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Von Menschenaffen lernen

Mit spezies- und kulturübergreifender Forschung in der Psychologie beschäftigt sich ein Symposium am 6. und 7. November in Berlin und Leipzig

04.11.2015

Was kann der Mensch vom Affen über den Menschen lernen? Einige Gesten jedenfalls kommen einem ziemlich bekannt vor.
Was kann der Mensch vom Affen über den Menschen lernen? Einige Gesten jedenfalls kommen einem ziemlich bekannt vor. Bildquelle: Katja Liebal

Im Unterschied zu Großbritannien oder den USA sind vergleichende psychologische Studien mit Menschen und Affen an deutschen Universitäten nicht weit verbreitet. Beim Symposium „Why C(omp)ARE? Research across species and cultures to understand the human mind“ am 6. und 7. November in Berlin und Leipzig diskutieren nun Expertinnen und Experten für Entwicklungspsychologie, Anthropologie und Primatologie darüber, ob diese Forschungsrichtung nützlich ist und inwieweit der Vergleich mit anderen Arten Aufschluss über die kognitiven Fähigkeiten des Menschen geben kann. Campus.leben sprach mit Katja Liebal, Professorin für Vergleichende Entwicklungspsychologie an der Freien Universität, die das Symposium gemeinsam mit Daniel Haun, Professor für Frühkindliche Entwicklung und Kultur an der Universität Leipzig, konzipiert hat.

Frau Professorin Liebal, das Thema des Symposiums ist die vergleichende Perspektive auf menschliches Verhalten. Welche Schwerpunkte werden angesprochen?

Am ersten Veranstaltungstag wollen wir uns kritisch mit der Frage auseinandersetzen, ob der artvergleichende Ansatz sinnvoll für den Erkenntnisgewinn zu psychologischen Eigenschaften des Menschen ist. Die These ist, dass durch den Vergleich von Menschen mit anderen, den Menschen nah verwandten Arten wie Schimpansen oder Orang-Utans jene Eigenschaften sichtbar werden, die uns Menschen überhaupt erst zum Menschen machen.

Das Symposium beschäftigt sich vor allem mit Fähigkeiten und Verhaltensweisen im sozialkognitiven und kommunikativen Bereich: damit, ob Affen, wie wir Menschen, kooperieren, um an ein gemeinsames Ziel zu gelangen, wie sich deren Kommunikation von der des Menschen unterscheidet, ob die Tiere Ressourcen und Nahrung teilen, ob sie sich gegenseitig informieren und sich helfen sowie welche Motivation diesen prosozialen Verhaltensweisen zugrunde liegt.

Ein wichtiges und vieldiskutiertes Thema in der Forschung ist derzeit auch die Frage, wie Menschenaffen voneinander lernen und welche Mechanismen ihrem Lernen zugrunde liegen. Im zweiten Teil der Tagung geht es dann um den Vergleich verschiedener Kulturen. Wir haben uns für die Tagung das Ziel gesetzt, einen Überblick über das Forschungsfeld zu geben und freuen uns, dass sehr renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zugesagt haben...

… darunter so bekannte Forscherinnen und Forscher wie Julia Fischer, Primatologin an der Universität Göttingen, Michael Tomasello, Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie Leipzig, oder Carel van Schaik, Professor und Direktor des Instituts und des Museums für Anthropologie an der Universität Zürich. Aber: Warum wurde die Konferenz auf zwei Veranstaltungsorte verteilt?

Zum einen ist das Symposium der offizielle Auftakt meiner seit April bestehenden Arbeitsgruppe zur vergleichenden Entwicklungspsychologie. Sie ergänzt am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität die Forschung von Professor Herbert Scheithauer, dessen Arbeitsschwerpunkt in der angewandten Entwicklungspsychologie und der klinischen Psychologie auf Schulkindern und Jugendlichen liegt. Unser Fokus ist dagegen die Entwicklung kognitiver und kommunikativer Fähigkeiten sowohl von Kleinkindern als auch von jüngeren Affen.

Zum anderen hat Professor Daniel Haun an der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig ebenfalls eine neue Arbeitsgruppe gegründet und baut ein Zentrum für frühkindliche Entwicklung und Kultur auf. Dort soll die außergewöhnliche kulturelle Vielfalt menschlichen Denkens und Handelns erforscht werden – ein idealer Rahmen für den zweiten Tagungsschwerpunkt.

Außerdem gibt es für die Teilnehmer eine ganz besondere Busfahrt von Berlin nach Leipzig: Mehrere der Vortragenden werden mitfahren und auf der Strecke für Fragen zur Verfügung stehen, so dass in lockerer Atmosphäre weiterdiskutiert werden kann. Das soll vor allem Studierenden die Möglichkeit geben, sich in einem kleineren Rahmen mit den Vortragenden auszutauschen.

Wie sieht allgemein die Forschungslage Ihres Arbeitsfeldes in Deutschland aus?

In der deutschen Forschungslandschaft ist es – anders als in Großbritannien oder den USA – immer noch ein wenig suspekt, Tiere zu erforschen, wenn man menschliches Verhalten verstehen möchte. Gleichzeitig wird es aber – so meine Erfahrungen – in der Lehre von den Studierenden sehr gut angenommen. Die Motivation, diese Konferenz zu organisieren, war daher auch, zu diskutieren, ob ein Wandel in der universitären Forschungs- und Lehrlandschaft gewünscht und nützlich ist, und falls ja, wie dies umzusetzen ist.

Die Fragen stellte Marina Kosmalla

Weitere Informationen

„Why C(omp)ARE? Research across species and cultures to understand the human mind“

Zeit und Ort

Berlin

  • 6. November 2015: Cross-species perspectives on the human mind
  • Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 1b (U-Bhf. Thielplatz, U 3)

Leipzig

  • 7. November 2015: Cross-cultural perspectives on the human mind,
  • Universität Leipzig, Campus Jahnallee, Jahnallee 59, Großer Hörsaal

Konferenzsprache ist Englisch. Die Registrierung an der Freien Universität Berlin ist abgeschlossen, Teilnahme nur noch auf Anfrage.

Weitere Informationen finden Sie hier.