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Praktisch und gut

Geschäftsideen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Freien Universität und der Charité im Wettbewerb „Research to Market Challenge“ ausgezeichnet

18.06.2015

Manuela Murgueitio und Professor Gerhard Wolber entwickeln unter dem Namen „Smart Ingredients“ eine Software für die computergestützte Suche nach aktiven Inhaltsstoffen für die Nahrungsmittelindustrie.
Manuela Murgueitio und Professor Gerhard Wolber entwickeln unter dem Namen „Smart Ingredients“ eine Software für die computergestützte Suche nach aktiven Inhaltsstoffen für die Nahrungsmittelindustrie. Bildquelle: Marion Kuka
Norman Dziengel, Martin Seiffert und Marco Ziegert (v.l.) vom Team „PostureGuide“ wollen mit einem speziellen T-Shirt Fehlhaltungen bei Pflegekräften vermeiden helfen.
Norman Dziengel, Martin Seiffert und Marco Ziegert (v.l.) vom Team „PostureGuide“ wollen mit einem speziellen T-Shirt Fehlhaltungen bei Pflegekräften vermeiden helfen. Bildquelle: Marion Kuka
Bewegte Bilder und Tonaufnahmen in wissenschaftliche Publikationen einbinden – das steckt hinter dem Projekt „eThesis“. Die Idee dazu hatten Caroline Merz, Ada Riemschneider und Lars Häuser (v.l.).
Bewegte Bilder und Tonaufnahmen in wissenschaftliche Publikationen einbinden – das steckt hinter dem Projekt „eThesis“. Die Idee dazu hatten Caroline Merz, Ada Riemschneider und Lars Häuser (v.l.). Bildquelle: Marion Kuka
Für die Gesundheitswirtschaft: Jürgen Zöllner, Kuratoriumsvorsitzender der Freien Universität, überreichte beim Charité Entrepreneurship Summit den 1. Preis an Jonas Dimroth – mit John Harthorne, Vorstandsmitglied bei „Mass Challenge“.
Für die Gesundheitswirtschaft: Jürgen Zöllner, Kuratoriumsvorsitzender der Freien Universität, überreichte beim Charité Entrepreneurship Summit den 1. Preis an Jonas Dimroth – mit John Harthorne, Vorstandsmitglied bei „Mass Challenge“. Bildquelle: Wiebke Peitz, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Aktive Inhaltsstoffe von Lebensmitteln schnell identifizieren, T-Shirts mit Warnsignalen gegen Haltungsschäden, wissenschaftliche Arbeiten crossmedial gestalten – dies sind die drei besten Ideen im Wettbewerb „Research to Market Challenge“ 2015 für den Bereich IKT-, Medien- und Kreativwirtschaft. Teilgenommen hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Doktoranden der Freien Universität Berlin. Vielversprechende Geschäftskonzepte wurden auch für die Gesundheitswirtschaft entwickelt – und beim „Charité Entrepreneurship Summit" ausgezeichnet.

„Innovationen brauchen einen geschützten Raum“, sagt Sebastian Wieczorek, der beim Softwarekonzern SAP die Startup-Initiative in Berlin betreut. Mit neuartigen Produkten lasse sich anfangs nur wenig Geld verdienen, doch ohne sie würde ein Unternehmen langfristig untergehen. Deshalb leiste sich SAP in Potsdam ein „Innovation Center“ als Ideenlabor. Hier waren die zehn Teams des Ideenwettbewerbs „Research to Market Challenge“ für einen zweitägigen Intensiv-Workshop zu Gast.

„In inspirierender Umgebung – mit Schaukeln, Kletterwänden und raumhohen Zeichentafeln – haben wir dort die Ansätze der Teilnehmer ausgearbeitet“, sagt Fabian Feldhaus, Innovationsmanager für IKT-, Medien- und Kreativwirtschaft bei profund. Oft ginge es darum, für die technologisch hervorragenden Produktideen der Wissenschaftler den richtigen Markt, die Zielgruppe und das passende Geschäftsmodell zu finden. Das Ergebnis des Workshops – eine fünfseitige Ideenskizze – wurde dann von einer Jury bewertet. Die drei Teams mit der höchsten Punktzahl präsentierten ihre Konzepte bei der Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs im Weiterbildungszentrum der Freien Universität vor Publikum.

Innovatives Ruderergometer funktioniert bereits als Prototyp

Hier berichtete zunächst einer der Preisträger aus dem Jahr 2014, wie eine Idee zum Geschäftsmodell wurde: Hannes Jeltsch bringt mit seinem Team ein innovatives Ruderergometer auf den Markt. Damit werden authentische Trainingsbedingungen wie auf dem Wasser simuliert, die Rudertechnik der Sportler korrigiert und ein gemeinsames Training mehrerer Partner via Internet ermöglicht. „Da beim Rudern 80 Prozent der Muskeln gesundheitsfördernd beansprucht werden, ist das Gerät nicht nur für Wassersportprofis, sondern auch für Fitnessstudios interessant“, sagt Jeltsch. Entwickelt im Projekt „FluxForce“ mündete die Idee in die Gründung der AUGLETICS GmbH.

Das junge Unternehmerteam, unterstützt von profund und dem wissenschaftlichen Mentor Professor Jörg Schiller, hat im vergangenen Jahr unter anderem ein EXIST-Gründerstipendium erhalten und einen funktionierenden Prototyp gebaut. Momentan arbeiten die Gründer intensiv am Produktdesign und bereiten sich auf die Investorensuche vor.

