Mit Mut und Beharrlichkeit gegen Rassentrennung

Desmond Tutu, Erzbischof von Kapstadt und Friedensnobelpreisträger, erhält Freiheitspreis der Freien Universität

18.07.2009

Desmond Tutu, Erzbischof von Kapstadt und Friedensnobelpreisträger, erhielt am 17.7.2009 den Freiheitspreis der Freien Universität
Desmond Tutu, Erzbischof von Kapstadt und Friedensnobelpreisträger, erhielt am 17.7.2009 den Freiheitspreis der Freien Universität Bildquelle: Peter Himsel
Desmond Tutu bei seiner Ansprache an der Freien Universität
Desmond Tutu bei seiner Ansprache an der Freien Universität Bildquelle: Peter Himsel
Der Freiheitspreis wurde im Max-Kade-Auditorium des Henry-Ford-Baus verliehen.
Der Freiheitspreis wurde im Max-Kade-Auditorium des Henry-Ford-Baus verliehen. Bildquelle: Peter Himsel
v.l.n.r.: Desmond Tutu mit seiner Frau, Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, Mbuyane Mokone, Gesandte, Botschaft der Republik Südafrika, Prof. Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität
v.l.n.r.: Desmond Tutu mit seiner Frau, Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, Mbuyane Mokone, Gesandte, Botschaft der Republik Südafrika, Prof. Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Bildquelle: Peter Himsel
Desmond Tutu mit dem Freiheitspreis vor dem Siegel im Präsdium der Freien Universität
Desmond Tutu mit dem Freiheitspreis vor dem Siegel im Präsdium der Freien Universität Bildquelle: Peter Himsel

Er ist ein furchtloser Kämpfer gegen  Unterdrückung und unermüdlicher Anwalt für die Rechte der schwarzen Bevölkerung: Erzbischof Desmond Tutu ist mit seinem jahrzehntelangen Einsatz für Gerechtigkeit und Versöhnung zu einer der Leitfiguren der südafrikanischen Widerstandsbewegung geworden. Am Freitagabend erhielt er den Freiheitspreis der Freien Universität Berlin.

In Südafrika, sagt Desmond Tutu, erzählen sich die Menschen einen Witz über ihren Erzbischof: Tutu klopft nach seinem Tod an die Himmelspforte, aber als kleiner Querulant wird er von Petrus an einen „wärmeren Platz“, die Hölle, geschickt. Nach zwei Wochen klopft der Teufel entnervt bei Petrus an: „Er macht uns so viel Ärger, ich bin gekommen, um politisches Asyl zu erbitten.“

Desmond Tutu lacht laut und herzlich. Der Friedensnobelpreisträger ist stolz auf seinen Ruf als beharrlicher Kämpfer gegen Ungerechtigkeit und Unfreiheit. Über mehrere Jahrzehnte rang er um ein Ende des Systems der Apartheid: der mit Folterung, Tod und Verbannung verbundenen Rassentrennung in Südafrika. Auch heute wird der 77-Jährige nicht müde, Menschenrechtsverletzungen rund um den Globus anzuprangern, seien es der Genozid in Ruanda oder die Haftbedingungen im US-amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo Bay.

Den unermüdlichen Einsatz Desmond Tutus für die Freiheit der Menschen würdigt die Freie Universität mit dem Freiheitspreis. In einem Festakt im Henry-Ford-Bau hob Universitätspräsident Professor Dieter Lenzen am Freitagabend die Unteilbarkeit der Freiheit als gemeinsamen Aspekt des Freiheitsstrebens bei der Gründung der Freien Universität und der Südafrikaner im Kampf gegen die Apartheid hervor: „Wem Freiheit genommen wird, von dem kann man nicht sagen, dass er lebt“, sagte Lenzen, „das Ausmaß an Schmerz mag verschieden sein, aber wir dürfen Freiheit nicht auf verschiedenen Stufen beurteilen, sondern müssen auf der Absolutheit der Freiheit bestehen.“

 „Gewissen der Nation“

Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, würdigte Tutu als „furchtlosen Ankläger der weißen Gewaltherrschaft und unbeugsamen Anwalt der geschundenen Schwarzen“ und bezeichnete den Erzbischof als „Gewissen der Nation“. Darüber hinaus hob sie Tutus Einsatz „für Freiheit durch Wahrheit und Vergebung“ in der „Truth and Reconciliation Commission“ hervor, die Menschenrechtsverletzungen während der Apartheid aufarbeiten und zu einer Aussöhnung zwischen Opfer und Täter führen sollte.

In seiner Ansprache sagte Desmond Tutu, er fühle sich mit dem Freiheitspreis sehr geehrt und nehme ihn stellvertretend für seine Anhänger in Südafrika an. Der Preisträger stellte die Wichtigkeit von Träumen und Idealismus in den Mittelpunkt seiner Rede und machte dies am Beispiel der Freien Universität deutlich: „Diese Universität wurde auf der Basis von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden gegründet, von Studenten, die sich gegen ein brutales Regime gewehrt haben, die frei sein wollten zu reden, zu denken und zu lesen was immer sie wollten“, sagte Tutu, „und daraus wurde diese unglaubliche Institution, ein lebendiges Denkmal für junge Menschen, die ihre Träume gelebt haben.“

„Wir wussten, dass wir auf der Gewinnerseite waren“

Träume und Idealismus hätten auch den Südafrikanern geholfen, die menschenunwürdige Zeit der Apartheid zu überstehen: „Wir zweifelten nicht am Frieden, wir wussten, dass wir auf der Gewinnerseite waren, denn wir standen unter Gottes Obhut – okay, manchmal hätte Er das auch ein bisschen offensichtlicher zeigen können“, sagte Tutu und brachte mit seiner humorvollen und lebendigen Rede sein Publikum immer wieder zum Lachen.

Musikalisch begleitet wurde die Verleihung des Freiheitspreises vom Chor „Fabulous Fridays“ der Universität der Künste. Tutu ist der dritte Preisträger der 2007 ins Leben gerufenen Auszeichnung, die vor ihm bereits der frühere polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski und der ehemalige Staatspräsident der Republik Korea und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung erhielten.