Freie Universität Berlin


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In alter Freundschaft

Seit 130 Jahren sind Deutschland und Korea vertragliche Partner

28.11.2013

Freunde seit 130 Jahren: Die Fotografie der preußisch-koreanischen Delegation zur Vertragsunterzeichnung hängt in der Botschaft der Republik Korea in Berlin.
Freunde seit 130 Jahren: Die Fotografie der preußisch-koreanischen Delegation zur Vertragsunterzeichnung hängt in der Botschaft der Republik Korea in Berlin. Bildquelle: Botschaft der Republik Korea

Das Papier ist mittlerweile etwas vergilbt, die Schrift darauf ebenso ausladend wie der Titel umständlich: „Handels-, Freundschafts- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Reich und dem Königreich Korea“. Das vor ziemlich genau 130 Jahren von Vertretern des deutschen Kaiserreichs und des koreanischen Königs unterzeichnete Schriftstück ist der Grundstein der deutsch-koreanischen Beziehungen. Daran knüpft das Institut für Koreastudien der Freien Universität an, wenn es gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung am 28. November zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit Wissenschaftlern, Politikern und Publizisten aus Deutschland und Korea einlädt.

„Mit diesem Vertrag wurde Deutschland das zweite Land, zu dem Korea im 19. Jahrhundert überhaupt diplomatische Beziehungen aufnahm“, sagt Eun-Jeung Lee, Politikwissenschaftlerin am Institut für Koreastudien der Freien Universität. Das erste waren die USA. Und doch seien es die Deutschen gewesen, die Korea in den ersten Jahren seiner Öffnung nach Westen beeinflusst hätten, erklärt Lee. Der erste Vizeminister im koreanischen Außenministerium war Paul Georg von Möllendorf.

Der deutsche Sprachwissenschaftler und Diplomat hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der „Handels-, Freundschafts- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Reich und dem Königreich Korea“ überhaupt zustande kam. Er unterzeichnete den Vertrag allerdings als Vertreter Koreas: „Möllendorf hat sich vollständig mit Korea und dem koreanischen Königshof identifiziert“, sagt Lee. Alte Fotografien zeigen den deutschen Beamten im Dienste seiner Majestät in der traditionellen koreanischen Beamtenkleidung. Und doch setzte er eindeutig deutsche Akzente im Land: Möllendorf gab den Anstoß für den Bau einer deutschen Schule und den Ausbau der Handelsbeziehungen. Dass die erste koreanische Nationalhymne von einem Deutschen, Franz Eckert, komponiert wurde, gehe ebenfalls auf die besondere Beziehung der Deutschen zum koreanischen Hof zurück, sagt Eun-Jeung Lee, die Möllendorfs Leben und Werk ein ganzes Buch gewidmet hat.

Strategisches Netzwerk "FU-KoreaNET"

Im Rahmen der ersten Konferenz des „FU-KoreaNET“ – einem strategischen Universitätsnetzwerk, in dem die Freie Universität mit den fünf wichtigsten Universitäten der Republik Korea verbunden ist – wird Eun-Jeung Lee einen Blick auf die 130-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen beiden Ländern werfen. Von Möllendorf wird da nicht fehlen.

Zum „FU-KoreaNET“ gehören die Seoul National University, die Korea University, die Yonsei University, die EWHA Womans University und die Sogang University. Mit der Auftaktkonferenz wollen die Freie Universität und ihre Partneruniversitäten einen Beitrag zur Zukunft der deutsch-koreanischen Beziehungen leisten – Folgekonferenzen in Korea und Deutschland sind bereits geplant.

Initiator Werner Väth

Initiiert wurde das Netzwerk von Professor Werner Väth, dem ehemaligen Vizepräsidenten der Freien Universität. Bis kurz vor seinem Tod am 19. November 2012 habe sich der Politikwissenschaftler stark für eine enge Zusammenarbeit mit Korea eingesetzt, sagt Lee. Gemeinsam hätten die beiden Wissenschaftler bei Reisen durch Südkorea das Netzwerk geknüpft.

Über das fächer- und fachbereichsübergreifende Netzwerk sollen Kontakte ins jeweils andere Land geknüpft, Kooperationen angeregt sowie der Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern gefördert werden. „Der Hintergrund der deutsch-deutschen Wiedervereinigung und die hierzu an der Freien Universität versammelte Expertise ist natürlich für koreanische Politik- und Geschichtswissenschaftler besonders spannend“, sagt Lee. Aber auch Wirtschafts- oder Naturwissenschaftler sollten von der engen Kooperation profitieren, wünscht sich die Politikwissenschaftlerin.

Dreitägige Konferenz vom 28. bis 30. November

Bei der dreitägigen Konferenz, die vom 28. bis 30. November im Humboldt Carreé am Gendarmenmarkt und im Seminarzentrum der Freien Universität Berlin stattfindet und gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung veranstaltet wird, werden deshalb neben Wissenschaftlern aus den Koreastudien auch solche aus den Fachbereichen Geschichte, Politik- und Wirtschaftswissenschaften vertreten sein.

Ein erstes Treffen der Vertreter aller Partneruniversitäten fand 2012 in Berlin statt. Im kommenden Jahr wird das Netzwerk in Korea tagen. Die enge Zusammenarbeit im Jubiläumsjahr des deutsch-koreanischen Vertrages – so wünscht es sich Eun-Jeung Lee – soll die alte Freundschaft zwischen beiden Ländern stärken und neue Kontakte zwischen Wissenschaftlern befördern.

Weitere Informationen

Öffentliche Podiumsdiskussion im Rahmen der ersten Konferenz des "FU-KoreaNet"

In Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung lädt die Freie Universität zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit Wissenschaftlern, Politikern und Publizisten aus Deutschland und Korea ein:

Zeit und Ort

  • Donnerstag, 28. November 2013, 18 Uhr
  • Humboldt Carré Berlin (Räume: Caroline und Wilhelm von Humboldt), Behrenstraße 42, 10117 Berlin

Korea-Interessierte und solche, die es werden wollen, sind herzlich eingeladen.