurenrede, Genre, linguistischer und rhetorischer Gestaltung sowie auch zeitgenössischer Rezeption in der Forschungsliteratur nachvollzogen werden. Akte des Sprechens oder Schweigens mit der Kategorie des Körpers und körperlicher Aktion, Reaktion oder Inaktivität zu verknüpfen, eröffnet dabei neue Kontexte und Interpretationsrahmen. So hängt die Infragestellung, Subversion oder Affirmation sprachlicher Inhalte immer auch von dem Körper ab, der sie ausspricht. Die Konstruktion solcher Körper und ihrer Rede wird ferner durch komplexe Adaptations- und Transmissionskontexte verkompliziert.

Antonia Murath und Caitlin Flynn werden im Rahmen des DJHP gemeinsam einen Sammelband herausgeben, der die Konferenzergebnisse zusammenbringt und um eine in Co-Autorschaft verfasste theoretisch-methodische Situierung erweitern. Die Publikation wird voraussichtlich als Sonderheft des Journals Nottingham Medieval Studies (Brepols) 2021 erscheinen.

Nachdem sie ihre Dissertation zum Grotesken in älterer schottischer und englischer komischer Literatur verfasst hat, hat Caitlin Flynn ein Alexander-von-Humboldt Stipendiat an der FU Berlin wahrgenommen. Ihre Publikationen reflektieren ihr Forschungsinteresse an spätmittelalterlichen Fabliaux in komparatistischer Perspektive. Dieses hat sie zuletzt während des Humboldt-Stipendiats mit der Untersuchung von Konstruktionen von Weiblichkeit in schottischer und deutscher Novellistik des Mittelalters verfolgt.

Antonia Murath ist wissenschaftliche Mitarbeitern am Institut für deutsche und niederländische Philologie/ ältere deutsche Literatur bei Jutta Eming. Sie arbeitet an einer Dissertation zu den Überkreuzungen von Gender und Figur-Ding Beziehungen in europäischen Fassungen des Floreromans und der Mädchen-ohne-Hände Tradition.

Bashir Abu-Manneh, Ghayath Almadhoun, Nemat Khaled, und Lindsey Moore zu Gast bei Ruth Abou Rached (Juni–Juli 2020)

       

Bashir Abu-Manneh, Ghayath Almadhoun, Nemat Khaled, Lindsey Moore und Ruth Abou Rached

Re-locating the Map: Writing Displacement and Belonging in New Times and Places ist eine Vortragsreihe über palästinensische Literatur mit Bashir Abu-Manneh, Ghayath Almadhoun, Nemat Khaled und Lindsey Moore zu Gast bei Ruth Abou Rached. Durch ihre Vorträge (Bashir Abu-Manneh; Lindsey Moore) und öffentlichen Lesungen (Ghayath Almadhoun; Nemat Khaled) werden die Gäste ihre kritischen und kreativen Perspektiven zu aktuellen Themen der zeitgenössischen palästinensischen Literaturen (Vertreibung, Exil und alternativer Zugehörigkeit) teilen, zentrale Fragen zu Trends und Entwicklungen der palästinensischen Literatur stellen und neue Einblicke in Diaspora-, Migranten- und Exil-Literatur geben.


Vorträge:

Ghayath Almadhoun (DAAD Writer in Residence, Berlin): 16. Juni, 14:00–15:30 Uhr

Bashir Abu-Manneh (University of Canterbury, UK): 23. Juni, 14:00–15:30 Uhr

Lindsey Moore (Lancaster University, UK): 30. Juni, 14:00–15:30 Uhr

Nemat Khaled (Autorin und Journalistin, Berlin): 7. Juli, 14:00–15:30 Uhr

Für weitere Informationen zur Vorlesungsreihe wenden Sie sich bitte an Dr. Ruth Abou Rached unter ruth.abou-rached@fu-berlin.de 

Bashir Abu-Manneh ist Lehrender für postkoloniale Literatur und Direktor des Zentrums für Postkoloniale Studien an der Universität von Kent, Großbritannien. Er ist Autor von The Palestinian novel: From 1948 to the Present (2016) und Fiction of the New Statesman, 1913-1939 (2011). Er ist außerdem Herausgeber einer Sammlung von Essays über Edward Said After Said: Postcolonial Literary Studies in the Twenty-First Century (2019).

Ghayath Almadhoun ist ein in Damaskus geborener palästinensischer Dichter. Seit 2019 ist er Residenzkünstler des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Er erhielt viele Literaturpreise und seine Gedichtbände sind in Werken vieler Künstler zu finden. Seine Arbeiten wurden ins Chinesische, Farsi, Französische, Deutsche, Schwedische und andere Sprachen übersetzt. Eine Auswahl seiner Gedichte mit dem Titel Ein Raubtier namens Mittelmeer (Übersetzung ins Deutsche: Larissa Bender, Arche Literatur Verlag) führte die Litprom-Bestenliste / Sommer 2018 an (die Liste der besten ins Deutsche übersetzten Bücher).

