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Von ehrgeizigen Zielen und polnischen Großmüttern

In den vergangenen sechs Wochen radelten die Studenten Niklas Gerhards und Sven Wang auf ihrer Benefiz-Tour quer durch Europa von der Türkei bis nach Polen

25.07.2015

Nach einem längeren Aufenthalt in der Metropole Istanbul zeigt sich die Türkei Sven Wang und Niklas Gerhards (im Bild) wieder von ihrer ländlichen Seite.
Nach einem längeren Aufenthalt in der Metropole Istanbul zeigt sich die Türkei Sven Wang und Niklas Gerhards (im Bild) wieder von ihrer ländlichen Seite. Bildquelle: Sven Wang
Über die analogen Grüße zur Halbzeit hat sich die campus.leben-Redaktion sehr gefreut!
Über die analogen Grüße zur Halbzeit hat sich die campus.leben-Redaktion sehr gefreut! Bildquelle: campus.leben
Von Gibraltar über Istanbul bis zum nördlichsten Punkt Europas: 12.000 Kilometer fahren die Studenten Niklas und Sven mit dem Fahrrad, um Flüchtlinge zu unterstützen.
Von Gibraltar über Istanbul bis zum nördlichsten Punkt Europas: 12.000 Kilometer fahren die Studenten Niklas und Sven mit dem Fahrrad, um Flüchtlinge zu unterstützen. Bildquelle: Sven Wang

Der Großteil ist bereits geschafft: Insgesamt 12.000 Kilometer wollen die Studenten Niklas Gerhards von der Charité – Universitätsmedizin und Sven Wang von der Ludwigs-Maximilians-Universität München mit dem Fahrrad zurücklegen, um Spendengelder für die Hilfsorganisation Ärzte der Welt zu sammeln. Ihre Route führt sie von Gibraltar bis ans Nordkap. Wie weit sie in nur sechs Wochen kommen, zeigten sie nun besonders eindrücklich: Seit dem letzten Bericht in campus.leben erreichten sie nicht nur ihr Etappenziel Istanbul, sondern durchquerten auch gleich mehrere osteuropäische Länder. Aktuell sind die beiden Studenten in Polen, von dort erreichten uns die neuesten Nachrichten

Als wir das letzte Mal, am 11. Juni, nachgefragt haben, waren Sie gerade kurz vor Ihrem Etappenziel Istanbul. Wann haben Sie die Stadt schließlich erreicht?

Sven Wang: Wir hatten ursprünglich geschätzt, dass wir am 22. Juni ankommen würden. Doch nachdem wir in Griechenland bei guten Bedingungen an zwei Tagen hintereinander jeweils 120 Kilometer fahren konnten, packte uns 700 Kilometer vor Istanbul der Ehrgeiz: Mit einem Tagesschnitt von 140 Kilometern legten wir die Strecke in nur fünf Tagen zurück und kamen so bereits am 16. Juni an.

Niklas Gerhards: Die Stadteinfahrt war spektakulär! Theoretisch kann man die letzten 50 Kilometer mit einer Fähre zurücklegen, um sich die stressige und auch gefährliche Fahrt auf der Straße zu ersparen. Doch wir wollten die Dimensionen dieser riesigen Metropole am eigenen Leib erfahren und sind die gesamte Strecke geradelt. Über 100 Kilometer erstreckt sich die Besiedlung westlich vom Bosporus, mit großen, vierspurigen Straßen. Kurz vor Istanbul holte uns dann noch ein heftiges Gewitter ein, sodass die letzten Kilometer zu einem regelrechten Hindernisrennen wurden. Das haben wir auch in einem Video festgehalten, das man sich online ansehen kann.

Das war sicher sehr anstrengend! Wie ging Ihre Reise danach weiter?

Niklas Gerhards: In Istanbul haben wir uns richtig ausgeruht und Kräfte für die zweite Streckenhälfte getankt. Inzwischen sind wir schon wieder 2000 Kilometer geradelt und melden uns heute aus Polen, aus einem Ort in der Nähe von Warschau. In den vergangenen vier Wochen haben wir wieder viel erlebt: Von der Türkei aus sind wir nach Bulgarien und Rumänien gefahren, dann durch Ungarn und die Slowakei. Nach insgesamt 16 Ländern können wir sagen, dass wir interessanterweise in den ärmeren Ländern und Regionen besonders herzlich empfangen wurden, zum Beispiel in Rumänien, dem ärmsten der EU-Länder, die wir durchquert haben.

