"24 in 1" – ein Projektname für den Bibliotheksneubau

Der Neubau für die Kleinen Fächer mit gerundetem Fensterelement und Blick in einen Aufenthaltsraum.
Der Neubau für die Kleinen Fächer mit gerundetem Fensterelement und Blick in einen Aufenthaltsraum. Bildquelle: Stefan Müller-Naumann
Campusbibliothek
Campusbibliothek Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Der Komplex Rost- und Silberlaube verfügte bei seiner Fertigstellung über keine große gemeinsame Bibliothek, sondern nur über verschiedene Einzelbibliotheken. In einem ersten Schritt entstand die Bereichsbibliothek Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften, später: Bereichsbibliothek Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Psychologie, die 1984 fertiggestellt wurde.

Manfred Schiedhelm, bereits am Bau von Rost- und Silberlaube beteiligt, hatte dafür ein Gebäude mit eigenen Charakteristika entwickelt. Lediglich in der Rasterung orientiert sich der Bau an der Struktur von Rost- und Silberlaube, ansonsten unterscheidet er sich deutlich – insbesondere durch die Höhe: Sieben halbgeschossig angeordnete Ebenen stehen einander wechselseitig gegenüber.

Bei den Materialien kam nun auch Holz zum Einsatz. Der Anbau hebt sich auch durch das verglaste Giebeldach von den bisherigen Gebäudeteilen ab. Nach der Auflösung und Integration einzelner Bereiche der Pädagogischen Hochschule (PH) in Lankwitz nahm die Bereichsbibliothek einen erheblichen Teil der dort vorhandenen Bestände auf. Verschiedene andere Bibliotheken wie die der Psychologie fanden hier ebenfalls ein neues Quartier. In der Bibliothek wurden von 2004 an fast jährlich neue Bestände als Vorbereitung auf die zu gründende Campusbibliothek aufgestellt.

Das hohe bepflanzte Atrium und die Lesezonen boten den Studierenden ein angenehmes Arbeitsumfeld mit 260 Leseplätzen. Mängel an der Fußbodenheizung und beim Sonnenschutz machten jedoch eine grundlegende Sanierung erforderlich. Dafür wurden 2012 vorübergehend alle Bücher der Bibliothek ausgelagert – rund ein Viertel in den Mensabau in der Van’t-Hoff-Straße. Während der Sanierung war ein Teil des Bibliotheksbestands – knapp 100 000 Bücher – im Bau der Mensa zugänglich.

In einem zweiten Schritt der Zusammenführung von Bibliotheken wurde innerhalb des Gebäudekomplexes die Philologische Bibliothek errichtet und 2005 eröffnet. Der von Lord Norman Foster konzipierte Bibliotheksbau wurde als Solitär in die Rost- und Silberlaube integriert. Mit seiner räumlich großzügigen inneren Organisation erhebt er sich deutlich über das Niveau des umgebenden Gebäudekomplexes und ist überwölbt von einem eleganten Dach. Die Bibliothek bündelt inzwischen 14 Einzelbibliotheken, beispielsweise für Anglistik, Germanistik, Niederlandistik und Philosophie. Rund um den Bau der Philologischen Bibliothek wurden die durch Asbest belastete Rostlaube, die nun eine Bronzefassade erhielt, und die Silberlaube saniert.

In einem dritten Schritt sollte nun die neue Campusbibliothek eine Fülle von Einzelbibliotheken vereinigen, woraus sich der Projektname „24 in 1“ ergab. Außer einer Bibliothek für die Kleinen Fächer findet hier auch eine für die Naturwissenschaften Platz, mit den bislang separaten Bibliotheken der Pharmazie, der Chemie und Biochemie, der Biologie, der Mathematik und Informatik sowie der Physik. In diesem neu geschaffenen Bibliothekskomplex wurde ein Volumen von rund einer Million Bänden untergebracht, zugleich entstanden 950 Arbeitsplätze für die Nutzerinnen und Nutzer der Bibliothek. Die Campusbibliothek wird im Neubauteil durch große Oberlichter von Tageslicht erhellt.

Die Bibliothek integriert sich baulich vollständig in den Gesamtneubau; dabei war die planerische Herausforderung zu meistern, eine räumliche Koppelung an die vorhandene und während des Baus sanierte Bereichsbibliothek Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Psychologie herzustellen. Der Eingangsbereich musste neu ausgerichtet und ein Geschossvorsprung überwunden werden. Ein problemloser Übergang ist nun möglich, und die Zugänge wurden gegen Bücherdiebstahl gesichert.

Im Vorfeld der Neustrukturierung der so unterschiedlichen Bücherbestände haben Bibliothekarinnen und Bibliothekare über Jahre hinweg die vorhandenen Bände der Kleinen Fächer, die alle eigenen Fachsystematiken folgten, nach der sogenannten Regensburger Verbundklassifikation (RVK) umsigniert.

In vielen Fällen mussten schwierige Entscheidungen gefällt werden, etwa in welcher Anzahl von Exemplaren ein Buch einzustellen ist, je nachdem, ob es vorrangig für die Forschung oder für die Lehre benötigt wird.Es stellte sich auch die Frage, welche der Bücher restauriert werden sollten. Die Räume der Rara-Sammlung schaffen in der neuen Bibliothek die klimatisch notwendigen Voraussetzungen, die in den Instituten fehlten, um wertvolle Buchexemplare angemessen unterzubringen.

Einheitlich lange Öffnungszeiten, auch an den Wochenenden, machen die Präsenzbibliothek zu einem wichtigen Arbeitsort für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende. Auch in Zeiten der digitalen Speicherung von Daten wird die Notwendigkeit der materiellen Sicherung von textlicher Überlieferung fortbestehen. Die neue Campusbibliothek bietet nach den heutigen Standards beste Möglichkeiten, den unterschiedlichen Anforderungen der modernen Medien- und Datenaufbewahrung gerecht zu werden.