Vorfreude, Fassungslosigkeit und Trauer

US-Wahlnacht im Studentencafé des John-F.-Kennedy-Instituts der Freien Universität Berlin

09.11.2016

Zu diesem Zeitpunkt und am Buffet war noch nicht abzusehen, wie sich der Abend entwickeln würde.
Zu diesem Zeitpunkt und am Buffet war noch nicht abzusehen, wie sich der Abend entwickeln würde. Bildquelle: Pegah Hassanpour
Die Besucherinnen und Besucher am John-F.-Kennedy-Institut konnten sich die Zeit vertreiben – und wählen.
Die Besucherinnen und Besucher am John-F.-Kennedy-Institut konnten sich die Zeit vertreiben – und wählen. Bildquelle: Pegah Hassanpour
Es herrschten gespannte Erwartung und Zuversicht. Und Begeisterung...,
Es herrschten gespannte Erwartung und Zuversicht. Und Begeisterung..., Bildquelle: Pegah Hassanpour
... weil in der TV-Runde der Deutschen Welle drei Wissenschaftler vom JFKI saßen: Jessica Gienow-Hecht, Irwin Collier und Boris Vormann.
... weil in der TV-Runde der Deutschen Welle drei Wissenschaftler vom JFKI saßen: Jessica Gienow-Hecht, Irwin Collier und Boris Vormann. Bildquelle: Pegah Hassanpour
Was die Studierenden zu dem überraschenden Wahlverlauf sagten, daran waren auch die Medien interessiert.
Was die Studierenden zu dem überraschenden Wahlverlauf sagten, daran waren auch die Medien interessiert. Bildquelle: Pegah Hassanpour

Abends um zehn war die Welt noch in Ordnung. Mehr als 200 Gäste hatten sich im John-F.-Kennedy-Institut (JFKI) der Freien Universität an der Dahlemer Lansstraße eingefunden, um gemeinsam die Wahlnacht zu verbringen. Die meisten waren Hillary-Anhänger, nur knapp ein halbes Dutzend Trump-Fans fand sich in der Menge. Die Amerikanistikstudierenden Pegah Hassanpour, Therese Weidel und Steven Reich hatten bei der amerikanischen Botschaft extra Fanartikel angefordert. „Die Hillary-Buttons gingen schnell weg, die von Trump wollte keiner haben“, sagt Pegah Hassanpour. Campus.leben sprach mit der 22-Jährigen am Tag nach der Wahl.

Zu Beginn des Abends sieht es gut aus für die Hillary-Anhänger. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin gewinnt die ersten Staaten und führt laut Hochrechnung in einigen Swing-States. „Die Stimmung war gut, wir waren alle zuversichtlich“, sagt Hassanpour rückblickend.

Die Wissenschaftler, die am JFKI lehren und forschen, sind in verschiedenen Fernseh- und Hörfunkstudios als Experten gefragt. So sitzen die Historikerin Jessica Gienow-Hecht, der Politikwissenschaftler Boris Vormann und der Wirtschaftswissenschaftler Irwin Collier gemeinsam in einer Diskussionsrunde der Deutschen Welle. Die Interviews mit den hauseigenen Experten werden von den Partygästen im JFKI besonders aufmerksam verfolgt. „Da kam großer Jubel auf, als wir unsere Professoren gesehen haben“, sagt Pegah Hassanpour.

Auch auf der Party konnte gewählt werden: In einer Wahlkabine konnten die Gäste ihre Stimme abgeben. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten die USA jetzt eine Präsidentin: Hillary Clinton. Doch die Nacht nimmt einen anderen Verlauf. Je mehr Stimmen ausgezählt sind, desto mehr verändert sich die Situation in den Swing-States zugunsten von Donald Trump. Irgendwann steht fest, dass Florida an den Republikaner geht. „Das war noch verkraftbar, wir haben alle auf Ohio gehofft“, sagt Pegah Hassanpour. Doch als Trump auch diesen Bundesstaat gewinnt, herrscht Schweigen im Saal. Ein Bangen und Warten beginnt.

Große Enttäuschung

Irgendwann fehlen Trump nur noch 30 Wahlmänner für den Sieg, doch die nächsten Entscheidungen lassen auf sich warten. Gegen 8.30 Uhr gibt es erste Meldungen, nach denen der Republikaner auch Wisconsin gewonnen hat. Damit wäre er praktisch nicht mehr einzuholen. Um 8.42 Uhr wird Trumps Sieg vermeldet. In einem ersten Statement lobt der Kandidat die Verdienste seiner Konkurrentin Hillary Clinton, gibt sich präsidial. „Es ist wichtig, dass wir als ein geeintes Volk zusammenkommen“, sagt Trump, „ich verspreche jedem Bürger unseres Landes, dass ich der Präsident aller Amerikaner sein werde, das ist mir wichtig.“

Trösten kann das am JFKI niemanden so richtig. Man hatte auf Hillary gehofft, einige sind den Tränen nah. „Man hat den Leuten die Erschütterung angesehen“, sagt Pegah Hassanpour, „wir haben durch unser Studium alle eine Verbindung zu den USA. Wenn man dann merkt, wie die Leute dort abgestimmt haben, ist das schon traurig und schwer nachvollziehbar.“ Für allzuviel Trauer blieb am Ende allerdings keine Zeit: Viele Wahlparty-Besucherinnen und -Besucher sind nach der langen Nacht direkt ins Seminar gegangen – wo die wissenschaftliche Auswertung der Wahlnacht begann.