Gab es ein besonderes Erlebnis in den letzten Wochen?

Niklas Gerhards: Gestern durften wir bei einer polnischen Familie übernachten, die so gastfreundlich war, dass die Oma nachts aufgestanden ist, um ein traditionelles polnisches Gebäck für das Frühstück zuzubereiten. So etwas ist uns auf der ganzen Reise noch nicht passiert!

Und wie läuft Ihre Spendensammelaktion?

Sven Wang: Richtig gut – und deswegen macht uns die Arbeit dafür auch viel Freude! Zuletzt haben wir unsere Fahrräder in Krakau untergestellt und mit dem Nachtbus einen Abstecher nach München gemacht, um dort auf zwei Veranstaltungen der Stiftung Maximilianeum Spenden zu sammeln und uns mit dem Team von Ärzte der Welt zu treffen. Dabei sind 650 Euro zusammengekommen!

Niklas Gerhards: Auf einer der beiden Veranstaltungen hat Sven für die Spendenaktion im Rahmen des musikalischen Programms Klavier gespielt. Angekündigt war die dritte Ballade von Chopin; doch da es sich um eine recht förmliche Feier handelte, konnte Sven es sich nicht verkneifen, das Ganze etwas aufzulockern: Er kündigte eine kurzfristige „Programmänderung“ an und spielte daraufhin einen seichten Pop-Song – aber natürlich nur zum Spaß. Das Stück von Chopin spielte er dann doch. Auch das haben wir gefilmt!

Was steht als Nächstes an?

Sven Wang: Momentan bereiten wir uns auf unsere nächste große sportliche Herausforderung vor: die 200-Kilometer-Challenge. Das soll eine „Spendenaktion innerhalb der Spendenaktion“ sein, mit der wir unserem Spendenziel von 15.000 Euro einen großen Schritt näher kommen wollen. Wir werden versuchen, am 28. Juli die 200 Kilometer lange Strecke von Szczuczyn (Polen) nach Kaunas (Litauen) zu fahren, was mit unseren 42 Kilogramm schweren Rädern eine echte Herausforderung sein wird! Für die Challenge werben wir vor allem auf Facebook und haben zudem einen Sponsor gefunden, unseren Fahrradhersteller Patria, der die Arbeit von Ärzte der Welt mit 400 Euro unterstützt.

Die Fragen stellte Verena Blindow

Weitere Informationen

Campus.leben begleitet Niklas Gerhards und Sven Wang auf ihrer Reise: Einmal im Monat sprechen wir mit den beiden Studenten über ihre Eindrücke und Erlebnisse und veröffentlichen diese im Online-Magazin.

  • Im ersten Teil der Serie berichten die beiden Studenten, wie sie auf die Idee zu einer Spendenfahrt gekommen sind und was zu beachten ist, wenn man 12.000 Kilometer mit dem Fahrrad bewältigen möchte.
  • Ein nasser und stürmischer Start in Gibraltar und frische Orangen von hilfsbereiten Bauern in Portugal zum Frühstück: Schon die ersten tausend Kilometer ihrer Tour waren für die Studenten ein großes Abenteuer.
  • Berge, Gegenwind und schweres Gepäck: Im dritten Teil der Serie erzählen Niklas Gerhards und Sven Wang, wie sie erste Schwierigkeiten erfolgreich gemeistert haben.
  • Freundliche, offene Menschen lernten die radelnden Studenten in den Balkan-Ländern kennen und trotzten so Bergen und Hitze.
  • Nach fünf Monaten und zehn Tagen sind Niklas Gerhards und Sven Wang schon fast am Ziel: 700 Kilometer trennen die beiden Radler vom Nordkap.
  • Am 30. August erreichten die Studenten in zweifacher Hinsicht ihr Ziel: Sie kamen am norwegischen Nordkap an und konnten mehr als 15.000 Euro Spenden für syrische Flüchtlinge sammeln.