HEUREKA - Karrierewege 2025
Zwei Alumnae der Freien Universität, Rosanna Fanni, aktuell tätig bei der UNESCO in Paris als Beraterin zu Künstlicher Intelligenz und Referentin für Wissenschaftsethik, Technologie und Bioethik sowie Svenja Mewesen, Senior Referentin beim Deutsch-französischen Büro für die Energiewende, ebenfalls in Paris, gaben Einblick in ihre Berufsfelder und individuellen Berufslaufbahnen in internationalem Umfeld. Rund 30 Studierende und Alumni nutzen die Gelegenheit, den beiden Alumnae Fragen zu stellen und sich über Möglichkeiten internationaler Karrierewege zu informieren und inspirieren zu lassen.
Welche Kompetenzen erachtet ihr als besonders wichtig im internationalen Bereich?
Das Netzwerken ist sehr wichtig, es kann der entscheidende Zufallsfaktor sein, um über interessante Bereiche und offene Stellen überhaupt erst zu erfahren: „es muss dir auch jemand die Chance geben, deine Kompetenzen unter Beweis zu stellen und die Tür öffnen“. Flexibilität, Sprachkenntnisse und Interkulturelle Kompetenz sind im internationalen Kontext selbstverständlich und nützlich. Wichtig sind insbesondere auch Kommunikationsfähigkeiten – zum einen die Selbstpräsentation, aber auch die Fähigkeit, zu synthetisieren und eigene Ideen klar und verständlich darzulegen. Fachkenntnisse sind gut, noch wichtiger ist jedoch die Fähigkeit sich gut und schnell in neue Themen einzuarbeiten.
Kannst Du kurz von Deiner aktuellen Position berichten?
Svenja arbeitet für das Deutsch-französische Büro für die Energiewende (DFBEW) in Paris, einer Informations- und Netzwerkplattform, die vor 20 Jahren auf Initiative der deutschen und französischen Regierungen gegründet wurde. Die thematischen Schwerpunkte des DFBEW liegen auf, den verschiedenen Erneuerbaren Energien, übergeordneten Strommarktthemen im Kontext der Energiewende, der Dekarbonisierung der Industrie und grünem Wasserstoff, der Elektromobilität und der Wärmewende. Zu Svenjas Aufgaben gehören hauptsächlich die Organisation von Veranstaltungen und die Veröffentlichung von Publikationen auf Deutsch und Französisch, was viel Monitoring, Lektüre, Recherchearbeit und den Austausch mit Mitgliedern des DFBEW und externen Akteuren zu aktuellen Energiethemen beinhaltet. Überwiegend ist ihre Arbeit eher langfristig orientiert, sowohl bei Publikationen als auch Veranstaltungen, was eine relativfreie Arbeitseinteilung bedeutet, die vergleichbar zur wissenschaftlichen Arbeit an der Universität aber auch viel Disziplin und Eigenorganisation sowie -motivation erfordert.
Rosanna arbeitet bei der UNESCO in Paris als Beraterin zu Künstlicher Intelligenz und Ethik in der Sektion Wissenschaft, Technologie und Bioethik. Die UNESCO hat neben vielen anderen Tätigkeitsfeldern ein globales Mandat für Human- und Sozialwissenschaften; der Fokus liegt auf der ethischen Reflektion von neuen Technologien und der Implementation normativer Standards in diesem Bereich. In 2021 wurde ein solches Instrument – die Empfehlung zur Ethik in KI – von den 193 UNESCO-Mitgliedstaaten verabschiedet. Rosanna trägt dazu bei, diesen Standard in Mitgliedstaaten und mit allen Stakeholdern umzusetzen, zum Beispiel durch Unterstützung bei der Erstellung von KI-Strategien. Dies beinhaltet viel Projektmanagement und -koordination: Zurzeit leitet das Team die Durchführung einer Basisanalyse (Readiness Assessment Methodology) in über 80 Staaten. Diese beinhaltet eine detallierte Datenerhebung zur digitalen Infrastruktur, der Gesetzeslage, der KI-Wirtschaftslage und Innovationsförderung, sowie den Einsatz von KI in verschiedenen Bereichen wie der Bildung oder im Kulturwesen. Das erfordert viel Koordination mit den über 56 UNESCO Regionalbüros, Budgetplanung, interne Abstimmung, und zum Teilauch viele Auslandsreisen. Für die G20-Präsidentschaft Südafrikas hat Rosanna im Jahr 2025 die Entwicklung der Technology Policy Assistance Facility für die G20 KI-Task Force mitgeleitet.
Wusstet ihr zu Beginn des Studiums bereits, wo ihr beruflich hinwollt?
