Freie Universität Berlin


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„Generationen von Literatur-, Kultur- und Sozialwissenschaftlern inspiriert"

9. Juni, 18 Uhr: Hayden White erhält die Ehrendoktorwürde der Freien Universität

05.06.2015

Erhält die Ehrendoktorwürde: der US-amerikanische Historiker und Literaturwissenschaftler Professor Hayden White.
Erhält die Ehrendoktorwürde: der US-amerikanische Historiker und Literaturwissenschaftler Professor Hayden White. Bildquelle: Prof. Dr. Harald Wenzel
Die Laudatorin Professorin Ulla Haselstein vom John-F.-Kennedy-Institut.
Die Laudatorin Professorin Ulla Haselstein vom John-F.-Kennedy-Institut. Bildquelle: Frank Nürnberger

Hayden White ist emeritierter Professor am History of Consciousness Program der University of California, Santa Cruz, sowie Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Stanford. Er hat mit seinem Hauptwerk „Metahistory" die Analyse der rhetorischen und erzählenden Grundstrukturen der (deutschen) Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. Campusleben sprach mit der Laudatorin Professorin Ulla Haselstein vom John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin, die Hayden White am 9. Juni ehren wird.

Frau Professorin Haselstein, die Freie Universität wird dem amerikanischen Historiker und Literaturwissenschaftler Hayden White die Ehrendoktorwürde verleihen. Warum Hayden White?

Hayden Whites Thema ist das Erzählen. Insbesondere den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen dem Erzählen der Historiker und dem literarischen Erzählen hat der Amerikaner mehrere Studien gewidmet. Welche Formen des Erzählens sind in der Geschichtsschreibung zulässig, welche im Roman? Wie versucht ein Historiker, das Verhältnis zwischen Faktizität und Fiktionalität zu kontrollieren, wie ein Romancier die Fiktionalität des Textes auf Fakten zu gründen? Hayden Whites Antworten auf diese Fragen zielen darauf, die in beiden Gattungen verwendeten sprachlichen Mittel als gemeinsame Struktur herauszuarbeiten und gleichzeitig die diskursiven Grenzziehungen sichtbar zu machen.

Hayden White hat in seinem Hauptwerk „Metahistory – Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa" die Geschichtsschreibung als einen bewusstseinsbezogenen Prozess des Erzählens beschrieben. Was heißt das?

In „Metahistory“ untersucht White zum einen die Texte berühmter europäischer Historiker des 19. Jahrhunderts – Michelet, Ranke, Tocqueville und Burckhardt – als Elemente einer Entwicklung realistischen Erzählens, die parallel zur Entwicklung des Romans verläuft. Er analysiert zum anderen die geschichtsphilosophischen Arbeiten Hegels, Marx’, Nietzsches und Croces als Reflexionen der moralischen und politischen Einsichten, die die Historiografie als Ergebnis der „historischen Einbildungskraft“ liefern kann.

Inwiefern prägt Hayden White als interdisziplinär arbeitender Wissenschaftler die Lehre und Forschung am John.F-Kennedy-Institut und am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität?

White untersucht die Sprache wissenschaftlicher, philosophischer, literarischer Texte als Fundament der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit: Er interessiert sich für die gewählten Begriffe und ihre Begründung, die rhetorischen Verfahren zur Plausibilisierung der Darstellung, die verhandelten Interessen und die unausgesprochenen Lücken. Damit hat er Generationen von Literatur-, Kultur- und Sozialwissenschaftlern inspiriert. Er war des öfteren zu Gast am Kennedy-Institut und hat an der Graduiertenschule des Kennedy-Instituts als Gastprofessor gelehrt.

Die Fragen stellte Stephan Töpper

Weitere Informationen

Ort und Zeit

  • Hörsaalgebäude Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin, Hörsaal A, Garystraße 35, 14195 Berlin, U-Bhf. Thielplatz, U3.
  • Dienstag, 9. Juni 2015, Beginn: 18.00 Uhr

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt, der Eintritt ist frei. 

Der Titel des Festvortrags von Hayden White lautet „Outcasts, Monsters und Simulacra of History: A Meditation on the Relation between History and Literature” (Verbannte, Monster und Simulacra der Geschichte: eine Meditation über das Verhältnis von Geschichte und Literatur).