Nemat Khaled ist palästinensische Romanschriftstellerin und Kurzgeschichtenautorin und lebt seit 2015 in Berlin. Sie wurde in Damaskus geboren. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften in Damaskus gründete sie lokale palästinensische Kultur- und Literaturinitiativen und wurde als Journalistin preisgekrönt. Ihre Romane und Kurzgeschichten in arabischer Sprache behandeln vielfältige Aspekte der gelebten palästinensischen Flüchtlingserfahrung aus poetischen und Generationen übergreifenden Perspektiven. Ihr Roman Hannanacht (2009) erzählt die Geschichten der palästinensischen Frauen im Al-Yarmouk Camp, Damaskus (Übersetzung ins Deutsche: Nuha Sarraf-Forst & Angelika Rahmer, Alawi Verlag).

Lindsey Moore ist Senior Lecturer an der Lancaster University, Großbritannien. Sie ist Spezialistin für postkoloniale Theorie und Literaturen der arabischen Welt (einschließlich Nordafrika) nach 1948, mit Fokus auf palästinensische, libanesische und ‚levantinische‘ sowie Migrations-/ Diasporaliteratur. Sie widmet sich den Konfigurationen der nationalen und transnationalen Gemeinschaften mit einem Schwerpunkt auf Gender und Sexualität. Sie ist Autorin von Narrating Postcolonial Arab Nations: Egypt, Algeria, Lebanon, Palestine (2018). Ihr nächster Band Global Literature and the Middle East: Twenty-First Century Arab Perspectives in English soll 2021 erscheinen. ORCID: 0000-0003-3531-7764

Ruth Abou Rached ist Postgraduate Research Associate am Seminar für Semitistik und Arabistik der Freien Universität Berlin. Momentan arbeitet sie im ERC-Projekt PalREAD: Country of Words: Reading and Reception of Palestinian Literature from 1948 to the Present unter der Projektleitung Refqa Abu-Remaileh. Ruth widmet sich den palästinensischen Literaturen und kulturellen Produktionen, die sich in öffentlichen, archivarischen und kulturellen Institutionen im Nahen Osten, in Europa und an anderen internationalen Orten befinden. ORCID: 0000-0001-8961-5586

Louis Nana zu Gast bei Thea Santangelo (Oktober–November 2020)

  
Louis Nana und Thea Santangelo

Louis Nana ist Doktorand der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der Université de Cergy-Pontoise. Sein in cotutèle geführtes Dissertationsprojekt widmet sich den literarischen Tendenzen des "Afro-devenirs" im frankophonen afrikanischen Raum. Thea Santangelo ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanische Philologie und promoviert zum literarischen Futurismus. Seit Frühling 2018 sind beide Mitglieder des Promotionsverbund "Entangled Temporalities in the Global South" der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Das Projekt des Dahlem Junior Host Programms 2020 geht der bis heute noch unerforschten Frage nach den tatsächlichen Wechselbeziehungen zwischen den gegenwärtigen afrofuturistischen Tendenzen und dem historischen italienischen Futurismus nach. Dabei soll die literarische Produktion dieser zwei Bewegungen anhand dreier Konvergenzpunkte untersucht werden: "Afrikanität", "Technologie" und "Gemeinschaft".

Die vergleichende Studie erlaubt auf der einen Seite die literarische Futurismus-Forschung um die afrikanistische und primitivistische Dimension sowie um die darin enthaltene temporelle Problematik zu erweitern. Auf der anderen Seite dient der Vergleich mit dem Futurismus als eine der wichtigsten Theorien der Zukunftsimagination dazu, die spezifischen Merkmale afrofuturistischer Texte besser bestimmen zu können.

Der Gastaufenthalt findet online in Form einer intensiven digitalen Zusammenarbeit statt.

Florian Fuchs zu Gast bei Wolfgang Hottner (1.–31. Juli 2021)

 
Florian Fuchs und Wolfgang Hottner

Wolfgang Hottner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, 2017 promovierte er über anorganische Ästhetik und Poetik im späten 18. Jahrhundert, im Moment arbeitet er an einer Habilitation zur Geschichte und Theorie des Reims. Florian Fuchs ist Komparatist und Medienwissenschaftler, der nach seiner Promotion 2017 an der Yale University über die Emergenz und Praxeologie kurzer Erzählformen in der Moderne nun im Comparative Literature Department der Princeton University unterrichtet. Neben anderen Projekten arbeitet er zur Zeit an einer Studie über Rolle von “Personal Devices” in der Konstitution der westlichen Subjektivität.

Während des vierwöchigen Gastaufenthaltes von Fuchs in Berlin soll das gemeinsame Projekt zu digitalen Formaten und devices in der Gegenwartsliteratur im Zentrum stehen. Konkret geplant sind dabei Auseinandersetzungen über digitale Formate und Formatierungen (wie PDF, PostScript oder GoogleDocs), die Ausformulierung der tatsächlichen Gattungshaftigkeit von “Twitteratur” als Plattformliteratur, sowie die technisch-materielle Rolle von handheld devices. Besonders beachtet wird dabei die gegenwärtig verstärkte Ineinssetzung von digitalen Kleinformen mit den Apparaturen ihrer Rezeption, deren narrative und lebenspraktische Konsequenzen auch anhand ihrer Vorgeschichte vor dem Digitalen aufgearbeitet werden soll. Am Ende der Gasteinladung soll ein ganztägiger öffentlicher Workshop zur Spannung zwischen Device, Format und digitaler Literatur stattfinden.

