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Kolumne des Präsidenten der Freien Universiät

16.06.2020

Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität

Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität
Bildquelle: Maik Machals

Wenn die Kinder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freien Universität, die ihre Eltern im Homeoffice begleiten, ein Bild der Universität malen, was bringen sie dann wohl aufs Papier?

Malen sie den großen, grünen Campus und die architektonischen Highlights der Freien Universität, etwa den Henry-Ford-Bau oder die Kuppel der Philologischen Bibliothek von Lord Norman Foster? Menschenleere Plätze, viele Bäume, vielleicht sogar die exotischen und seltenen Pflanzen im Botanischen Garten? So sehr mir das Bild unseres Campus auch gefällt – ich glaube eher, dass sich die kleinen Künstlerinnen und Künstler von Menschen inspirieren lassen würden, und zwar von den Menschen unserer Universität.

Ihre Bilder werden keinen verlassenen grünen Campus zeigen, sondern eine sehr lebendige und bunte Gemeinschaft. Fast 50000 Mitglieder zählt die Universität. Menschen, die gemeinsam verantwortlich handeln und deshalb derzeit nicht in großer Zahl auf den Campus kommen. Menschen, die Abstand halten, weil sie Busse und die leider immer noch häufig viel zu lang getaktete und zugleich viel zu kurze und damit oft viel zu volle U-Bahn in Richtung Dahlem entlasten.

Wir alle sind heute vorsichtig und in kleinen Schritten auf dem Weg in den eingeschränkten Präsenzbetrieb. Die meisten Labore wurden wieder geöffnet, und es wird heftig und hoffentlich erfolgreich pipettiert und kalibriert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Einrichtungen kehren langsam in ihre Büros zurück – und weil wir auch dann gemeinsam verantwortlich handeln, weil wir Abstands- und Hygieneregeln berücksichtigen, fallen wir uns, selbst wenn es noch so schwerfällt, trotz großer Wiedersehensfreude nach dieser langen Zeit nicht vor Begeisterung in die Arme.

Was leider nicht sofort sichtbar wird, was aber die Kinder (und die Partner oder Partnerinnen) der Mitglieder unserer Universität wissen: Die Freie Universität hat über Monate hinweg verteilt über die ganze Stadt – und auch darüber hinaus – stattgefunden. Intensiv, hochengagiert und manchmal auch ziemlich einsam. Im Homeoffice aus dem Wohnzimmer, mit Vorlesungen aus der Küche und in die Küche, in Bachelorarbeiten, die am viel zu kleinen Schreibtisch im WG-Zimmer verfasst wurden. In Video-Konferenzen mit gelegentlichen Tonproblemen, aber mit engagierter Unterstützung aus den verschiedensten Bereichen der Hochschule, von der Personalabteilung bis zu den IT-Stellen.

Wir, das Präsidium der Freien Universität, sind allen Mitgliedern unserer Gemeinschaft, insbesondere unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unglaublich dankbar für das Mitmachen, Mitgestalten und Durchhalten und für das großartige Engagement.

Auch das kommende Wintersemester wird nicht regulär sein. Wir haben uns fest vorgenommen, unsere Erstsemester im Herbst vor Ort willkommen zu heißen – aber alle großen Veranstaltungen werden, um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden, online stattfinden. Das wird uns gelingen, gewiss. Aber wir freuen uns trotzdem schon jetzt darauf, wenn wir alle, als große Gemeinschaft, im Sommersemester 2021 wieder Präsenz zeigen. Wir freuen uns, wenn die Bilder der Kinder real werden und wir auf unserem grünen Campus in Dahlem wieder lernen, forschen, lehren, diskutieren und organisieren – und unseren Beitrag zur Zukunft leisten. Gemeinsam.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin


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