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Radeln für einen guten Zweck

Mit einer Benefiz-Tour quer durch Europa sammeln zwei Studenten Spenden für Flüchtlinge

27.02.2015

Von Gibraltar über Istanbul bis zum nördlichsten Punkt Europas: 12.000 Kilometer fahren die Studenten Niklas und Sven mit dem Fahrrad, um Flüchtlinge zu unterstützen.
Von Gibraltar über Istanbul bis zum nördlichsten Punkt Europas: 12.000 Kilometer fahren die Studenten Niklas und Sven mit dem Fahrrad, um Flüchtlinge zu unterstützen. Bildquelle: Sven Wang
Gemeinsam gewandert sind sie bereits. Jetzt zieht es Niklas Gerhards (re.) und Sven Wang mit dem Fahrrad auf Europas Straßen. Die erste Etappe der sechsmonatigen Tour führt sie von Gibraltar über die Pyrenäen nach Norditalien.
Gemeinsam gewandert sind sie bereits. Jetzt zieht es Niklas Gerhards (re.) und Sven Wang mit dem Fahrrad auf Europas Straßen. Die erste Etappe der sechsmonatigen Tour führt sie von Gibraltar über die Pyrenäen nach Norditalien. Bildquelle: Niklas Gerhards

Fremde Länder und Kulturen sehen, Abenteuer erleben, aktiv sein – und dabei Gutes tun: Zwei Studenten machen aus diesem Traum Wirklichkeit. Und haben sich nicht gerade wenig vorgenommen. Niklas Gerhards, Medizinstudent an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem gemeinsamen medizinischen Fachbereich von Freier Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin, und Sven Wang, Mathematikstudent an der Ludwig-Maximilians-Universität München, werden mit dem Fahrrad quer durch Europa fahren: von Gibraltar nach Istanbul und weiter bis zum Nordkap. 12.000 Kilometer ist die Route lang, die die Studenten innerhalb von sechs Monaten bewältigen wollen. Doch die beiden haben nicht nur sportliche Ambitionen: Mit der Aktion, der sie den Titel „Cycling for Syria“ gegeben haben, wollen sie Spenden für Projekte der Hilfsorganisation Ärzte der Welt sammeln und so die medizinische Versorgung syrischer Flüchtlinge in Flüchtlingslagern unterstützen.

„Ich wollte so etwas immer schon machen“, sagt Niklas Gerhards. Seit etwa einem Jahr hat der Medizinstudent den Drang, für eine Weile den Alltag an der Charité hinter sich zu lassen und etwas ganz anderes zu machen. „Möglichst in Verbindung mit körperlicher Aktivität und für einen guten Zweck.“

Seinem Freund Sven Wang ging es ähnlich. Der Mathematikstudent von der Ludwig-Maximilians-Universität München hat schon Erfahrung mit ungewöhnlichem Reisen: Nach dem Abitur wanderte der damals 16-Jährige mit einem Freund von Aschaffenburg bis ans italienische Mittelmeer – begleitet von einem Esel, den sie sich von einem benachbarten Bauern geliehen hatten.

Sven und Niklas haben sich vor gut anderthalb Jahren bei einer Sommerakademie der Studienstiftung des Deutschen Volkes im Engadin kennengelernt – und gleich ihre gemeinsame Leidenschaft fürs Wandern entdeckt.

Für die Studenten war klar: Wenn sie eine Tour durch Europa machen, soll sie einem guten Zweck dienen. „Bei der Wanderung ans Mittelmeer haben wir durch den Esel viel Aufmerksamkeit von der Presse bekommen“, sagt der 19-jährige Sven. „Damit hatten wir gar nicht gerechnet.“ Nun hofft er, dass das Interesse der Medien hilft, um für das aktuelle Projekt zu werben. Niklas und Sven haben außerdem Kontakte zur Wirtschaft geknüpft. Ihre Idee: Unternehmen könnten schon gespendete Beträge verdoppeln und damit weitere Anreize schaffen, zu spenden.

Die Wahl fiel auf Ärzte der Welt

Welches Projekt die Studenten unterstützen wollten, überlegten sie sehr genau. „Uns war wichtig, dass wir Spenden für eine Organisation sammeln, die sehr transparent arbeitet“, sagt Niklas Gerhards. Die Wahl fiel schließlich auf die Organisation Ärzte der Welt, die mithilfe verschiedener Projekte hilfsbedürftige Menschen in Krisensituationen unterstützt, also in Kriegsgebieten oder Regionen, die durch Naturkatastrophen zerstört wurden. Niklas und Sven wollen Spenden für die medizinische Grundversorgung von syrischen Flüchtlingen in Flüchtlingslagern im Libanon, in der Türkei und in Jordanien sammeln. Mit zwei Mitarbeitern der Hilfsorganisation stehen die Studenten in ständigem und engem Kontakt – auch ein Punkt, der ihnen wichtig war.

