Vom Tapas-Date zum Mentoring

Zum Start des neuen Mentoring-Programms des Netzwerk Unternehmertum trafen sich Gründungsteams und erfahrene Experten zum Speed-Dating

20.12.2013

Wer passt zu wem? Mentorinnen und Mentoren suchen Gründerinnen und Gründer.
Wer passt zu wem? Mentorinnen und Mentoren suchen Gründerinnen und Gründer. Bildquelle: Sabine Hellwig

„Das Ziel ist klar: möglichst viele Liebespaare zu finden“. Der promovierte Rechtsanwalt Karsten Stein, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks Unternehmertums der Freien Universität, eröffnete die Auftaktveranstaltung des neuen Mentoring-Programms, das von der Gründungsförderung profund und dem Netzwerk Unternehmertum (NUFUB) initiiert wurde. Die Idee: Wie bei einer amourösen Verabredung sollten sich über den Abend Paare finden, aus denen nach dem ersten „Speed-Date“ im Laufe eines Jahres eine erfolgreiche Partnerschaft entsteht. Wie im echten Leben entscheidet auch hier der erste Eindruck: Fünf Minuten hatte jedes der acht Teams Zeit, sich und seine Erwartungen einem Gegenüber vorzustellen. Im besten Fall sollten beide Seiten auch schon die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausloten. Nachdem jeder jeden „gedatet“ hatte, gaben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Wunschpartner an.

Die Veranstalter wollten einerseits nichts dem Zufall überlassen, andererseits wusste niemand, wie der Abend enden würde. Eine „Überraschungskiste“ nennt Fabian Metzeler vom Team „volatiles“ das Konzept. Er plant mit seinem Start-up ein interaktives Lichtsystem. Acht Mal hintereinander demonstrierte er das an diesem Abend auf einem Tablet: „Ich zeige Bilder, weil sich unser Produkt so am besten erklären lässt. Sonst redet man sich den Mund fusselig.“ Die Auftaktveranstaltung als Speed-Dating zu inszenieren, sei zwar „sportlich“, aber gut, denn er bekäme von allen Gesprächspartnern sofort ein professionelles Feedback zu seiner Geschäftsidee. Auch die Mentorinnen und Mentoren profitieren: Sie lernen in kurzer Zeit viele technologische Neuerungen und kreative Geschäftsmodelle kennen.

Die Atmosphäre in dem spanischen Restaurant in Kreuzberg glich tatsächlich der eines ersten Dates: Die Erwartungen sind hoch, schließlich geht es darum, den perfekten Partner zu finden. Oliver Schulze, der mit seinem Team „Hozi“ ein Online Tool zur Erstellung von aktiv konsumierbaren, animierten Bildern entwickelt, freut sich auf die Unterstützung: „Menschlich soll es passen – wir haben eine Idee, und hoffen, dass der Mentor uns bei der Umsetzung begleiten kann.“ Der angehende Gründer hatte aber auch ganz konkrete Fragen: „Wir wollen wissen, wie wir unsere Idee auf den Markt bringen können.“ Bei anderen ging es beispielsweise um Vertriebskanäle oder Marketingstrategien.

Aufmerksam sitzen sich die Paare gegenüber, es wird hart gearbeitet. In der einen Ecke werden schnelle Rechnungen durchgeführt, in einer anderen Visitenkarten gesammelt.

Viele Informationen müssen in fünf kurzen Minuten ausgetauscht werden, das erfordert Ausdauer und Konzentration: „Irgendwann weiß man nicht mehr, wem man was bereits erzählt hat“, sagt Oliver Schulze.

Die Rückfragerunde hilft bei der Entscheidungsfindung

Da kommt die Pause gerade Recht. Am Tapas-Buffet konnte in entspannter Atmosphäre geplaudert werden. Aber auch hier wird deutlich: Die Zeit ist knapp. Schon jetzt werden viele Fragen gestellt, die in fünf Minuten nicht beantwortet werden konnten. Vor allem die Mentoren wollten wissen, welchen Bedarf die Teams haben und wie sie helfen können. „Ich möchte ein Start-Up finden, das mit meinen Erfahrungen etwas anfangen kann“, sagt Bartosz Kosmecki, Mitgründer und Geschäftsführer der Scopis GmbH, einem Spin-Off der Fraunhofer Gesellschaft und der Charité Universitätsmedizin Berlin, dem gemeinsamen medizinischen Fachbereich von Freier Universität und Humboldt Universität. Kosmeckis Firma entwickelt Navigationssysteme für die minimal-invasive Chirurgie. Dennoch komme es nicht nur auf die inhaltliche Übereinstimmung an: „In der Anfangsphase haben alle Start-ups sehr ähnliche Probleme.“

Nach der Pause geht es in die zweite Runde, die Teams wandern wieder von Tisch zu Tisch. Zu guter Letzt dürfen die Mentoren Fragen an die Teams stellen, um herauszufinden, wer ihre Unterstützung am meisten benötigt. „Was macht euch besonders? Was würde euch am meisten weiterhelfen?“, fragt beispielsweise Valerie Bönström, Mitgründerin und Geschäftsleiterin der Frauen-Fitnessclubkette „Mrs. Sporty“.

Am Ende stand die Entscheidung an: Gründerinnen und Gründer, Mentorinnen und Mentoren mussten jeweils drei Favoriten auf einen Zettel schreiben, um den ihrer Ansicht nach besten Kontakt zu finden. Lukas Neumann von mynigma tat sich schwer. Er arbeitet mit seinem Partner an einer E-Mail-App, die vollautomatisch die Privatsphäre schützen soll: „Es ist eine folgenreiche Weichenstellung, davon hängt ab, in welche Richtung das Team mit dem Mentor gehen wird.“ Mynigma bekam schließlich seine Wunschmentorin: Lydia Horn ist Mitgründerin der Mobile Melting GmbH. Sie kommt auch aus dem Bereich App-Entwicklung und kann dem Team u.a. mit ihrem Marketing-Know-how unter die Arme greifen.

Auch Fabian Metzeler war mit dem Ergebnis zufrieden: Sein Mentor Bartosz Kosmecki war ihm auf Anhieb sympathisch und wird ihm vor allem beim Aufbau des Vertriebs und der Suche nach einer Finanzierung zur Seite stehen.

Gegen 23 Uhr löste sich die Runde auf, doch die eigentliche Arbeit steht erst bevor: Im kommenden Jahr werden die Paare eng zusammenarbeiten, vier persönliche Treffen und ein monatliches „E-Mentoring“ stehen auf dem Programm. Initiator Karsten Stein ist zuversichtlich, dass dieser Beziehungsalltag gelingen wird: „Schließlich sind wir alle glücklich und verliebt.“