Freie Universität Berlin


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Landschaftsgärtnerische Arbeiten auf dem „alten Campus“

Studenten-Aue zwischen den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaft und Rechtswissenschaft wird neu gestaltet / Verbindungsweg zum Neubau für Präzisionslaboratorien der Max-Planck-Gesellschaft

13.07.2016

Die Besucher der Vegetarischen Mensa können die Bauarbeiten auf der Studenten-Aue aus der ersten Reihe beobachten.
Die Besucher der Vegetarischen Mensa können die Bauarbeiten auf der Studenten-Aue aus der ersten Reihe beobachten. Bildquelle: Marina Kosmalla
Vor dem Neubau für Präzisionslaboratorien der Max-Planck-Gesellschaft setzt sich der Betonweg bis hin zum Faradayweg fort.
Vor dem Neubau für Präzisionslaboratorien der Max-Planck-Gesellschaft setzt sich der Betonweg bis hin zum Faradayweg fort. Bildquelle: Marina Kosmalla
Für die Umgestaltung musste das kaum noch genutzte Radiumhaus (rechts im Bild) abgerissen werden.
Für die Umgestaltung musste das kaum noch genutzte Radiumhaus (rechts im Bild) abgerissen werden. Bildquelle: Technische Abteilung, Freie Universität Berlin

Aufmerksamen Beobachtern sind vor Wochen bereits die zunächst kleinen Veränderungen aufgefallen, die den letzten Bauabschnitt an der sogenannten Studenten-Aue vorbereitet haben. Zuerst musste das Bienenhotel auf der Wiese hinter der Vegetarischen Mensa ein paar Meter umziehen. Dann musste die Skulptur „Many Lives Pass By While Imitating Death“ des georgischen Künstlers Vajiko Chachkhiani ihren Platz verlassen. Der Grund: Auf der langgestreckten Wiese zwischen den Gebäuden der Wirtschafts- und der Rechtswissenschaft sowie zwischen Vegetarischer Mensa und Henry-Ford-Bau werden neue Bäume und Stauden gepflanzt sowie die Wege neu angelegt. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Technischen Abteilung der Freien Universität ging es bei der Umgestaltung der Park- und Außenanlagen darum, ein einheitliches Bild zu schaffen.

Der unebene Plattenweg wird durch einen Betonweg ersetzt, wie er bereits auf dem restlichen Gelände zu finden ist. Er stellt die Verbindung zum nördlichen Gelände her: dem Bereich hinter der Bolzmannstraße 3 und durch einen weiteren Abzweig zur Van‘t-Hoff-Straße. Die Bauarbeiten sind mit den anliegenden Fachbereichen abgestimmt und können bis in die vorlesungsfreie Zeit reichen, da vor allem während der Prüfungszeiten keine lauten Arbeiten stattfinden sollen.

Ein einheitlicher Campus

Auf der nördlichen Seite der Van‘t-Hoff-Straße wird sich der Betonweg fortsetzen, entlang der Rückseite des Hahn-Meitner-Baus bis hin zum Faradayweg. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hat dort einen Neubau für Präzisionslaboratorien errichtet und erneuert gleichzeitig die umliegenden Grünflächen. Durch eine einheitliche Bepflanzung des gesamten Geländes sowie die Weiterführung des Weges soll das Bild eines gemeinsamen, einheitlichen Campus entstehen. Aus diesem Grund wurden Zäune entfernt und Höhenunterschiede angeglichen.

„Die Zusammenarbeit mit der Max-Planck-Gesellschaft sowie unserem Landschaftsarchitektenbüro Atelier LOIDL mit der Gartenarchitektin der MPG Doris Köhnkow aus München hat sehr gut geklappt“, sagt Burkhard Golze, der in der Technischen Abteilung der Freien Universität für die Planung und Steuerung dieser Umbaumaßnahme zuständig ist. Die MPG konnte während der Bauphase das benachbarte Gelände der Freien Universität für Baufahrzeuge und -material nutzen. Dafür hat sie die Kosten für den Abriss eines kleinen Lagerhauses – das sogenannte Radiumhaus – auf dem Gelände übernommen, für das keine Verwendung mehr bestand.

Kleines Haus mit großer Geschichte

Vor dem Abriss des Radiumhauses hat Burkhard Golze dessen Geschichte recherchiert, um sie für die Denkmalschutzbehörde zu dokumentieren. Das Haus wurde 1927 auf Antrag von Otto Hahn und Lise Meitner gebaut, die darin radioaktive Materialien lagerten. Die Physikerin und der Chemiker hatten von 1912 an mehr als zwei Jahrzehnte lang zusammen in der Thielallee 63 – dem heutigen Hahn-Meitner-Bau – gearbeitet. Lise Meitner war entscheidend an der Entdeckung der Kernspaltung beteiligt, die Otto Hahn dort gemeinsam mit seinem Kollegen und Chemiker Fritz Straßmann im Jahr 1938 gelang – wenige Monate nachdem die gebürtige Wienerin und Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts vor den Nationalsozialisten ins Ausland fliehen musste.

Heute beherbergt der Hahn-Meitner-Bau Teile des Instituts für Chemie und Biochemie der Freien Universität. Das Institut hatte das Radiumhaus nur noch in geringem Maß als Chemikalienlager genutzt. Bereits in den 1950er Jahren hatte der Bezirk den Abriss des Hauses gefordert, weil dort ein Grünzug geschaffen werden sollte. Zu dieser Zeit war aber das Chemie-Gebäude in der Fabeckstraße 34-36 noch nicht fertiggestellt. Die gesamten Chemie-Institute waren in der Thielallee 63 konzentriert, sodass das kleine Haus für ein Radionuklidlabor benötigt wurde. Aus einer vorübergehenden wurde eine dauerhafte weitere Nutzung – mit Zustimmung des Bezirks. Jetzt, ein halbes Jahrhundert später, wird schließlich die Planung aus den 1950er Jahren verwirklicht. Die Baumaßnahmen auf der Studenten-Aue sollen im Spätsommer abgeschlossen sein.