Aus den zunächst vagen Reiseplänen entwickelte sich schließlich das konkrete Vorhaben, Europa mit dem Fahrrad zu erkunden – nicht mit dem Auto und auch nicht zu Fuß. „Das Fahrrad ist der perfekte Mittelweg“, findet Niklas. „Man ist an der frischen Luft, nimmt die Umgebung wahr und ist trotzdem schnell und sportlich unterwegs.“ Sportlich ist die Strecke von 12.000 Kilometern in der Tat: Von Gibraltar aus geht es über die Nordküste Spaniens, durch Südfrankreich und Norditalien entlang der östlichen Adria bis nach Istanbul. Von dort fahren Sven und Niklas Richtung Norden, westlich an der Ukraine vorbei, über Lettland, Estland und Finnland hinauf zum norwegischen Nordkap, dem nördlichsten Punkt Europas. Auch wenn die beiden ein halbes Jahr lang für die Tour trainiert haben, „ein Sprung ins kalte Wasser ist es trotzdem“, sagt Niklas.

Für alle Klimazonen gewappnet

Entscheidend für das Gelingen der Fahrt sind die Fahrräder, die sie durch ganz Europa tragen sollen. Auf zwei Kriterien kam es bei der Wahl an: „Sie müssen sehr stabil sein, der Rahmen darf auf keinen Fall brechen“, sagt Niklas Gerhards. „Und sie müssen schnell sein. Die Räder, für die wir uns jetzt entschieden haben, besitzen hervorragende Laufeigenschaften.“

Im Gepäck haben sie neben Zelt und Schlafsäcken auch Winter- und Sommerkleidung – denn während es in den Sommermonaten in Bulgarien und der Türkei sehr heiß wird, können die Temperaturen in Lappland im September bereits unter Null liegen. Mit dabei außerdem: Werkzeug. Denn im Notfall müssen die beiden mehr reparieren können als platte Reifen.

Ein grober Zeitplan gliedert die Route. So wollen die Radler im Juni die türkische Metropole erreichen. Andererseits soll der Plan nicht zum Dogma werden: „Wir möchten spontan entscheiden, wie lange wir an einem Ort bleiben, und lieber an den Tagen Strecke machen, an denen wir ohnehin im Sattel sitzen.“ An einem Tag 120 oder 160 Kilometer weit zu fahren, sei durchaus realistisch. Und wenn sie erst im Juli in Istanbul ankämen, sei auch das völlig in Ordnung, sagt Niklas. „Wir wollen ja nicht nur Landschaften sehen, sondern mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen und ihre Kultur kennenlernen.“ In verschiedenen Städten haben sie schon jetzt Ansprechpartner, durch Freunde, Bekannte und über ihre Facebook-Seite.

Genau der richtige Zeitpunkt

Sowohl Niklas als auch Sven haben lange für eine solche Reise gespart, Ausrüstung und Verpflegung finanzieren sie nur aus Rücklagen. Von den Spendengeldern profitieren sie selbstverständlich nicht, betont Niklas. Sie werden ausschließlich den syrischen Flüchtlingen zugutekommen. Den Zeitpunkt für ihre Tour haben die jungen Männer ebenfalls bewusst gewählt: Sven hat gerade sein Bachelorstudium abgeschlossen und ein halbes Jahr Zeit, bis er ein Masterstudium im britischen Cambridge beginnt. Der 21-jährige Niklas hat ein Urlaubssemester genommen. Dass er für sein Studium nun vielleicht länger braucht, stört ihn nicht. Im Gegenteil: Er habe fünf Semester „intensiv studiert“ und freue sich auch auf das weitere Studium. „Aber jetzt fühlt es sich gerade nach einem guten Zeitpunkt an, ein bisschen Distanz zu gewinnen.“

Weitere Informationen

Campus.leben begleitet Niklas Gerhards und Sven Wang auf ihrer Reise: Einmal im Monat sprechen wir mit den beiden Studenten über ihre Eindrücke und Erlebnisse und veröffentlichen diese im Online-Magazin.