Preise als Motivation

Preisgeld und Feedback der Juroren sollen die diesjährigen Gewinner motivieren, ihre Ideen auch tatsächlich umzusetzen. Den mit 3.000 Euro dotierten ersten Platz belegten Manuela Murgueitio und Professor Gerhard Wolber vom Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität. Unter dem Namen „Smart Ingredients“ entwickeln sie eine Software für die computergestützte Suche nach aktiven Inhaltsstoffen für die Nahrungsmittelindustrie. „Enthält eine Tomate Inhaltsstoffe mit einer besonderen positiven Wirkung auf den menschlichen Körper? Welche Lebensmittel unterstützen die Konzentration?“ Solche Fragen will Manuela Murgueitio künftig schnell und verlässlich mithilfe der neuen Technologie beantworten. Mittelfristig will das Team einen Nischenmarkt mit finanzkräftigen Konzernen und deren Zulieferern erreichen, in der ersten Phase sollen aber auch gemeinsam mit kleineren Unternehmen und Start-ups innovative Nahrungsmittel entwickelt werden.

Wenn das T-Shirt Alarm schlägt

Den zweiten Platz und den SAP-Sonderpreis sicherte sich das Team „PostureGuide“: In der Arbeitsgruppe Technische Informatik forschten Norman Dziengel, Martin Seiffert und Marco Ziegert vom Fachbereich Mathematik und Informatik an einer Technologie, über die Ereignisse und Bewegungen drahtlos und vor allem durch mehrere kooperierende Sensorknoten bewertet werden können. Übertragen in ein mit Sensoren ausgestattetes T-Shirt, registriert und analysiert die Technologie Bewegungen des Trägers. Nimmt dieser eine potenziell schädliche Haltung ein, erfolgen Warnsignale. Sie sollen helfen, Fehlhaltungen zu vermeiden. Mögliche Anwendungen sieht Norman Dziengel bei Berufsgruppen, die körperlich stark beansprucht werden – etwa Pflegekräfte, die häufig unter Rückenschmerzen leiden. Das Team hat seine Entwicklung nun zum Patent angemeldet – unterstützt vom Patent- und Lizenzservice der Freien Universität.

Platz 3 belegten Caroline Merz und Ada Riemschneider, Absolventinnen des Masterstudiengangs Angewandte Literaturwissenschaften an der Freien Universität, und Software-Entwickler Lars Häuser. Mit ihrem gemeinsamen Produkt „eThesis“ können wissenschaftliche Arbeiten digital und crossmedial gestaltet werden: Bewegte Bilder und Tonaufnahmen werden direkt und dauerhaft in Publikationen eingebunden. Zielgruppe sind all diejenigen im Wissenschaftsbetrieb, die multimediale Quellen verwenden.

Ideenwettbewerb „Research to Market“ und der Bereich Gseundheitswirtschaft

Der Ideenwettbewerb „Research to Market Challenge“ wird jährlich von profund, der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, und der Charité – Universitätsmedizin, dem gemeinsamen medizinischen Fachbereich von Freier Universität und Humboldt-Universität, durchgeführt. Ziel ist es, forschungsbasierte Geschäftsideen zu identifizieren und deren Umsetzung zu unterstützen. Als Partner finanziert SAP University Alliances die Preisgelder in Höhe von insgesamt 6.000 Euro. Die nächste Ausschreibung der „Research to Market Challenge“ ist für Ende 2015 geplant.

In einer weiteren Linie des Wettbewerbs werden forschungsbasierte Geschäftskonzepte für die Gesundheitswirtschaft prämiiert – mit Unterstützung des Partners Stiftung Charité. Teilnehmen können Studierende, Absolventen, Promovierende und wissenschaftliche Mitarbeiter der Freien Universität, der Charité und kooperierender Institutionen. Die besten drei Ideen des jüngsten Durchgangs wurden kürzlich beim Charité Entrepreneurship Summit der Stiftung ausgezeichnet.

Sieger im Bereich Gesundheitswirtschaft

Der mit 3.000 Euro dotierte erste Preis ging an das Team „Dip-Coating“. Doktorand Christoph Schlaich und Postdoktorand Jonas Dimroth wollen eine Polymerlösung mit imitierten Muschelproteinen verwenden, um Labormaterialien wie Pipetten, Vorratsgläschen oder Objektträger durch Eintauchen in die Lösung zu beschichten.

Mit Platz zwei und 2.000 Euro Preisgeld belohnt wurden Zhenhui Qi und Jonathan Vonnemann, die für ihre Promotion am Institut für Chemie der Freien Universität einen innovativen Biocarbon-Filter entwickelt haben. Ziel ist es, Mikroorganismen hocheffizient binden und reduzieren zu können – beispielsweise Krankenhauskeime.

Wie kann man die Langzeit-Blutdruckmessung angenehmer für Patienten gestalten? Für diese Frage haben Doktorandin Sarah Schneider und Doktorand Johannes Großhauser am Labor für Biofluidmechanik der Charité eine Lösung entwickelt, die ihnen Platz 3 und 1.000 Euro einbrachte: Ein kleines Druckkissen wird über einer einzelnen oberflächlichen Arterie am Handgelenk befestigt. Für die Messung wird die Arterie durch das Druckkissen abgeklemmt und der Blutfluss mit einer kleinen Ultraschallsonde kontrolliert.

Weitere Informationen

Research-to-Market-Wettbewerb

Unter dem Motto „Research to Market Challenge“ wurden zum zweiten Mal forschungsbasierte Geschäftsideen aus der Freien Universität Berlin und der Charité - Universitätsmedizin Berlin gesucht. Studierende, Absolventinnen und Absolventen, Doktorandinnen und Doktoranden sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Einrichtungen konnten Geschäftsideen für die Gesundheitswirtschaft sowie Informations- und Kommunikationstechnik, Medien- und Kreativwirtschaft in Form einer dreiseitigen Ideenskizze einreichen.