Konzert | Gesprächskonzert “Dances of Agency” , Silke Lange und Florian Juncker (Ensemble LUX:NM) und Nicola L. (Hochschule für Musik Lübeck)
Dances of Agency. Musik zwischen Mensch und Maschine
Mensch und KI-Systeme in eine unmittelbare, gewinnbringende und wechselseitige musikalische Interaktion zu bringen stellt nach wie vor eine Herausforderung dar – auf technischer wie auf musikalischer Ebene. In Dances of Agency. Musik zwischen Mensch und Maschine, einem Improvisationsformat, entsteht diese Echtzeitinteraktion zwischen menschlichen Musiker:Innen und einem Musical Agent System, welches aus drei virtuellen Musiker:Innen besteht. Basierend auf dem Material, das die menschlichen Musiker:Innen in ihrer Improvisation hörbar machen, generieren drei Musical Agents klangliche Reaktionen, um live zusammen zu musizieren. Für das Musical Agent System wird eine korpusbasierte Klangsynthese verwendet, die Machine Listening (Chroma, MFCC, Onset, Pitch) und Machine Learning (k-NN) basierend auf der Somax2 Library (Assayag et al. 2022) nutzt, um das Material der menschlichen Musiker:Innen live aufzuzeichnen, zu analysieren und daraus dann neue Klänge zu generieren. Das System wird also nur von den auf der Bühne befindlichen Musiker:innen gespeist. Ein zusätzliches externes Mikrofon dient als Einflussfaktor, um im Musical Agent System unterschiedliche Feedbackschleifen entstehen zu lassen und somit eine musikalische Entwicklung zu forcieren. So entsteht über das System und aus dem Zusammenspiel der Musiker:innen eine Interaktion zwischen menschlichen und maschinellen musical agents. Diese Art der Mensch-Maschinen Improvisation ist an die Formen von Agency angelehnt, die Andrew Pickering als Dances of Agency (Pickering 2010) beschreibt – eine (musikalischen) Interaktion zwischen Mensch und Maschine, die auf einer dynamischen und emergenten Form von Agency fußt.
Musiker:innen: Silke Lange (Akkordeon) und Florian Juncker (Posaune); LUX:NM
Konzeption Agents und Programmierung: Nicola L. Hein (Agents)
Konzept: Miriam Akkermann (Querflöte)
LUX:NM ist ein in Berlin beheimatetes, selbstbestimmtes Kollektiv für zeitgenössische Musik. Seit 2010 entwickelt das Ensemble neue Projekte an den Schnittstellen von Kammermusik, Performance, Musiktheater und Improvisation. Mit flexibler Besetzung, interdisziplinären Ansätzen und eigener künstlerischer Handschrift agiert LUX:NM gleichermaßen als Interpretin, Initiatorin und Gestalterin vielfältiger Klangwelten. www.luxnewmusic.de
Silke Lange ist Berliner Akkordeonistin, Klangkünstlerin und Mitgründerin des Ensembles LUX:NM. Ihr Schwerpunkt liegt auf Neuer Musik, improvisierter Musik und interdisziplinären Projekten. Sie initiierte zahlreiche Uraufführungen, konzertiert international auf renommierten Festivals und arbeitet zudem in Theaterproduktionen, als Kuratorin und Leiterin von Konzertprojekten.
Florian Juncker ist als Posaunist seit mehreren Jahrzehnten in Berlin tätig und widmet sich insbesondere der zeitgenössischen Musik, der Improvisation, transtraditioneller Musik sowie dem Jazz. Er gehört dem Ensemble LUX:NM an und ist zudem in verschiedenen Besetzungen und als Solist auf internationalen Festivals zu erleben.
Nicola L. Hein ist Professor für Sound Arts & Creative Music Technology und künstlerischer Leiter des Studios für elektronische Musik an der Musikhochschule Lübeck. Er ist Klangkünstler, Gitarrist, Komponist und Forscher im Bereich Musikästhetik und Kybernetik. Seine Arbeit ist geprägt vom Zusammenspiel von Klang, Raum, Licht, Bewegung und der sich entwickelnden Dynamik ästhetischer Systeme. Seine Werke wurden in mehr als 30 Ländern realisiert, u.a. bei MaerzMusik Festival (Berlin), Ars Electronica (Linz), NIME, AIMC, Super Deluxe (Tokio), Sonica Festival (Glasgow), Experimental Intermedia (New York).
Miriam Akkermann hat die Ernst-von-Siemens Musikstiftungsprofessur für Neue Musik an der Freien Universität in Berlin inne. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, Musiktechnologie, musikalische Aufführungspraxis und Musikarchivierung, sowie der Themenbereich „Musik auf Schlaf“. Ihre künstlerischen Arbeiten wurden international auf Festivals gezeigt, und umfassen Klanginstallationen, Fixed Media Kompositionen und Performances mit Live Elektronik.
Zeit & Ort
20.01.2026 | 16:00 - 18:00
SR III,
Institut für Theaterwissenschaft,
Grunewaldstr. 35,
12165 Berlin
