Vorwort

Blick auf den Neubau in der Fabeckstraße
Blick auf den Neubau in der Fabeckstraße Bildquelle: Stefan Müller-Naumann

Mit dem Einzug in den Neubau für die Kleinen Fächer geht ein starkes Signal aus für jene Disziplinen der Freien Universität, die nur dem Namen nach klein sind. Diese Fächer waren für die Arbeit und das Selbstverständnis der Freien Universität von Beginn an essenziell; sie haben mit dem Neubau in der Fabeckstraße einen gemeinsamen Ort erhalten, der die interdisziplinäre Zusammenarbeit erheblich erleichtern wird. Dabei fügt der Neubau der Geschichte des Campus der Freien Universität ein Kapitel hinzu und schreibt diese fort.

An den Anfängen der Freien Universität standen Aufbruchsgeist und Gestaltungswille. Es erschien während der Berlin-Blockade 1948 gänzlich unwahrscheinlich, dass mitten im Winter, als es in West-Berlin an allem fehlte, eine Universität gegründet würde. Die ersten Professorinnen und Professoren, Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen in Zweckgebäuden und ehemaligen Wohnhäusern im Stadtteil Dahlem unter. Über die Jahre kamen viele kleine und größere Standorte im Südwesten Berlins hinzu, und die verstreuten Villen waren ein Charakteristikum der Freien Universität – einzigartig in Deutschland und aus der Entstehungsgeschichte der Hochschule zu erklären.

Mit der Größe der Universität wuchs der Raumbedarf, und der Campus der Freien Universität wandelte sich. Mit Mitteln der US-amerikanischen Ford Foundation wurde in den 1950er Jahren das zentrale Hörsaalgebäude Henry-Ford-Bau errichtet. Die großzügige Anlage mit weißen Fassaden, kombiniert mit Naturstein und einem gläsernen Foyer, gaben dem Wert der Freiheit und dem Streben nach Erkenntnis einen Raum. Mit der später sogenannten Rostlaube – 1973 bezogen – entstand ein strukturalistisches Bauwerk von großer Luzidität, das weit über Berlin hinaus bekannt ist. Der Gebäudekomplex mit der später angeschlossenen sogenannten Silberlaube wurde mit der vom Architekten Lord Norman Foster entworfenen, 2005 eröffneten Philologischen Bibliothek erweitert. Die Zusammenführung einer Vielzahl von Einzelbibliotheken, eine modernste Ausstattung und ausgedehnte Öffnungszeiten haben an der Freien Universität eine Wegmarke für zeitgemäße Wissenschaft gesetzt. An diese knüpft die 24 Einzelbestände vereinigende Campusbibliothek Natur-, Kultur- und Bildungswissenschaften, Mathematik, Informatik und Psychologie an.

Noch immer betreibt die Freie Universität eine Vielzahl kleiner Häuser und Standorte – viele mit ganz eigenem Charme. Doch sind nicht alle Gebäude für eine Universität heutzutage angemessen nutzbar; das gilt für den Einsatz von Energie und für die Ausstattung der Bibliotheken. Und mag es auch angenehm sein, im grünen Stadtteil Dahlem unterwegs zu sein, so waren doch die ausgedehnten Wege zwischen den Instituten für die Angehörigen der Freien Universität nicht immer leicht zu bewältigen.

Der im Frühjahr 2015 eröffnete, mit Holz verschalte Erweiterungsbau auf dem ehemaligen Obstbaugelände an der Fabeckstraße hat eine Reihe von Kleinen Fächern räumlich zusammengeführt. Der Bau war das größte Projekt, das die Freie Universität Berlin je als Bauherrin verantwortete. Für die Finanzierung des Gebäudes akquirierte sie erfolgreich Fördermittel auf durchaus ungewöhnlichem Weg: Weil der Hochschulbau in die Angelegenheiten der Bundesländer fällt, kann der Bund Neubauten und wissenschaftliche Infrastruktur allein im Rahmen der von ihm anerkannten Forschungsvorhaben unterstützen. Die Konzentration der Kleinen Fächer und ihrer Bibliotheken unter einem Dach wurde als förderungswürdig anerkannt, weil dadurch erhebliche wissenschaftliche Synergien erzeugt würden. An der erfolgreichen Akquisition haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften, die am Förderantrag konzeptionell mitarbeiteten, einen entscheidenden Anteil. Es ging darum, die Struktur des Fachbereichs, der wesentlich durch die Kleinen Fächer geprägt ist, räumlich umzusetzen: um einen Bezug von Einheit und Vielfalt, der spannungsreich und dynamisch ist. Ihren Anteil an der Gebäudefinanzierung hat die Freie Universität zum Teil durch einen Verkauf der aufgegebenen Standorte erbracht.

Waren es das Miteinander und der Austausch auf engem Raum, die zu Beginn an der Freien Universität eine Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden schufen, so ist dieser Gedanke in neue Orte überführt worden: in die lichten Räume des Henry-Ford-Baus, in das Gitternetz der Wege in der Rost- und Silberlaube und jüngst in den Erweiterungsbau mit bestens ausgestatteter Campusbibliothek. Eine Begegnung im Zeichen der Wissenschaft wird jedoch von den Menschen getragen, die hier wirken, als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer exzellenten Arbeit, als Studierende, die hier ihren Weg zu Erkenntnis und Kompetenz beginnen oder fortsetzen, und als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Erfolg der Freien Universität beitragen.

Der Beginn eines weiteren Kapitels in der Geschichte des Campus – der Einzug in den Neubau für die Kleinen Fächer – gibt Anlass innezuhalten und zurückzublicken. Mit diesem Band wollen wir die Historie der Freien Universität im Spiegel ihrer Villen und Gebäude würdigen und die Fächer an diesen Orten dokumentieren. Wir danken der Autorin Simone Ladwig-Winters für intensive Recherchen und immense Arbeit. Weiterhin gilt unser Dank den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Technischen Abteilung der Freien Universität Berlin, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Kleinen Fächer sowie der Dekanin des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften Karin Gludovatz für ihre Beiträge zum Gelingen des Buches. Die Leiterin des Universitätsarchivs Birgit Rehse und die ehemalige Leiterin der Bibliothek für Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Psychologie, Gabriele Ellendt, haben maßgeblichen Anteil an der Idee und am Zustandekommen des Buches. Auch ihnen sei gedankt.

Berlin, im Mai 2015

Peter-André Alt
Präsident der Freien Universität Berlin

Peter Lange
Kanzler der Freien Universität Berlin bis Ende 2015