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LIT_5: Netzwerke des republikanischen Exils von 1939

Sektionsleitung: Claudia Nickel (Georg-August-Universität Göttingen), Diego Santos Sánchez (Universidad Complutense de Madrid)

Link zum Sektionsprogramm (PDF)

Das spanische republikanische Exil von 1939 bewirkte, dass eine große Anzahl von Politikern, Handwerkern, Wissenschaftlern, Lehrkräften, Intellektuellen und Künstlern in verschiedensten Ländern Zuflucht suchten. Anlässlich des 80. Jahrestages dieses Ereignisses soll eine neue literatur- und kulturwissenschaftlich orientierte Annäherung an das Phänomen gewählt werden: das Konzept des Netzwerkes. Die Frage nach Netzwerken, die im Exil bzw. mit dem Exil entstanden, ermöglicht ein neues Verständnis der kulturellen Produktion des Exils. Daher legen wir den Schwerpunkt auf drei Arten von Netzwerken.

Zunächst sollen die Netzwerke im Exil in den Blick genommen werden: Als Folge neuer persönlicher, ästhetischer und politischer Interaktionen in den fremden Umgebungen entstanden Initiativen wie z.B. die casas de la cultura oder Verlage der spanischen Exilanten, die eine deutliche Veränderung der kulturellen Produktion bedeuteten. Neben den Netzwerken innerhalb der spanischen Exilanten sind besonders jene von Interesse, die zwischen anderen Personen und/oder Organisationen der Aufnahmeorte, aber auch mit Exilanten anderer Herkunftsländer entstanden. Folgende Fragestellungen sollen diskutiert werden:

  • Welche Netze entstanden im Exil, die auf diese Weise in Spanien nicht möglich gewesen wären?
  • Mit welchen anderen Gruppen kamen die spanischen Republikaner im Exil in Kontakt? Welche politischen und künstlerischen Ähnlichkeiten lassen sich ausmachen?
  • Welchen Einfluss haben diese neuen Kontakte auf die im Exil entstehende kulturelle Produktion?
  • Wie reagiert Literatur auf die individuellen und sozialen Veränderungen des Exils?


Ein zweites Erkenntnisinteresse bezieht sich auf den Umgang mit dem Exil und dem damit verknüpften Verlust in Spanien. Dafür soll die Rolle von Netzwerken beleuchtet werden, die mit den Exilanten entstanden. Es wird zudem gefragt, inwiefern diese dazu beitrugen, das Exil im franquistischen Spanien zu thematisieren:

  • Gab es in Spanien eine Reflexion über die Exilanten?
  • Was bedeutet das Exil für die Kultur während des Franquismus auf ästhetischer, ideologischer und politischer Ebene?
  • Existierten Verbindungen, die den Kontakt zu den Exilanten und die Verbreitung ihrer Werke ermöglichten?
  • Handelte es sich um ein Thema, über das nur im Geheimen ein Austausch stattfand oder ließen sich Auswirkungen auf die Gesellschaft ausmachen?
  • Wie verortet sich der Begriff des inneren Exils innerhalb dieser Diskussion?


Den dritten Schwerpunkt bilden die Aufnahme und Integration der republikanischen Exilanten und ihrer Kultur im postfranquistischen Spanien. Das Ende des Franquismus bedeutet zwar das Ende des politischen Exils, aber viele der Exilanten erhielten in Spanien nicht die erhoffte Anerkennung. Daher soll untersucht werden, ob und wie sich die Netzwerke des Exils nach 1975 in mögliche Netzwerke der Integration wandelten. Unsere Leitfragen vor diesem Hintergrund sind:

  • Waren die Verbindungen zwischen den Exilanten und Spanien ausreichend aktiv, um nach der Diktatur eine Integration zu gewährleisten?
  • Entstanden mit der Rückkehr einiger Exilanten neue Beziehungen?
  • Erlaubten es die Netzwerke, dass die Exilliteratur ausreichend Aufnahme in die gegenwärtige Kultur Spaniens finden konnte?


Interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler senden bitte ihre Beitragsvorschläge (max. 250 Wörter) mit kurzen biographischen Angaben (max. 150 Wörter) an die beiden Sektionsleiter.

Kontakt: claudia.nickel@mail.uni-goettingen.de , diego.santos@ucm.es