Weitere Projekte

Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus konnten nicht alle Gastaufenthalte und Veranstaltungen wie ursprünglich geplant durchgeführt werden. Die folgenden Projekte sind noch ausständig. Über neue Termin bzw. Ersatzformate informieren wir zeitgerecht.

Karen Ng, Thomas Khurana und Marc Nicolas Sommer zu Gast bei Karen Koch und Tobias Wieland

       
Karen Ng, Thomas Khurana, Marc Nicolas Sommer, Karen Koch und Tobias Wieland

Im Rahmen des Dahlem Junior Host Programs wird am 2. und 3. Juli 2020 ein Workshop mit Karen Ng, Thomas Khurana und Marc Nicolas stattfinden. Der Workshop wird am Institut für Philosophie der Freien Universität abgehalten werden und sich dem Thema „Life and Logic“ widmen. Ausgehend von der hegelschen Philosophie sowie mit Blick auf verwandte Überlegungen in anderen philosophischen Traditionslinien soll dabei die in letzter Zeit wieder zu philosophischer Aufmerksamkeit gelangte Idee näher betrachtet werden, dass es sich beim Leben um eine logische Kategorie handelt.

Karen Ng ist Assistant Professor an der Vanderbilt University (USA). Mit Beiträgen zu Hegels Organismusbegriff, zum Begriff des Lebens und des Selbstbewusstseins sowie zum Zusammenhang von Leben und Logik hat sie sich als eine der führenden jüngeren Hegelforscher*innen etabliert und wird international diskutiert. In diesem Jahr erscheint das Buch "Hegel’s Concept of Life: Self-Consciousness, Freedom, Logic", welches direkt das Thema unseres Workshops anspricht.

Thomas Khurana ist Lecturer an der University of Essex und forscht derzeit als Heisenberg-Stipendiat an der Yale University. Spätestens seit seiner Arbeit "Das Leben der Freiheit: Form und Wirklichkeit der Autonomie" (2017) gilt er als einer der interessantesten jüngeren Hegelforscher*innen in deutscher Sprache. Thomas Khurana arbeitet mit einem ausgesprochen weiten Interessenhorizont zu Fragen des Verhältnisses von Norm und Natur und allgemein zu Fragen von Autonomie und Selbstbewusstsein.

Marc Nicolas Sommer ist Assistent an der Professur für Geschichte der Philosophie an der Universität Basel. Seine Arbeit Das Konzept einer negativen Dialektik. Adorno und Hegel erschien 2016 und ist bereits breit rezipiert und einschlägig für neuere Debatten in der kritischen Theorie im Anschluss an Hegel.

Karen Koch und Tobias Wieland promovieren beide am Institut für Philosophie zu Hegels Philosophie mit besonderen Blick auf die Kategorie des Lebens in derselben.

Raphael Berthele und Hans-Jörg Döhla zu Gast bei Barbara Schirakowski

   
Raphael Berthele, Hans-Jörg Döhla und Barbara Schirakowski

Im Rahmen des Dahlem Junior Host Program ist für Juli 2020 ein eintägiger linguistischer Workshop zum Thema Verben im Sprachkontakt geplant, zu dem Raphael Berthele und Hans-Jörg Döhla als Hauptvortragende eingeladen sind. Das Hauptziel der Veranstaltung besteht darin, mögliche Einflüsse von Sprachkontakt auf Verben und ihre Ergänzungen zu diskutieren. Dabei werden Fallstudien zu verbbezogenen Phänomenen in Sprachkontaktsituationen vorgestellt, an denen romanische Sprachen beteiligt sind.

Raphael Berthele ist Professor für Mehrsprachigkeit an der Université de Fribourg. In seiner Forschung zu individueller Mehrsprachigkeit beschäftigt er sich u.a. mit Bewegungsverben im französisch-deutschen Sprachkontakt und den Auswirkungen von Sprachdominanz und Sprachmodus auf die Ausgestaltung raumbezogener Äußerungen.

Hans-Jörg Döhla war bis zuletzt Professor für Romanische Sprachwissenschaft an der Universität Tübingen. Er befasst sich im Zusammenhang mit Sprachkontakt u.a. mit der Markierung verbaler Ergänzungen und untersucht, inwieweit es sich bei Sprachwandelerscheinungen um kontaktinduzierte Prozesse handelt.

Barbara Schirakowski ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Institut für Romanische Philologie der FU Berlin. Sie geht in ihrem Projekt der Frage nach, wie der Ausdruck von Handlungsart und Handlungsergebnis im Französischen durch Sprachkontakt zu germanischen Sprachen variieren und sich verändern kann.