Svenja: Ich hatte bereits früh ein großes Interesse an Politik, aber keinen festgelegten Pfad im Kopf. So habe ich mich entschieden in der politikträchtigen Stadt Bonn Politikwissenschaften zu studieren, mit Anglistik im Nebenfach. Mein Weg war von vielen Zufällen geprägt, erst rückblickend erkenne ich einen roten Faden. Im Bachelor habe ich zwei Erasmus-Semester an der Sciences Po in Paris verbracht und wollte danach gerne nach Abschluss meines Studiums in Bonn zurück nach Paris, für den deutsch-französischen Doppelmaster der FU und Sciences Po. Nach dem Studium war ich zunächst in der Strategieberatung im Bereich Public Affairs in Berlin tätig, verspürte aber nach einer Weile den starken Wunsch, auch im Berufsleben noch einmal den Weg ins Ausland zu wagen. Meinen aktuellen Arbeitgeber hatte ich bereits gegen Ende des Studiums durch eine Veranstaltung des Alumnivereins meines Masters „kennengelernt“, dann aber eben erst einmal beruflich etwas anderes gemacht. Von der später offenen Stelle habe ich dann über mein Netzwerk erfahren und diese Chance ergriffen. Mir ist dieser Punkt sehr wichtig, weil er zeigt, wie wichtig auch eher zufällige Begegnungen in Alumnivereinen, Karriereevents usw. sein können. Auch wenn einem das nicht immer sofort (!) klar ist. Ich habe das DFBEW damals bei einem Alumni-Event des AGKV „kennengelernt“, die Info dann 3 Jahre eigentlich nur noch im Hinterkopf gehabt und dann wurde es plötzlich wieder relevant, als ich mir einen Job im Ausland wünschte. So hat es mich wieder nach Paris geführt.
Rosanna: Meine Affinität zu Frankreich hatte sich durch einen Aufenthalt als Au Pair etabliert. Zunächst wollte ich Journalistin werden und studierte drei Semester Journalismus, fand es jedoch zu praktisch und wechselte ins höhere Fachsemester an der FU, wo ich Kommunikations- und Politikwissenschaften studierte. Mein Erasmus-Aufenthalt in London am University College London war schließlich ausschlaggebend dafür, dass ich meine Passion für das internationale Arbeiten entdeckte. Ich beschäftigte mich in dieser Zeit u.a. bei einem dreimonatigen Praktikum bei der Europäischen Kommission in London im Brexit Task Force Team mit Beweggründen für den Brexit, mich interessierte besonders, wie mit Algorithmen bestimmte Wählergruppen durch gezielte Nachrichten und Informationen in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst wurden, und sich bei mir ein großes Interesse für KI herausbildete. Daraufhin entschied ich mich für einen Erasmus Mundus Master Studiengang mit Fokus auf Digitale Technologien und Leadership an der Universität Salzburg und Brüssel mit einem Aufenthalt an der University of California.
Was sind aus Deiner Sicht die Herausforderungen einer internationalen Karriere?
Rosanna: Bei meiner Tätigkeit sind die Stunden und Zeiten, die in meinem Vertrag stehen, nicht immer die tatsächlichen Arbeitszeiten, ich arbeitete gerne – aber auch mehr – durch viele Geschäftsreisen, teilweise an Wochenenden. Hier ist es wichtig, sich stets seine eigenen Prioritäten zu vergegenwärtigen und Ausgleiche zu schaffen. Die politische Arbeit erfordert Resilienz und die Fähigkeit, nicht alle Situationen persönlich zu nehmen, und flexibel zu bleiben, wenn Aufgaben und Entscheidungen in einem schnelllebigen internationalen Kontext mitunter oft und wiederholt neuen politischen Prioritäten angepasst werden.
Svenja: Meine Wahrnehmung hat sich mit der Zeit verändert im Studium und in den den ersten Jahren danach war es leichter, Kontakte auch aus dem Ausland zu halten, da in dieser Phase viele in einer ähnlichen, noch recht „ungebundenen“ Situation waren; ebenfalls oft umgezogen sind, n im Ausland waren usw. Wenn man die 30 überschreitet, entwickeln sich die Lebensrealitäten im eigenen Umfeld oft stark auseinander, viele entscheiden sich für feste Wohnorte, oft doch wieder in der alten „Heimat“, z.B. zur Familiengründung – es wird schwieriger Kontakte auch aus der Ferne zu halten.
Rosanna: Ich sehe es ähnlich, mit dem Älter-werden verändert sich die Flexibilität. Zu bedenken ist auch, dass viele Ortswechsel in kurzer Zeit das Aufrechterhalten der Kontakte erschweren. Aktuell schätze ich die Stabilität und kann mir vorstellen langfristig in Paris zu bleiben.
Habt Ihr Tipps für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche, worauf sollte man sich in der Vorbereitung dafür konzentrieren?
