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Algorithmen, Bots und Trolle

Vortrag am 21. Oktober im Rahmen der Reihe: Made in Dahlem – Junge Forschung aus der Freien Universität

26.09.2019

Ulrike Klinger, Juniorprofessorin für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität, erforscht die Auswirkungen der Digitalisierung auf den politischen Diskurs. Am 21. Oktober spricht sie im Rahmen der Reihe „made in Dahlem: Junge Forschung aus der Freien Universität“ in der Urania Berlin über „Algorithmen, Bots und Trolle: Wahlkämpfe und Meinungsbildung in digitalen Zeiten“.

Juniorprofessorin für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitale Kommunikation unter Berücksichtigung von Genderaspekten.

Juniorprofessorin für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitale Kommunikation unter Berücksichtigung von Genderaspekten.
Bildquelle: Jan Kopankiewicz

Frau Klinger, der öffentliche Diskurs findet auch in Deutschland zunehmend in den sozialen Medien statt: auf Facebook, Twitter oder Instagram. Bei vielen Menschen wächst die Sorge, dass digitaleTechnologien denMeinungsbildungsprozess verzerren.

Nur weil eine Technologie neu ist und Dinge verändert, ist sie nicht gleich gefährlich. Aber tatsächlich war unser Blick, als die sozialen Medien vor etwa 15 Jahren entstanden, zunächst zu optimistisch. Digitale Medien wurden vor allem mit neuen Möglichkeiten politischer Beteiligung, Dialog und Austausch in Verbindung gebracht – etwa im Zuge des sogenannten „Arabischen Frühlings“ im Jahr 2011. Mittlerweile hat sich aber gezeigt, dass soziale Medien nicht nur Autokratien herausfordern können, sondern auch Probleme für demokratische Prozesse mit sich bringen.

Welche Probleme sehen Sie besonders?

Zum Beispiel die Tatsache, dass sich falsche Informationen in den sozialen Medien schneller und mit größerer Reichweite verbreiten als Fakten und sachlich richtige Informationen. Das liegt zum Teil auch an den Nutzern selbst, die häufig Inhalte teilen, ohne sie vorher angeklickt und gelesen zu haben. Andere viel diskutierte Themen sind Filterblasen und Echokammern, also die Vorstellung, dass Nutzer sozialer Medien vor allem unter Gleichgesinnten bleiben. Dafür gibt es bislang aber kaum belastbare Belege. Tatsächlich sind jedoch alle in den sozialen Medien lesbaren Informationen von Algorithmen vorselektiert und personalisiert. Das könnte dazu führen, dass die Verbreitung einer gemeinsamen, von allen geteilten Vorstellung der gesellschaftlichen Realität abnimmt.

Wie sollte darauf reagiert werden?

Das sind komplexe Herausforderungen, da sind alle gefragt. In der Wissenschaft können wir die Dynamik derzeit nur in sehr begrenztem Rahmen erforschen, weil die Plattformen den Zugang zu Daten beschränken oder ganz verweigern. Das wiederum sorgt für Probleme bei der Regulierung, weil man nur regulieren kann, was man gut versteht. Momentan gibt es, wie etwa zuletzt vor der Europawahl, einen Flickenteppich an Maßnahmen von verschiedenen Akteuren: Jeder tut, was er kann. Aber es wäre wichtig, eine gemeinsame Basis zu finden und Politik, Wissenschaft, Medien und Industrie besser zu vernetzen.

Müssen also die Plattformen mehr in die Pflicht genommen werden?

Das sind meist börsennotierte Unternehmen, die zunächst ihren Aktionären verpflichtet sind, nicht der Gesellschaft. Es stellt sich daher schon die Frage, obmanes den Unternehmen überlässt, sich um diese Probleme zu kümmern – oder ob man es als Gesellschaft auch selbst in die Hand nimmt, eine Veränderung herbeizuführen.

Die Fragen stellte Dennis Yücel