Rosanna: Die KI kann inzwischen als ein gutes Tool der Vorbereitung dienen – eine Möglichkeit ist sich z. B. von gängigen sprachmodellbasierten Tools Fragen zur Vorbereitung stellen zu lassen und Frage-Antwort Spiele zu machen. Die menschliche Komponente bleibt wichtig – es hilft sehr, andere Leute die Bewerbung und den CV lesen zu lassen und verschiedene Perspektiven einzuholen; gerade diejenigen, die selbst Interviews oder Einstellungs-Gespräche führen, geben wertvolles Feedback.
Svenja: Hier helfen wiederum Netzwerke, um im Vorfeld mehr über das Unternehmen, die Organisation, die Tätigkeiten und das Arbeitsumfeld herauszufinden.
Was ist Dein Tipp an Dein jüngeres Ich und die Studierenden?
Svenja: Ich empfehle gegen Ende des Studiums strategisch zu überlegen: Welche Tätigkeit während des Studiums, z.B. Werksstudentenstelle, (Teilzeit-)Praktikum etc., könnte nach dem Abschluss in einem Job münden, um den Übergang besser zu gestalten. Manchmal lohnt es sich, nicht nur die Semesterferien für Praktika nutzen, sondern entweder begleitend zum Studium zu arbeiten oder auch längere Praktika als Option zu erwägen, um tiefere Einblicke in Unternehmen und Berufszweige zu erhalten.
Rosanna: Wer bereits eine bestimmte Zielstadt für die spätere Karriere im Blick hat, sollte versuchen einen Teil des Studiums dort zu absolvieren, dies hilft sehr um die Akteure kennenzulernen und erste Netzwerke innerhalb des Themengebiets aufzubauen.
Und ganz zentral: „Think big!“ Sich selbst herausfordern: Was wäre denn etwas, was drei Stufen zu groß ist? Praktika nutzen für den Reality Check. Sich zu überlegen, was wäre mein idealer Traumjob, in welchen Bereich möchte ich, wenn ich könnte? Und sich dann Schritt für Schritt einarbeiten.
Rosanna Fanni, Beraterin zu Künstlicher Intelligenz und Referentin für Wissenschaftsethik, Technologie und Bioethik, UNESCO, Paris
Rosanna schloss 2018 ihren Bachelor in Politikwissenschaften und Kommunikations-wissenschaften an der Freien Universität Berlin ab, im Rahmen dessen sie ein Semester an dem University College London studierte. Es folgte 2020 der Abschluss des Erasmus Mundus Doppelmasters Digital Communication Leadership an der VUB Brüssel und der Universität Salzburg, mit einem Studienaufenthalt an der University of California. Während ihres Studiums absolvierte sie Praktika, u.a. bei der Europäischen Kommission und beim Europäischen Parlament. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Researcher und Projektkoordinatorin am Center for European Policy Studies in Brüssel und absolvierte einen Forschungsaufenthalt in Washington D.C. bei The Brookings Institution. Seit Dezember 2023 arbeitet Rosanna bei der UNESCO in Paris, als Beraterin zu Künstlicher Intelligenz (u.a. für die G20) und Referentin für Wissenschaftsethik, Technologie und Bioethik.
Svenja Mewesen, Senior Referentin beim Deutsch-französischen Büro für die Energiewende, Paris
Svenja absolvierte von 2012 bis 2016 ihren Bachelor in Politikwissenschaften und Anglistik/Amerikanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und verbrachte im Rahmen ihres Studiums zwei Semester an der Sciences Po Paris. Es folgte der Doppelmaster in Politikwissenschaften und European Affairs an der Freien Universität Berlin und der Sciences Po Paris, den sie 2019 abschloss. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Beraterin in einem Kommunikations- und Strategieberatungsunternehmen im Bereich Public Affairs in Berlin. Seit Oktober 2021 arbeitet sie als Senior Referentin beim Deutsch-französischen Büro für die Energiewende in Paris.
Die Veranstaltung „HEUREKA – Internationale Karrierewege“ wurde erstmals im Rahmen des HEUREKA-Berufsperspektivtags 2024 vom Alumni-Büro gemeinsam mit dem Frankreichzentrum der Freien Universität Berlin ausgerichtet.
Die Veranstaltung "Internationale Karrierewege" wird jährlich vom Alumni-Netzwerk der Freien Universität gemeinsam mit dem Career Service der Freien Universität durchgeführt. Die jährlichen Termine in der Reihe werden u.a. im Terminkalender des Alumni-Netzwerks veröffentlicht.
Das Alumni-Netzwerk der Freien Universität Berlin steht allen Ehemaligen aus dem In- und Ausland offen. Dazu zählen nicht nur Absolventinnen und Absolventen, sondern auch Austauschstudierende, Beschäftigte und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ziel des Alumni-Netzwerks ist es, die Verbindung zu Ehemaligen weltweit zu pflegen und Alumni und ihre Expertise in die Aktivitäten der Hochschule einzubinden. Weitere Informationen und die Online-Registrierung finden Sie auf den Seiten des Alumni-Netzwerks.

